Rezension verfasst vor 2 Monaten
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"Der Kinderdieb" ist so eine Art Peter Pan. Im Dunklen streift er durch New York, auf der Suche nach Kindern, denen es schlecht geht. So schlecht, dass sie ihm bereitwillig in seine Welt folgen, von der er in den buntesten Farben berichtet. Man wird nie erwachsen, alles ist fantastisch und magisch - und schon folgen ihm die Kinder mit der Sehnsucht nach einem besseren Leben im Herzen. Doch Peter sagt nicht die ganze Wahrheit, denn die einstmals so schöne Fantasiewelt ist dabei, sich selbst zu zerstören...
Atemlos sog mich die Atmosphäre der ersten zweihundert Seiten ein, ich gebe zu, ich habe sogar davon geträumt. Sehr faszinierend, wie Peter die Jugendlichen findet, welche Schicksale sie beuteln und wie sie ihm folgen. Auch das Kennenlernen der fremden Welt war ein wahres Erlebnis, und erinnert, wier auch im Klappentext genannt, in der Tat ein wenig an "Herr der Fliegen".
Mit kompromissloser, rauer Sprache erschafft der Autor einen Mikrokosmos, der scheinbar schon verloren ist. Nichts von wegen endloser Spiele und nicht Erwachsenwerden, nein, in der Neuen Welt geht es um grausame Schlachten, gnadenlose Kämpfe und eine Welt, die bereits in sich zusammenfällt. Immer weiter müssen die Bewohner umherstreifen, um winzige Mengen Nahrung zu finden. Die Welt wird grauer, toter und auswegloser.
Neben Peter ist Nick, einer der "entführten" Jungen, eine der Hauptfiguren. Doch mit ihm ist irgendetwas nicht in Ordnung. Er wacht jede Nacht mit brennenden Bauchschmerzen, scheußlichen Alpträumen auf, ist am Tag ruhelos und aggressiv. Was stimmt nicht mit ihm? Und - ist diese Welt noch zu retten?
Da das Buch sehr spannend ist, wenn man brutale Fantasy mag, war ich sehr schnell durch. Besonders die Sprache, die recht graphisch ist, hat mir gefallen, teilweise sind die Szenen sehr heftig und bestimmt nicht für jeden geeignet. Hätte ich das Buch nach den ersten zweihundert Seiten benoten müssen, hätte ich ohne Zögern die Höchstnote gegeben. Aber da ich fand, dass die fremdartige Welt ein wenig zu abgekupfert war - besonders der "Herr der Ringe" kam mir mehrfach in den Sinn - muss ich leider doch einen Stern abziehen. Ansonsten gibt es für mich nichts auszusetzen, außer der ein wenig fehlenden Eigenständigkeit. Sehr gut fand ich auch die Nachbemerkungen des Autors, in denen er über die verschiedenen Mythen schreibt, die ihn beeinflusst haben. Und mehr als gelungen sind auch die Illustrationen die eingefügt sind.
Fantasy und vielleicht auch Horrorfreunde sollten einen Blick in das Buch riskieren und mit Peter und Nick durch den Nebel tauchen. Dieses Buch ist anders, grausam, brutal, hoffnungslos, voll trister Schönheit, voller Verderben und Schmerz. Versucht es, wenn ihr euch traut!
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