Inhalt
Die Geschichte beginnt zu einem Zeitpunkt, da Dracula bereits seit fünf Jahren als tot gilt. Ein Gericht soll darüber entscheiden, ob ihm seine Grausamkeiten vergeben und der Drachenorden wieder rehabilitiert werden kann. Draculas Taten grassieren als Schauergeschichten durch alle Herrenländer und niemand wagt zu sagen, was wahr ist und was eine Lüge. Lediglich drei Augenzeugen sollen noch existieren, die ein Bekenntnis darüber ablegen können. Ion Tremblac, Freund und Weggefährte, Ilona Ferenc, Vlads Geliebte und Bruder Wassili, der Beichtvater. Sie beginnen zu erzählen: von der Kindheit im Lager der Türken, vom Kampf um den walachischen Thron, von Sieg und Niederlage gegen das osmanische Reich, von Liebe, Verrat und Tod.
Einschätzung
Wer kennt ihn nicht, den blutsaugenden Dämon, der die arme Mina in ihr Verderben stürzte. Doch wer war dieser Vlad Dracula wirklich, den der Autor Bram Stoker als Vorlage für seinen Roman erkor? Er hat rein gar nichts gemein mit der historischen Figur, der C.C. Humphreys dieses Buch gewidmet hat. Ich war von Anfang an fasziniert und gleichermaßen schockiert ob der Gräueltaten, die der junge Vlad unter Sultan Murad erdulden musste. Kein Wunder also, dass er zu dem Mann wurde, den wir aus den Geschichtsbüchern kennen. Sein Bestreben lag stets darin, die Osmanen von seinem Reich fernzuhalten und seinem Volk ein besseres Leben zu ermöglichen. Zugegeben, seine Methoden mögen umstritten sein, doch die geschichtlichen Aufzeichnungen sowie die Verbrecherstatistik sprechen für sich. Die Türken zogen unverrichteter Dinge ab, als sie auf hunderte gepfählte Menschen trafen. Und man erinnere sich nur an die Geschichte vom goldenen Kelch, der für alle zugänglich auf dem Dorfbrunnen stand und niemals gestohlen wurde. Auch in unseren Tagen gehen die Meinungen bezüglich seiner Person in unterschiedliche Richtungen. Es ist von einem Volkshelden die Rede, von einem Strategen und Philosophen bis hin zum größten Massenmörder in der Geschichte der Menschheit. Ich finde es schade, dass Dracula ausschließlich mit Bram Stokers Romanfigur in Verbindung gebracht wird. Umso mehr hat es mich gefreut, als ich dieses Buch entdeckt habe.
Vlad Dracula ist zu Beginn des Buches ein junger Mann mit Idealen, der, gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Radu, im Lager der Türken unaussprechliche Grausamkeiten erfährt. Getrieben von Rachegelüsten gegen seine Peiniger und in der Absicht ein guter Herrscher zu sein, bedient er sich fortan der Methoden, die ihm im Folterlager beigebracht worden sind. Weder seine 1. Ehefrau Elisabeta, noch seine 2. Ehefrau Ilona ahnen etwas von seiner Grausamkeit. Lediglich seine Mätresse Ilona Ferenc bekommt sie am eigenen Leib zu spüren. Sie ist eine Konkubine, die Vlad aus den Fängen des Sultans befreit und die vermutlich als einzige jemals wirklich sein Herz besitzt – zumindest, was die Romanfassung anbelangt.
C.C. Humphreys erzählt eine grandiose Geschichte zwischen Fiktion und Historie, die nicht beschönigt, die stellenweise sogar äußerst grausam ist. Sie zeichnet ein Bild von einem einsamen Anti-Helden, mit dem die Leser trotz seiner Taten sympathisieren. Einen großen Pluspunkt erhält der Autor für sein Nachwort, in dem er schildert, welche Begebenheiten den Tatsachen entsprechen und welche nicht.
Das Cover ist in Grautönen gehalten und zeigt auf düstere Weise die Burg Poenari. Der blutrote Schriftzug „Vlad“ weckt Erinnerungen an den Vampir Dracula. Stimmungsvoll verspricht das Cover, was der Roman hält.
Fazit
Eine düstere Legende um einen Mann, der von Grausamkeiten geprägt, stets danach strebte, sein Land bestmöglich zu regieren. Für dieses historische Meisterwerk vergebe ich 5 von 5 Punkten – und ein blutrotes Amazing! (LK)