Leser-Rezension zu „Pfefferkuchenhaus” von Carin Gerhardsen
am 31.08.2010
Carin Gerhardsen erzählt ihren Krimi mit einem dermaßen moralisch erhobenen Zeigefinger, dass man sich fragt, ob sie wirklich hauptberuflich in der IT Branche arbeitet oder aber ein Kloster leitet. Im Grunde ist gegen politische Korrektheit oder dem Versuch der Wertevermittlung auch in Kriminalromanen natürlich nichts einzuwenden, geschicktere Autoren wählen in ihren Erzählungen jedoch zumeist eine etwas subtilere Methode als das Eintrichtern durch einen Baseballschläger. So werden Themen wie Rassismus, Moral, Mobbing etc. wie in einem Schulbuch vermittelt, was mich als Leser vermuten lässt, Frau Gerhardsen zweifelt an meiner Mündigkeit. Das moralisch überfrachtete Werk wäre trotzdem noch ein interessanter Krimi, wenn der gewiefte Leser nicht schon auf den ersten 50 Seiten den/die Täter/in erkennen würde; wenn nicht eine zweite, parallele Handlung bezogen auf eine der Ermittlerinnen ablaufen würde, die mit dem Rest nichts zu tun hat; wenn nicht so viele Wiederholungen auftauchen würden, so dass auch der letzte debile Leser verstehen kann, was vor sich geht; wenn nicht so viele Dinge erzählt werden würden, die die Handlung weder vorantreiben, die Figuren realistischer erscheinen lassen noch den Roman interessanter machen. Frau Gerhardsen würde nach der bisherigen Kritik den Leserinnen und Lesern erklären, dass sie lieber die Hände vom "Pfefferkuchenaus" lassen sollten. Ich gehe davon aus, dass sie diese Entscheidung von selbst treffen können.

