"Nette Fantasygeschichte, mit Wandlung zum depressiven Hauptcharakter"
Inhalt:
In “Das Lied von Malonia” geht es um den fünzehnjährigen Leo North, der gemeinsam mit seinem Bruder und seiner Großmutter in einem Armenviertel in Kalitzstadt lebt. Diese Stadt befindet sich in dem Land Malonia, das von dem Diktator Lucien beherrscht wird. Allerdings war vor einiger Zeit noch alles anders, als die königliche Familie über Malonia herrschte und alles dadurch besser noch war. Doch diese Zeiten sind längst vorbei, sodass Leo kämpfen muss, um in dieser tyrannischen Welt zu überleben. Eines Tages findet Leo auf einmal ein schwarzes Buch, das magisch zu sein scheint. Es berichtet ihm von den Geschichten seines Großvaters, der in das Land England, weit weg von Malonia verbannt wurde, da er über starke magische Fähigkeiten verfügt und so auch North seine Geschichten erzählen kann. Aber alles ändert sich, als Leos kleiner Bruder stirbt und plötzlich scheint sein Glück vollkommen verloren zu gehen, zwischen Revolution, dem wahren König von Malonia und Leos ungezügelter Wut.
Meinung:
“Das Lied von Malonia” ist der Beginn einer Trilogie, die im englischen auch unter dem Titel “The Last Descendants” bekannt wurde. Es handelt sich um einen Fantasy Roman, bei dem die Geschichte teilweise in der fiktiven Welt Malonia spielt, aber auch in England. Obwohl dies der Beginn einer Reihe sein soll, schließt das Buch aber in sich ab, da die Fortsetzung erst Jahre später spielt.
Die Hauptrolle gilt dem jungen Leo North, der in recht armen Verhältnissen lebt und dem nur noch sein kleiner Bruder und seine Großmutter geblieben sind. Als Leo eines Tages ein schwarzes Buch findet, indem unregelmäßig Geschichten erscheinen, ist ihm sofort klar, dass es sich um Zauberei handelt muss, denn diese liegt in seinen Genen. Zusammen mit seinem Bruder taucht er immer wieder in diese Geschichten ein, um dem grausigen Alltag in Malonia zu entfliehen, bis er merkt, dass er die Geschichte seines Großvaters liest, der gemeinsam mit dem rechtmäßigen Thronerben nach England verbannt wurde. Allerdings kann es sich nicht mehr nur auf diese Geschichte konzentrieren, die ihm mehr und mehr zeigt, dass eine sich weitere Revolution anbahnt, da er sich um seinen todkranken Bruder kümmern muss, der plötzlich am schleichenden stillen Fieber erkrankt. Mit Hilfe von Maria, einer guten Freundin und seiner Großmutter pflegte er ihn, bis er stirbt und Leos Welt völlig aus den Fugen gerät. In seinen Träumen landet er mehr und mehr in diesem seltsamen Land England und weiß nicht mehr wo er mit sich hin soll, gefangen zwischen unendlichem Kummer und einer zügellosen Wut.
Diese Geschichte wird hauptsächlich aus der Ich-Perspektive von Leo erzählt, jedoch wechselt diese, sobald Leo erneut aus dem Buch liest oder über England und seinem Großvater träumt. Zwar bauen diese Wechsel Spannung auf, aber ebenso stiften diese Verwirrung, da zu Beginn diese Wechsel ständig geschehen, sodass man teilweise nicht mehr weiß, ob dies die Realität oder einer von Leos Träumen ist.
Dazu kommt, dass die Geschichte, die in England spielt, um Längen spannender ist, als Leos Alltags Leben in Malonia und das, wo der Roman überwiegend in einer fiktiven Welt spielt. Die Geschichte wird zwar nett erzählt, ist meiner Meinung nach aber sehr vorhersehbar. Dabei hätte das Buch weitaus mehr Potenzial. Das schlimmste ist dann aber noch, dass das Buch ab der Stelle, bei der Leos Bruder stirbt, völlig aus den Fugen gerät. Wieso? Vorher waren beide Handlungsstränge ausgeglichen und ich dachte, dass die Geschichte sich auf die Revolution in Malonia hinarbeitet, aber sobald der kleine Bruder von Leo stirbt, erhält Leo 80% der Aufmerksamkeit der Autorin und dies nicht zu knapp, denn man erlebt den, noch zuvor sympathischen Hauptprotagonisten, nun von einer sehr traurigen Seite, was natürlich verständlich ist. Das Problem hierbei ist aber, dass der Hauptcharakter in diesem Loch stecken bleibt und dies dem Leser detailreich erläutert wird. Ich dachte immer wieder, jetzt muss sich Leo wieder aufrappeln, jetzt muss er merken, dass man weiter leben muss! Allerdings ähnelt Leo irgendwann eher einem geistig Verwirrtem mit seltsamen Wutausbrüchen, als einem magisch talentierten jungen Mann, der wieder zur Besinnung kommt. Dies ist auch der Grund wieso dieses Buch niemals 5 Sterne verdienen würde, es schweift einfach zu sehr ab. Die Geschichte um den König von Malonia, der den Diktator stürzt, gerät einfach völlig in den Hintergrund! Natürlich trauern Menschen um verlorene Verwandte, natürlich ist Trauer bei solchen Textpassagen unabdingbar, aber doch nicht das ganze Buch entlang. Jeder Mensch hat garantiert schon einmal jemanden verloren, der einem sehr nahe stand, aber jeder weiß auch, dass man sich irgendwie aufrappelt — die Autorin anscheinend nicht, denn diese lässt Leo durchweg leiden, bis er wild um sich schießt, sich erschießen will und dann irgendwann gar nicht mehr spricht. Das Ende ist dann natürlich sehr prompt, die Revolution klappt, der Prinz wird König von Malonia und Leos Großvater ist wieder zurück. Und Leo? Ja, Leo merkt endlich, dass er zwar nicht glücklich sein kann, jedoch weiter leben muss. Prima und sehr motivierendes Fazit für jüngere Leser. Zwar sind solche Gefühle realistisch, dennoch sollte man sich vorher Gedanken machen, was man da eigentlich schreibt. Einen Fantasyroman, oder doch eher eine Lektüre über das Problem mit dem Loslassen.
Die weiteren Bücher werde ich mir wohl nicht mehr durchlesen, der erste Teil war mir demotivierend genug. Nette Fantasygeschichte, nette Charakter, aber die Wandlung zum depressiven Hautprotagonisten gibt dem Buch dann doch den Rest.
Der Schreibstil ist nicht gerade der Renner. Zu Beginn holpert die Autorin ziemlich durch die Kapitel und es reiht sich ein Hauptsatz nach dem anderen an. Ebenso bieten die Dialoge meist wenig Abwechslung, sodass sich das triste Bild nicht nur bei der Handlung, sondern auch bei dem Schreibstil auftut. Außerdem sind einige Textpassagen wiederum in kursiv gedruckt (Briefform) und wechseln plötzlich in der Erzählperspektive, ohne das dies vorher dem Leser veranschaulicht wird.
Das Cover finde ich persönlich extrem kitschig, mit dieser merkwürdigen Abbildung einer bleichen Figur. Das passt überhaupt nicht in mein Bild von Malonia, ebenso wenig wie das rote Buch, denn die Geschichte dreht sich die ganze Zeit um ein schwarzes. Allerdings gibt es von Blanvalet jetzt auch eine Taschenbuchausgabe, die mir dann doch besser gefällt.
Fazit:
Der Roman ist nicht schlecht, aber deprimierend. Die eigentlich spannende Handlung gerät zur Nebensache, da sich die Autorin einfach zu viel auf ihren deprimierten Hauptcharakter konzentriert. Somit geht auch der Fantasyfaktor um einiges flöten, weshalb ich diesen Roman nur bedingt weiterempfehlen würde, wenn man wirklich kein anderes Buch vorziehen mag, denn die Geschichte ist zwar interessant, ebenso wie das fiktive Land Malonia und dessen magische Geschichte, aber man hat zu oft das Gefühl, dass Leo zu geistlicher Verwirrung neigt.