Elizabeth lebt zusammen mit ihrem sechsjährigen Neffen Luke und ihrer Schwester in einem Haus. Jedoch ist ihre Schwester Saoirse eine Ausreißerin und Alkoholikerin, um die sie sich tagtäglich Sorgen machen muss. Da Luke von seiner Mutter links liegen gelassen wird, muss Elizabeth ihn groß ziehen, so wie sie einst ihre Schwester groß zog, als ihre eigene Mutter verschwand.
Elizabeth liebt Ordnung, alles hat seinen Platz und alles ist auch hygienisch rein. Ihr Leben beginnt sich zu verkomplizieren, als ihr Neffe plötzlich einen imaginären Freund namens Ivan hat. Aber alles wird noch viel verwirrender, als plötzlich ein Mann bei ihr auftaucht, der ebenfalls Ivan heißt.
Bisher das beste Buch, das ich von Cecilia Ahern gelesen habe! Die Geschichte ist sensibel, flüssig und liebevoll geschrieben, die beiden Hauptcharaktere Elizabeth und Ivan sind wie Tag und Nacht und haben dennoch unglaublich viele Gemeinsamkeiten, die sie nach und nach aneinander entdecken. Und sich dadurch ineinander verlieben. Elizabeth ist erwachsen, erlaubt sich keine starken Gefühle, trägt immer unauffällige Farben und ist ganz gefangen in ihren Gewohnheiten. Sie weiß selbst, dass sie so Luke keine liebevolle Mutter sein kann. Ivan hingegen ist sehr kindlich, verspielt und hat nie aufgehört zu träumen. Er glaubt an die Wunder im Leben und sieht sie auch, wie sie nur Kinder sehen können. Er verändert mit seiner Art Lukes und Elizabeths Leben drastisch. Sie beginnt freier zu werden, gelöster, traut sich mehr und verliert immer mehr diese Steifheit, die sie auszeichnet. Er sorgt zudem dafür, dass ihre Beziehung zu ihrem Vater wieder hergestellt wird, dass sie zwischenmenschliche Kontakte knüpft, sich an ihre verdrängte Vergangenheit erinnert und Farbe bekennt.
Die Liebe, die sich zwischen Elizabeth und Ivan entwickelt, ist sehr zart und romantisch. Es kommt nie zu mehr als einen Kuss - und diese Liebe ist auch tragisch, denn sie kann auch nicht bestehen. Ivan ist nämlich wirklich nur für sie und Luke sichtbar. Er ist ein Freund für jeden, der ihn sehen kann und von dem er damit weiß, dass er ihn braucht. Er altert nicht und erst durch andere seiner Art muss ihm dies bewusst werden, dass er deshalb nicht mit Elizabeth zusammen sein kann.
Ich mochte das Ende, denn es wäre zu kitschig geworden, wenn sie hätten zusammen sein können. Eine Beziehung, bei der ein Partner für den Rest der Welt unsichtbar ist, ist mehr als unvorstellbar und unmöglich.
Warum dann "nur drei Sterne"? Ich habe nicht verstanden, warum die Autorin zwischen einem auktorialen und einem Ich-Erzähler gewechselt hat, besonders, weil zwischen den Erzählweisen kein ausgeglichenes Verhältnis bestand. Durch Ivans Perspektive wird seine kindische Ader zwar deutlicher, aber sie wurde auch durch die Geschichte im Generellen klar.
Dann fand ich es merkwürdig, dass Elizabeths Schwester Ivan sehen konnte, aber das im Verlauf der Geschichte nur einmal geschah - und zwar dann, als Ivan für Elizabeth noch nicht sichtbar war. Welchen Sinn hat das ergeben? Es wäre sinnvoller gewesen, wenn es passiert wäre, als Elizabeth ihn auch sehen konnte - denn dann hätte sie einen Menschen gehabt, der ihn in ihrem Umfeld erblickt hätte und es wäre für sie umso schwerer zu fassen gewesen, dass er unsichtbar gewesen sein soll. Aber es war auch in dem Sinne merkwürdig, da Ivan für jene sichtbar sein soll, die ihn irgendwie brauchen. Aber er tritt nie in Kontakt mit Saoirse. Das fand ich mehr als unlogisch.
Auch Elizabeths Vergangenheit fand ich etwas drastisch dargestellt. Mit 12 zieht sie ihre Schwester groß, weil ihre Mutter, eine Alkoholikerin, einfach abgehauen ist. Ein bisschen drastisch. Etwas zu viel, für meinen Geschmack. Mir wäre es lieber gewesen, wenn es dabei geblieben wäre, dass die Mutter einfach ein Freigeist war.
An dem Buch gibt es aber noch eine ganze Menge zu entdecken, wenn man es denn liest. Daher würde ich es auf jeden Fall weiter empfehlen!