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Vor 1 Jahr
(10)Erzählt wird die Geschichte des Waisenjungens Oliver Twist.
Sein Weg führt ihn von einem Waisenhaus auf dem Land ins Arbeitshaus, wo er erst eine Lehre bei einem Schornsteinfeger machen soll, dem man seine Brutalität schon an den Augen ansieht, und dann schließlich bei einem Sargtischler landet. Von seinen Mitangestellten schikaniert, nimmt er schließlich Reißaus und flüchtet nach London. Dort gibt es einen ständigen Wechsel von Glücks- und Unglücksmomenten, so dass man schließlich glaubt, dass das Schicksal es nicht will, dass Oliver irgendwann einmal glücklich werden kann.
„Oliver Twist“ ist der zweite Roman, den ich von Charles Dickens gelesen habe. Und wieder, wie schon bei den Weihnachtsgeschichten, hatte ich meine reinste Freude an den Dickens’schen Schachtelsätzen, die zum Teil zweimal gelesen werden mussten, damit sich der Inhalt vollständig erschließt. Versucht man, diese in ein Notizbuch zu zwängen, füllen gerade einmal vier Sätze eine ganze Seite. Und doch liebe ich sie.
Die Geschichte des Oliver Twist hat mir gut gefallen, auch wenn man merkt, dass es sich um einen der frühen Romane von Dickens handelt. Der arme Junge hat mir einfach leid getan. Immer wenn er es endlich geschafft hatte, glücklich zu sein, kam wieder irgendwas dazwischen, was ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht hat.
Obwohl die Geschichte von Gaunern und Schurken nur so wimmelt, waren die Charaktere dennoch durchweg sympathisch, gerade wegen der vielen satirischen, ironischen Elemente, mit denen Dickens seine Geschichte ausschmückt.
„Die alte Dame machte eine achtungsvolle Verbeugung, die besagen sollte, dass sie den Doktor für einen ungemein gescheiten Herrn halte. Der Doktor schien von sich selbstverständlich die gleiche Ansicht zu haben“ (S. 98)
Sätze wie dieser brachten mich immer wieder zum schmunzeln. Außerdem merkt man, dass Dickens wusste, wovon er schrieb, dass Dinge, die er Oliver in der Geschichte erleben lässt, selbst erlebt oder zumindest mit angesehen hat. Dadurch wird die Geschichte umso authentischer und Dickens zeichnet ein gelungenes Bild der Zeit, in der er selbst gelebt hat, ohne allerdings Dinge zu beschönigen oder zu verschweigen.
„Oliver Twist“ gehört zu den Klassikern, die man unbedingt einmal gelesen haben sollte. Ich bin froh, dass ich es endlich getan habe, nachdem er nun schon mehrere Jahre auf meinem SuB verstaubte.
Vier Sterne sind es, weil es sich um ein frühes Werk von Charles Dickens handelt und Steigerung durchaus möglich ist.
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