Schattenspiel ist ein eher ungewöhnlicher Roman. Der Aufbau ist vollkommen anders als bei den Büchern die ich bisher gelesen hatte, was sehr interessant war.
Man erfährt über die fünf Freunde sehr viel, da jeder von ihnen eine Lebensgeschichte hat, die in einer Art Kurzgeschichte ausführlich geschildert wird. Diese Abschnitte werden jedoch nicht langweilig, da sie Wendepunkte im Leben des jeweiligen Protagonisten schildern. Und an der Stelle wird es auch für die gegenwärtige Handlung des Buches bedeutend, denn jeder dieser Wendepunkte liefert ein Motiv für einen der Freunde David Bellino umzubringen. Jede Geschichte hat mich gefesselt…durch sie habe ich eine „Verbindung“ zu den Protagonisten Mary, David, Steve, Gina und Nathalie bekommen. Man erhält aber auch Einblicke in das Leben von den Personen, die vielleicht erst einmal nur als Nebencharakter agieren (wie zum Beispiel Laura, der Geliebten Davids).
An einigen Stellen kam es mir vor als habe Link die Zeit in der die geschichte spielt vertauscht. Mary ist sehr konservativ und benimmt sich nicht wirklich wie eine erwachsene Frau. Diese Tatsache lässt sich aber auch auf ihre Lebensgeschichte schieben…
Charlotte Link schafft es, jedem Protagonisten Ecken und Kanten zu geben und sie trotzdem sympathisch zu machen. Bei ihrer Erzählweise sind die Motive von Mördern und Heroinsüchtigen plötzlich nachvollziehbar. Da der Sichtwechsel nicht nur erfrischend beim Lesen war, sondern so auch nachvollziehbar wird, wie Außenstehende Personen jemanden wahrnehmen und wie er sich selber sieht, war es ideal für diesen „psychologische[n] Spannungsroman“ (Journal der Frau): Ich bekam einen „Rundum-Blick“ über diesen Menschen. Damit konnte man auch für sich selber prüfen, wer der Täter sein könnte.
Das Ende des Buches habe ich bereits geahnt, bedeutet ich habe ab den letzten drei Kapiteln eine Ahnung gehabt wer der Täter sein könnte. Damit lag ich auch richtig, obwohl ich sonst keine Romane lese in denen es um Mord geht. Tatsächlich geht es in diesem Roman aber gar nicht so sehr um die Aufklärung des Mordes, sondern um die Lebensgeschichten. Zum Schluss gab es dann aber doch noch mal eine Überraschung, die ausgeglichen hat, dass ich schon wusste wer der Täter war. Ich habe das Ende als ein offenes empfunden, da die Lebensgeschichten natürlich noch nicht abgeschlossen sind und Charlotte Link das auch deutlich macht. An der Stelle sei aber natürlich nicht zu viel verraten!
FAZIT
Ein außergewöhnlicher Roman, alleine von seiner Erzählweise her und wie das Leben der Protagonisten ausführlich geschildert und es schafft mich dabei mitzureißen. Obwohl die Handlung fast ausschließlich in der Vergangenheit spielt, wird das Buch dadurch in der Gegenwart vorangetrieben.