Leser-Rezension zu „DARDAMEN - Gefährten der Finsternis” von Chiara Strazzulla
am 25.08.2010
K94 Dardamen von Chiara Strazzulla Kategorie: Kinder- und Jugenbuch
DARDAMEN
- Gefährten der Finsternis
von Chiara Strazzulla
Verlag: CBJ
Seiten: 797
Preis: 19,95 Euro
ISBN: 978-3-570-13741-3
Ich weiß, wir sind nicht mehr dieselben wie früher. Und doch mag auch ich nicht an das Geschwätz glauben, die Zeit der Helden sei vorbei. Wenn Frieden herrscht, findet man schwerlich heraus, ob und wo es sie gibt. Doch sobald ein Kampf ansteht, kommen die Helden hervor. Ich bezweifle, dass auch nur einer Eurer Generäle Held genannt wurde, ehe er dem Feind gegenübergestanden hat. Und so wird es ganz sicher auch irgendwo unter uns Helden geben, nur wissen wir noch nicht, wer sie sind.
Lyannen wird von seinem Volk, den Ewigen, verachtet, weil er ein Halbsterblicher ist. Sein Vater ist der Hauptmann Dardamens und einer der ersten Ewigen, aber seine Mutter ist eine geborene Sterbliche und im Gegensatz zu seinen Geschwistern sieht man Lyannen diese Wurzeln an. Doch trotz dieser sozialen Ächtung führt er ein angenehmes Leben in Dardamen, der Hauptstadt des Ewigen Königreichs. Seine Freizeit verbringt er mit seinen besten Freunden Validen, Elfhall und Drymn, doch von ihnen wird er bald getrennt sein. Im Gegensatz zu Lyannen wurden sie alle im Heer der Ewigen aufgenommen, um gegen einen mächtigen Feind zu kämpfen. Nur Lyannen wurde abgelehnt, was für ihn schlimmer ist als jede Beleidigung und jede Ignoranz.
Doch dies ist längst nicht das größte Problem, mit dem Lyannen zu kämpfen hat. Er hat sich in Eileen verliebt. Eine junge und tragische Liebe, die auf verlorenem Boden kämpft, denn Eileen ist die Prinzessin des Ewigen Königreiches, die ihrem zukünftigen Ehemann, den Königstitel in die Ehe mitbringt. Nie würden die Ewigen Lyannen, einem Halbsterblichen erlauben König zu werden. Aber als sich ein großer Schatten über Dardamen ausbreitet, kann Lyannen beweisen wie viel er wert ist. Der Herr der Finsternis, der Führer des dunklen Heeres das gegen Dardamen marschiert, ist ein schrecklicher Gegenschlag gelungen. Er hat Eileen entführt. Der Stern der Ewigen muss gerettet werden und so macht sich Lyannen mit seinen Freunden auf die Frau zu retten, die er über alles liebt.
Gleichzeitig, viele Meilen von Dardamen entfernt, überquert der junge Sylman die Grenze zu den Unbekannten Ländern, die noch nie ein Ewiger betreten hat. Er begleitet einen alten Ewigen, den alle nur den Einsamen nennen. Denn er hat alles verloren, was ihm einst was bedeutete und so zog er sich in die Wildnis zurück, um sein einstiges Leben zu vergessen. Seitdem führt er ein Leben im Verborgenen und wurde selbst zur Legende. Doch vor dreihundert Jahren vertraute ihm das Schicksal den jungen Sylman an, um den er sich fortan kümmerte. Für Sylman ist der Einsame wie ein Vater, Freund und Mentor zugleich und nie würde er von seiner Seite weichen. Doch dann offenbart ihm der Ewige sein Schicksal und Sylman muss den Weg gehen, der ihm vorbestimmt wurde. Denn ohne ihn ist das Reich der Ewigen vielleicht dem Untergang geweiht.
„Dardamen“ ist ein High Fantasy Spektakel der Extraklasse. Der Leser findet sich in einer Welt wieder, die ihm vollkommen neu ist und erfährt nach und nach mehr über seine Bewohner, seine Vergangenheit und das Leben in dieser fremden Umgebung. „Dardamen“ bietet ganz große Unterhaltung und schafft es seinen Leser für viele Stunden zu fesseln. Jeder der High Fantasy liebt wird von der Geschichte um die Ewigen begeistert sein, allerdings dürfte es Unerfahrenen einige Schwierigkeiten bereitet, da das Buch einiges von seinem Leser fordert und volle Aufmerksamkeit nötig ist um den vielen Handlungssträngen zu folgen. Die Idee hinter „Dardamen“ mag nichts Neues sein, aber ist trotzdem genial und lässt das Herz höher schlagen: Eine spannende, fantasiereiche und abenteuerliche Quest junger und alter Helden, bei der nichts weniger auf dem Spiel steht, als das Leben der freien Völker und das Schicksal der Welt.
An der Handlung ist nicht viel auszusetzen, wenngleich leichte Kritikpunkte durchaus auffallen. Die Idee selbst ist nicht zu bemängeln, da sie mich vollkommen begeistern konnte. Ich liebe es in fremde Welten abzutauchen und kam in dieser Geschichte voll auf meine Kosten. Allerdings scheitert die Autorin an ihrem Bösewicht, von dem ich wirklich enttäuscht war. ‚Die Finsternis’ war mir persönlich zu langweilig, da hätte ich mir einen tiefgründigeren und interessanteren Feind gewünscht und nicht einfach jemand bzw. etwas, das einfach nur böse ist, ohne irgendwelche Grautöne. Jedoch konnte ich diesen kleinen Kritikpunkt schnell vergessen, was an dem großen Ideenreichtum von Chiara Strazzulla liegt. Sie hat eine vollkommen neue Welt entworfen, mit vielen facettenreichen Völkern und einer detailreichen Vergangenheit.
Die Handlung wird aus den Perspektiven von vielen verschiedenen Charakteren erzählt. Dem stehe ich noch immer recht zwiespältig entgegen. Selbstverständlich wird ein großer Teil der Geschichte aus der Sicht von Lyannen und Slyman erzählt. Jedoch kommt fast jeder weitere wichtige Charakter ebenfalls irgendwann einmal an die Reihe. So gibt es Abschnitte aus der Sicht von Vandriyan, Ventel, Tyke, Eileen, Scrubb, dem Einsamen und so weiter. Auf der einen Seite verstehe ich durchaus den Gedanken dahinter. Durch die vielen verschiedenen Sichtweise konnte der Leser einen besseren Überblick über die Geschichte erlangen und konnte die Handlung aus jeder Sicht verfolgen, die dann erst am Ende zusammengeführt wurden. Jedoch denke ich, dass es gerade für einen Neuling in dem Bereich Fantasy eine Tortur sein dürfte.
Mir hat ihre Erzählweise gut gefallen, aber ich befürchte, dass sie auch viele Gegner findet. Wirklich bewundernswert finde ich, dass man anfangs das Gefühl nicht los wird, dass die Autorin ihre Handlungsstränge selbst nicht unter Kontrolle hat und sie wohl nie zusammen führen kann. Aber genau dies tut sie und man kann das Ergebnis nur gelungen nennen. Ich hatte viel Spaß die Handlung aus so vielen Sichten mitzuerleben und sehe es persönlich daher auch als großen Pluspunkt an. Ohne die vielen verschiedenen Perspektiven wäre der Geschichte sicher einiges verloren gegangen.
Durch die vielen verschiedenen Sichtweise lässt sich nur schwer sagen, wer als Haupt- und Nebencharakter anzusehen, da die Grenzen oft verschwimmen. Was die Protagonisten angeht habe ich leider einige Kritikpunkte. Chiara Strazzulla bombardiert ihre Leser mit einer Unmenge an verschiedenen Charakteren. Jeder noch so unwichtige Nebencharakter erhält seinen Namen und gerade am Anfang musste man sich erstmal darauf einstellen immer mehr Namen geliefert zu bekommen, die man sich merken muss. Nicht gerade erleichtert hat dies die Tatsache, dass einige Namen kaum vom anderen zu unterscheiden waren. So hatte selbst ich teilweise Momente, in denen ich erstmal nachdenken musste, wer jetzt eigentlich an der Handlung beteiligt ist.
Nicht zuletzt durch den Klappentext und die etwas häufigere Sichtweise, sticht Lyannen als Hauptcharakter durch. Und hier gab es ebenfalls ein kleines Phänomen zu melden, mit dem ich selten zu kämpfen habe und das mir einiges abverlangt hat. Ich konnte mich mit dem Hauptcharakter einfach nicht anfreunden. Lyannen ist verzogen, selbstsüchtig, bemitleidet sich selbst und nervt teilweise gewaltig. Ich weiß nicht, ob dies wirklich von der Autorin beabsichtig war, da sich wohl niemand gerne mit einem unsympathischen Helden quält.
Doch wenngleich Lyannen und ich sicherlich nie Freunde werden, konnte Chiara Strazzulla mich durch ihre anderen Charaktere mehr als besänftigen. Die restlichen Protagonisten konnten nämlich umso mehr glänzen. Sylman und der Einsame waren für mich ein echtes Highlight und auch Tyke habe ich sofort ins Herz geschlossen. Der heimliche Star war für mich Rabba Nix, der mich immer wieder zum lachen gebracht hat. Er war urkomisch und unglaublich liebenswert. Scrubb fand ich ebenfalls sehr faszinierend und habe mich immer gefreut, wenn wieder ein Abschnitt aus seiner Sicht kam. Und ohne zuviel verraten zu wollen…wie es für ihn am Ende ausgeht, hach, da hat Chiara Strazzulla mich noch mal dazu gebracht ihr Lyannen zu verzeihen. Die Protagonisten sind liebenswert und einzigartig, sie sind mir ans Herz gewachsen und das hätte ich mir auch bei Lyannen gewünscht.
Ein wichtiger Teil ist die Sprache, der ich mich als nächstes zuwenden möchte. Ich war anfangs etwas schockiert, weil ich das Gefühl hatte, dass Chiara Strazzulla schamlos versucht Tolkiens wunderbare Schreibweise zu imitieren, woran jeder Autor nur scheitern kann. Das Gefühl wurde ich auf den ersten Seiten nicht los, aber glücklicherweise hat sich dies nach einiger Zeit gebessert und irgendwie schien sie mehr und mehr zu ihrem eigenen Stil zu finden. „Dardamen“ lässt sich, wenn man erstmal drin ist, sehr angenehm lesen. Es fesselt und an bestimmten Punkten kann man nicht mehr aufhören zu lesen. Man muss jedoch Durchhaltevermögen zeigen, weil es wirklich seine Zeit dauert, bis man im Roman drin ist.
Alles in einem, dürfte auffallen, dass ich durchaus zu den meisten Punkten kleine Kritikpunkte hatte. Allerdings möchte ich trotzdem eine Empfehlung für „Dardamen“ aussprechen. Schlichtweg, weil Chiara Strazzulla es trotz dieser negativen Aspekte geschafft hat, mir „Dardamen“ nahe zu bringen. Es hat mir Spaß gemacht das Buch zu lesen und ich werde es eines Tages gerne ein weiteres Mal in die Hand nehmen um in die Welt der Ewigen zurückzukehren. Ich habe mit den Charakteren mitgefiebert und war gespannt wie es weitergeht. Die Umsetzung mag nicht perfekt sein, aber dies konnte durch die vielen guten Seiten dieses Romanes wieder ausgeglichen werden, sodass ich schlussendlich nur sagen kann, dass „Dardamen“ auf jeden lesenswert ist.
Der Roman ist jedoch, wie erwähnt, der High Fantasy zuzuordnen. Wer solch Romane liebt, dem kann ich nur raten, sich „Dardamen“ augenblicklich zu kaufen. Man muss anfangs etwas Durchhaltevermögen zeigen, aber man wird wirklich belohnt. Einige Charaktere sind wahre Highlights und die Story sprüht nur so vor Ideenreichtum. Wer mit Fantasy allgemein nicht viel anfangen kann, sollte um „Dardamen“ einen großen Bogen machen. Gleiches gilt auch für Leser, die sich in dem Genre noch nicht auskennen oder schnell überfordert sind, wenn einem mehrere fremde Namen begegnen. Fantasy Liebhaber werden aber sicherlich nicht enttäuscht. Daher also eine zweigeteilte Empfehlung. Dieses Buch ist wirklich nur etwas für Leser, die dieses Genre lieben und bereits Erfahrungen gesammelt haben.
Als möchte ich noch kurz auf das Cover zu sprechen kommen. Es ist ein absoluter Blickfang, da wird mir bestimmt keiner widersprechen. Dem Cover ist es auch zu verdanken, dass ich dieses Buch sehr schnell in den Händen hielt, als ich es zum erste Mal sah. Ich habe einigen Kritiken entnommen, dass sie dieses Cover als unpassend empfinden. Dem möchte ich nun absolut widersprechen. Das Cover ist wirklich genial und absolut passend. Um den Zusammenhang zwischen dem Cover und dem Buch zu verstehen, muss man das Buch jedoch wirklich zu Ende gelesen haben…dann ergibt alles ein Sinn. Ich war von der Wahl des Covers sehr begeistert und schließe daher meine Rezension auch mit einem Zitat aus dem Buch ab, welches sich auf die Person bezieht, die auf dem Cover zu sehen ist.
Er kannte diese Flamme, obwohl er ihr niemals einen Namen hatte geben können. In gewisser Weise hatte sie, wenn auch im Verborgenen, schon immer in seiner Brust gelodert, schon seit seiner Geburt. Ohne es zu wissen, spürte er, dass sie da war. Er konnte mit allen Flammen der Welt dort draußen spielen, weil er wusste, dass in ihm eine innere Flamme brannte, die seine Seele verzehren konnte. Und das war die Flamme, deren Name er trug.
Er wusste es noch nicht, doch diese Flamme war Rebellion.
FAZIT
High Fantasy der Extraklasse! Der Roman glänzt vor lauter Ideenreichtum, behandelt das allzeit beliebte Thema gut gegen böse und überzeugt dabei durch sehr interessante und liebenswerte Charaktere. Trotz einiger Kritikpunkte kann „Dardamen“ letztendlich doch überzeugen. Lesenwert und absolut zu empfehlen, aber nur für Leser, die dieses Genre wirklich lieben, da dieser Roman hohe Ansprüche an seine Leser stellt.
NOTE
8,5 / 9 Punkten

