Cover und Buchtitel:
Das Cover ist unscheinbar, aber trotzdem elegant und mir gefällt es. Abgebildet ist wahrscheinlich die Protagonistin Merit, die mit dem Rücken zum Betrachter steht und ihr Gesicht deshalb nicht zu sehen ist. Sie hat einen Dutt aus ihren Haaren gedreht und ihre Körperstatur erinnert an eine Ballerina. Sie steht am Fenster, schaut hinaus und es gibt einen starken Hell-Dunkel-Kontrast. Am rechten Rand schlängeln sich blassrote Verzierungen. Die untere Hälfte des Cover geht zu Schwarz über und der Titel "Chicagoland Vampires" ziert den Buchdeckel in blutroter und spitzzulaufender Schrift. Ich finde den Obertitel und auch den Untertitel "Frisch gebissen" perfekt für dieses Buch ausgewählt, denn es passt einfach zur Geschichte. Außerdem kann man sich im ersten Moment unter "Chicagoland Vampires" nicht wirklich etwas vorstellen. Klar, es geht um Vampire, aber warum in Chicago? Wogegen "Frisch gebissen" wieder sehr neugierig macht. Super!
Schreibstil und Charaktere:
Ich bin unglaublich froh, dass ich diese Reihe angefangen habe - Und eins sei gewiss: ich werde sie hundertpro zuende lesen! - denn mit Chloe Neill, habe ich wieder für mich eine Lieblingsautorin gefunden! Der Schreibstil ist super locker, sehr humorvoll, umgangssprachlich und trotzdem wirklich fesselnd. Von der ersten Seite an war ich in Merits Geschichte gefangen, denn die Autorin weiß es einfach die Leser für sich zu gewinnen, indem sie ihre Figuren (Merit, Mallory, Ethan etc.) sehr sympathisch und anziehend macht. Außerdem hat die Autorin, jedenfalls nach diesem Buch zu beurteilen, einen guten Humor, denn es gab mehrere Stellen, die mir Bauchmuskelschmerzen vom Lachen eingeheimst haben. Die Protagonistin Merit erzählt durchgehend die Geschichte in der Ich-Form und in Vergangenheit. Auf Umgebungen wird vollkommen ausreichend eingegangen, doch der Schwerpunkt liegt definitiv in der Beschreibung von Charakteren und den Gefühlen der Protagonistin. Es ist erstaunlich wie die einzelnen Figuren, sogar die nebensächlichen, vor meinem geistigen Auge Gestalt annehmen und zwar genau so, wie die Autorin sie beschreibt. Sie beschreibt nur die "Markenzeichen" der Figuren, sodass der Leser seine eigene Fantasie miteinbringen kann und so eine sehr zufriedenstellende "Mischung" entsteht - perfekt! Das gleiche Prinzip kann man auch für die Leser-Charaktere-Beziehung nehmen. Man entwickelt sich ziemlich schnell ein eigenes Bild über einzelne Figuren und kann sich somit schnell für eine "Seite" entscheiden, was einen dann wiederrum mitfiebern lässt. Aber manchmal gibt es auch jemand Geheimnisvolles, bei dem man sich einfach nicht sicher sein kann und das fesselt einen sogar noch mehr! Einfach grandios, ich bin wirklich sehr beeindruckt.
Merit, früher normale Studentin, hat 12 Jahre lang Ballet getanzt, stur, unabhängig und ehrgeizig. Das alles gepaart mit Vampir ergibt eine fantastisch aussehende (braune Haare, lange Beine, blasse Haut, blaue Augen), ungewöhnlich starke Vampirin von der besten Sorte, die sich nicht leicht unterkriegen lässt. Leider auch sehr unglücklich eingefädelt, dass sie gegen ihren Willen verwandelt wurde. Kein Wunder also, dass Ethan, ihr Lehnsherr aus dem Haus Cadogan und auch ihr Verwandler, ihr ziemlich auf den Keks geht. Von einem Tag auf den anderen ist ihr Leben als normale (aber auch langweilige) Studentin beendet und stattdessen muss sie sich vor der Sonne schützen, kämpfen lernen, sich dem Feudalsystem der Vampire anpassen und ihren Kleidungsstil (?!) ändern. Die Vampire haben sich vor Monaten in der Öffentlichkeit geoutet und die fantastische Welt geht mit der menschlichen Welt mittlerweile Hand in Hand. Merit hat sich allerdings nicht viel mit dem Outing beschäftig, gut also, dass Mallory da ist!
Mallory ist Merits Mitbewohnerin und beste Freundin. Die Kreativität in Person und auch sie stellt sich später als ein interessante Figur heraus. Mit gutem Rat und geistigen Beistand steht sie hinter Merit, die nicht wüsste, was sie ohne ihre beste Freundin tun würde.
Ethan Sullivan, Meister des Hauses Cadogan, ein Adonis-gleicher Körper - unglaublich heiß, blonde lange Haare, grüne eindrucksvolle Augen, vierhundert Jahre alt, und besitzergreifend. Diese Beschreibung lässt schon erraten, was für ein Problem er für Merit darstellt: anziehend, aber sie hasst ihn! Schließlich ist er der Verursacher ihrer aufgezwungenen und neuen Lebenssituation!
Meine Meinung:
Ich habe mit einer durchschnittlich guten Vampir-Geschichte gerechnet, aber nicht mit sowas. Habe mich nach diesem Twilight-Hype (Ich liebe die Bücher, aber die Filme gehen gar nicht!) sehr lange nicht mehr an die überall auftauchenden, anderen Vampir-Geschichten getraut. "Chicagoland Vampires" wird immer so hoch gelobt und nun weiß ich auch warum! Ich bin wirklich froh, dass ich mich letztendlich für diese Reihe entschieden habe, ich hätte sonst etwas wirklich gutes verpasst! Ich habe wirklich mit Merit mitgefiebert, für sie ist das alles so neu (genau wie für den Leser) und es geht in der Geschichte zwischendurch auch mal ziemlich heiß her! Dabei sind insbesondere diese Stellen mit viel Gefühl dargestellt und haben mir gefallen. Und ich bin von solchen Dingen eigentlich nicht oft positiv begeistert, aber hier finde ich sie wirklich sehr gut. Gefühle generell sind authentisch und mitreißend beschrieben, ich kann nur wiederholen, dass Chloe Neill wunderbar schreibt. Natürlich könnte man wieder darüber diskutieren, ob es gut ist, dass sich die früher gefürchteten und von Grund auf bösen Vampire heute zu sympathische Models mit Superkräften und einem gewissen Hang zu Blut entwickeln und völlig normal erscheinen, aber es ist einfach eine gute Story - Punkt. Interessant war der Aspekt, dass sich die Vampire geoutet haben und auch eine Art Feudalsystem zwischen ihnen herrscht. Am besten sind aber die Charaktere, denn sie besitzen Tiefe und sind einfach toll. Eine hundertprozentige Leseempfehlung von mir!
Fazit:
5 von 5 Punkten! :))
LESEN! :D