Leser-Rezension zu „Alles Fleisch ist Gras” von Christian Mähr

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Perlentaucher Perlentaucher
Verfasst von Perlentaucher
am 16.03.2010
 

Dornbirn ist ein kleines Biotop des bäuerlichen Biedersinns im Vorarlberg (Christian Mähr, der Autor diese Buches, muss es wissen, denn er lebt hier heute) und wird in dem Buch „Alles Fleisch ist Gras“ zum Schauplatz einer ungewöhnlichen Kette von Säuberungs-, ups entschuldigen Sie, Läuterungsaktionen.

Alles beginnt mit Anton Galba, dem Mann der in seiner Funktion als Leiter der Abwasserwerke Dornbirn in der Lage ist „aus Scheiße Gold zu machen“ (als Erfinder eines besonderen Granulierverfahrens, dass – na Sie wissen schon). Erfinderisch muss Anton Galba auch werden als er von einem Laborassistenten mit wirklich fiesem Charakter mit Photos, die seinen Seitensprung dokumentieren, erpresst wird. Unfreiwillig wird der gerade Mensch zum Mörder und muss nun aus Fleisch Gras machen, sprich: die Leiche spurlos verschwinden lassen. Auch dieses Verfahren ist so intelligent, dass ihm nur der schlaue Nathanael Weiß, Schulfreund und hohes Tier bei der Polizei, der vom Vorliegen eines Verbrechens überzeugt ist, auf die Schliche kommt. Dieser Nathanael Weiß lässt Gnade vor Recht walten, weil er das Verfahren des Anton Galba gern auf weitere verbrecherische Elemente im Ort anwenden möchte. Es gibt im Verlauf der Geschichte mehr Menschen, die der Versuchung erliegen, sich an der Feme zu beteiligen. Und es gibt immer noch Anton Galba mit seiner „neurotischen Fixierung auf geordnete Zustände“, der dem Albtraum ein Ende setzen möchte. So wird das Dornbirnsche Moritat zwischen den Opfern und Tätern immer wieder neuen Höhepunkten zugetrieben, und über das Ende wird natürlich nichts verraten.

Die Geschichte ist hervorragend erzählt. Besonders in der ersten Hälfte konnte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Durch die Überzeichnung der Figuren und die nötige Portion scharfen Zynismus wird diese unappetitliche Dorf- und Mord(s)geschichte zu einem absoluten Lesevergnügen. Das hatte ich nach der Leseprobe bereits erwartet, aber was mich dann überrascht hat, ist die sehr liebevolle, bilderreiche Beschreibung der kleinen Szenen. Als Beispiel diene die Szene, in der sich Nathanael mit seiner Ex-Frau in einem Kaffeehaus trifft: „In jedem Fall durfte man die Szene als Beweis der Tatsache deuten, dass unser aller Leben wenig Spaß macht und schlecht ausgeht: so etwas will niemand sehen. (…) Sie gingen ohne ein weiteres Wort und ließen ein Kaffeehaus hinter sich, in dem sich die Erleichterung ausbreitete wie der Duft einer warmen Backstube.“ (S. 93). Diese Stellen sind einfach ein großes Vergnügen, leider findet man sie vor allem in der ersten Hälfte. Womit ich auch schon zu meinem Kritikpunkt komme. Der Roman ergeht sich in der Mitte und dann auch immer wieder in etwas langatmigen Innenansichten der Protagonisten. Dann gibt es einige Unstimmigkeiten im Handlungsverlauf, und das Ende hat mich auch ein ganz klein wenig enttäuscht zurückgelassen.

Aber: das alles kann das Leseerlebnis in toto nicht schmälern. Ich kann dieses Buch allen Lesern wärmstens empfehlen, die schwarzen Humor mögen. Und Lesern, die gut erzählte Geschichten mögen, welche uns am Ende so viel mehr über uns erzählen als jede Studie es könnte.

 

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Alles Fleisch ist Gras Alles Fleisch ist Gras
Christian Mähr

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Alles Fleisch ist Gras
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