Leser-Rezension zu „Alles Fleisch ist Gras” von Christian Mähr
am 19.03.2010
Anton Galba, Leiter der Abwasserreinigungsanlage Dornbirn, verheiratet, zwei Töchter, hat ein Verhältnis mit einer Angestellten. Roland Mathis, selbst scharf auf die Kollegin, spioniert ihnen nach und fotografiert die beiden in flagranti. Das delikate Beweismaterial nutzt er um Anton Galba zu erpressen. Bei einer Rangelei stürzt Mathis unglücklich und ist tot. Anton Galba, in Panik geraten, schreddert die Leiche im Häcksler der Abwasserreinigungsanlage.
Galbas ehemaliger Schulkollege Nathanael Weiß, jetzt Chefinspektor der Polizei, untersucht das Verschwinden von Roland Mathis und verdächtigt sofort Anton Galba. Wirkliche Beweise gibt es keine. Aber Weiß wird durch das Vorgehen von Galba auf eine Idee gebracht und hat eine Vision: die Säuberung des spießigen Örtchens Dornbirn von Schädlingen der Gesellschaft. Galba hilft ihm gezwungenermaßen, aber dann finden sich auch noch freiwillige Helfer um das Unternehmen "Schädlingsbekämpfung" voran zu bringen. Und so wird der Häcksler der ARA zum "Schredder der Gesellschaft".
Christian Mähr beschreibt auf bissige und sarkastische Weise, wie erwachsene Menschen des 21. Jahrhunderts das Femegericht des 14. Jahrhunderts wieder beleben. Sie üben in selbstgerechter Art und Weise Selbstjustiz aus, ohne ein Unrechtsbewusstsein an den Tag zu legen. Der einzige, der kalte Füße bekommt ist Anton Galba, allerdings hat er in gewisser Weise den Stein erst ins Rollen gebracht.
Dieses Buch ist kein gängiges Genre und lässt sich schwer einordnen. Wohl auch ein Buch, welches die Geister scheidet. Ein Spagat zwischen Gesellschaftskritik und Krimi, allerdings gelingt der Spagat dem Autor nicht immer. Manchmal entsteht der Eindruck als hätte Mähr selbst den roten Faden verloren. Es ist konzentriertes Lesen notwendig, doch auch die Sprache lässt einen ab und zu stolpern. Ich habe lange gebraucht, es zu lesen, obwohl es mir schon gut gefallen hat. Das überzogen Skurrile und Makabere, die speziellen Charaktere, die alle auf irgendeine Art und Weise durch geknallt sind. Es macht Spaß, sich einmal mit einem Buch auseinander zu setzen, welches nicht Mainstream ist.
Ein empfehlenswertes Buch für Leser, welche schwarzen Humor mögen und einen Hang zum Zynischen haben. Mähr beschreibt eine Art der Grenzüberschreitung, die vielleicht Manche in Gedanken auch schon mal gehabt haben mögen.

