Leser-Rezension zu „Alles Fleisch ist Gras” von Christian Mähr
am 28.11.2011
Warum sich eine Geliebte eben nicht empfiehlt!
Inhalt:
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Anton Galba, Leiter der Abfallwasserreinigung in Dornbirn, hat ein Problem. Besser gesagt eine Geliebte. Und weil man ja nicht alles an die große Glocke hängt, sollte dieses außereheliche Techtelmechtel geheim bleiben. Was aber wiederum Roland, ein Mitarbeiter von Anton, gar nicht so sieht und deshalb versucht er Anton zu erpressen. Unglücklicherweise meint der Zufall gerade jetzt zuschlagen zu müssen, als Roland auf der Treppe steht und dem erstaunten Galba seine Sicht der Dinge erklärt. Denn zufällig stürzt Roland die Treppe herab und Anton ist das Erpressungsproblem los. Nur, schließt die Lösung eines Problems nicht das Entstehen eines anderen aus und so hat Anton jetzt eine Leiche. Zum Glück hat Anton aber auch einen Industriehäcksler in seiner Firma und das Problem ist gelöst. So scheint es zumindest, den bei dem ganzen beißt sich die Katze nämlich in den Schwanz.
Der ehemalige Schulkollege Nathanael Weiß, und nunmehr Polizist, findet die Story rund um Roland sehr interessant und durch eigene Überlegungen und Schlussfolgerungen findet er an so einem Häcksler nichts Anstößiges. Ganz im Gegenteil! Er findet ihn sogar höchst sympathisch und es wäre ja nicht so, dass Nathanael nicht wüsste, wie man damit umgehen müsste. Doch Anton kann mit Nathanaels Euphorie nichts anfangen und versucht sich aus der Affaire zu winden. Doch wenn einer geht, kommt meisten einer nach. Und so dreht sich das Rädchen der Selbstjustiz weiter.
Meine Meinung:
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Sarkastisch und ironisch wird man durch die Geschichte geleitet und was Absurd erscheint, hat doch Hand und Fuß und am Ende fügt sich alles wieder zu einem Ganzen.
Ablauf der Geschichte ist rund und die Personen werden nahtlos eingefügt. Der Autor nimmt sich für seine Darsteller Zeit und nicht nur den Hauptprotagonisten wird ein charakterliches Defizit bzw. eine Stärke zugestanden, sondern auch Randfiguren bekommen Leben eingehaucht. Niemand wird benachteiligt und alles trägt zum besseren Verständnis für die Handlungen bei. Leider kann dies aber manchmal in die Länge gezogen werden und daher sehe ich ein kleines Manko. Manche Passagen hätte man kürzen können und dennoch hätte man sich genauso gut in der Geschichte zurecht gefunden. Auf der anderen Seite macht es das Buch wiederum lebendiger.
Bei vielen Stellen musste ich schmunzeln, da der Erzählstil sehr fein gezeichnet ist und der Sarkasmus nicht zu kurz kommt. Es ist liebenswürdig und doch gleichzeitig so schön zynisch. Der Autor schafft es, einen roten Faden in das Buch zu integrieren und die typische österreichische Mentalität einzufangen. –Ah, der soll weg. Oder? - -Ja, ja, passt schon!- So in etwa kann man sich es vorstellen. Dabei gelingt es dem Autor aber nicht plump zu wirken, oder sich auf künstliche Effekthascherei zu verlassen. Die Geschichte trottet im positiven Sinn vor sich hin und wenn man glaubt, man weiß Bescheid, so wird man wieder mit einer neuen Wendung überrascht. Obwohl sich für mich durch die Ausführlichkeit einige Längen ergeben, so hat man zu keiner Zeit den Eindruck, dass die Geschichte stagniert. Es tut sich immer irgendwas bei den scheinbar stinknormalen Protagonisten. Dies macht daher den Reiz aus, dass es nicht hochintelligente Alleskönner sind, sondern eher wie der nette Nachbar von neben an, der eben mal schnell die Stadt von allem Übel, das tagtäglich auf uns lauert, befreien will.
Selbstjustiz mag ja seinen Anreiz haben, ist aber keine Entschuldigung für die Tat, die man selber begeht. Unter diesem Gesichtspunkt ist es interessant zu sehen, wie die Figuren im Buch sich die eigene Wahrheit zu recht legen und sich auf die Rechtsprechung des Mittelalters beziehen. Die Gedanken dazu sind recht nett zu lesen, da sie nüchtern aber dennoch mit einem morbiden Witz erzählt werden.
Da ich einige Längen sehe, bekommt das Buch aber leider nicht die Höchstnote. Es lässt sich aber sehr gut lesen und man kann sich gut in die Geschichte hineinversetzen. Bei dem Buch sollte man aber Spaß an Sarkasmus, Ironie, Zynismus und unterschwelligem Humor haben, oder dies alles schätzen, da es einem dann viel leichter fällt in die Welt von Anton und seinem Häcksler hinabzutauchen.

