Leser-Rezension zu „Darling Jim” von Christian Mørk

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Stefan83 Stefan83
Verfasst von Stefan83
am 30.10.2011
 

Bei der Bewertung dieses Buches stieß ich auf einige Schwierigkeiten. Stellte sich mir doch die Frage, welche Maßstäbe ich anlegen sollte, da dieses Buch einem Genre nicht einwandfrei zugeordnet werden kann.

Autor Christian Mørk ist zwar in Dänemark geboren und aufgewachsen, ging aber mit Anfang zwanzig zum Studium (Geschichte und Journalismus) in die USA. Eine Entscheidung, die wohl auch seinen späteren Schreibstil beeinflusst zu haben scheint, denn "Darling Jim" liest sich sehr amerikanisch. Auch wenn Mørk dies mit einer gehörigen Portion irischer Mythologie zu kaschieren versucht. Die Geschichte sei schnell angerissen:

In dem ruhigen irischen Dörfchen Malahide herrscht friedliche Idylle - bis der neugierige Postbote Desmond eines Tages eine schaurige Entdeckung macht. Bei seiner täglichen Auslieferungstour stößt er in einem Haus auf drei übel zugerichtete Frauenleichen. Die Tante scheint ihre Nichten als Gefangene gehalten und langsam vergiftet zu haben. Laut Untersuchungen der Polizei endete ein verzweifelter Ausbruchsversuch schließlich im Tod aller drei Frauen. Nach diesem grausigen Fund ist es mit der Ruhe im Dorf vorbei. Nachbarn beginnen sich misstrauisch zu beäugen, der seltsame Desmond wird zum Ausgestoßenen und selbst der Comiczeichner Niall bleibt von den Auswirkungen nicht verschont.

Auf seiner Arbeit in der Poststelle stößt er während des Sortierens auf das Tagebuch einer der drei Schwestern und macht sich, angezogen von dieser Geschichte aus Gewalt, Lügen und Märchen, auf die Suche nach der Wahrheit. Was ist mit den Walsh-Schwestern in dem Haus passiert? Wer ist der mysteriöse seanchai (irischer Geschichtenerzähler) Jim Quick? Die Antwort auf all diese Fragen beinhaltet eine grausige Wahrheit, welche das Leben des jungen Künstlers verändern und den Leser über weite Strecken ans Buch fesseln wird.

Seltsam und eigenartig liest sich Mørks Buch, das, für einen Thriller ungewöhnlich, in Tagebucheinträge und die von Jim Quick vorgetragenen Märchen eingeteilt wird. Anfangs lässt sich zwischen den einzelnen Handlungssträngen kein Zusammenhang herstellen, was jedoch kein Manko ist, dass sich jeder für sich äußerst spannend liest. Auch wenn die Figuren gegenüber dem wahren Leben natürlich etwas überzeichnet sind, können sie überzeugen. Die Walsh-Schwestern waren mir trotz ihrer extremen Art belustigend sympathisch, Jim Quick ein überzeugender, äußerst diabolischer und hassenswerter Bösewicht. Beste Zutaten also für ein gutes Krimi-Gericht. Leider hat der Autor dies etwas zu lang köcheln lassen.

Vor der lang ersehnten Auflösung werden immer wieder abweichende Sprünge gemacht, Passagen unnötig in die Länge gezogen, was das Lesetempo extrem bremst und dem Spannungsaufbau wenig zuträglich ist. Spaß findet man an all dem dennoch, da sich "Darling Jim" in seiner Art erfrischend von der Konkurrenz abhebt und sich die Tragödie sehr nah (leider ist das so) an der Realität orientiert. Wie nah zeigt Mørks aufschlussreiches Nachwort.

Insgesamt ist "Darling Jim" ein kurzweiliger, psychologisch fesselnder Thriller mit Schauermärchen-Faktor, der aufgrund seines drastischen Beginns für dünnhäutigere Leser aber eher nicht zu empfehlen ist.

 

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Darling Jim Darling Jim
Christian Mørk

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irland, thriller, mord, schwestern, geschichtenerzähler

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Darling Jim
von Christian Mørk

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