Leser-Rezension zu „Die Geliebte des Sarazenen” von Christiane Lind

Rezension als hilfreich gekennzeichnet: (6)

Themistokeles Themistokeles
Verfasst von Themistokeles
am 16.10.2011
 

Inhalt: Leonore hat ihre gesamte Kindheit und einige Jahre darüber hinaus im Kloster verbracht, da ihre Mutter bei ihrer Geburt starb. Jetzt jedoch ist ein Mann aufgetaucht, der behauptet ihr Vater zu sein und der aus ihr unerklärlichen Gründen wünscht, dass sie aus dem Kloster austritt und bei ihm in Braunschweig lebt. Schnell muss sie erfahren, dass ihm nur darum ging aus ihre eine gute Partie zu machen und sie günstig zu verheiraten. So gelangt Leonore schließlich zu ihrem Mann Fulk, mit dem zusammen sie eine Tochter hat, Blanche, worüber jedoch weder ihr Mann, noch ihre Schwiegermutter wirkich glücklich sind, denn diese hätten sich einen Stammhalter gewünscht. Fulk, der Händler ist und auch Fernhandel betreibt, lebte auch eine Zeit lang im Heiligen Land in Jerusalem, schweigt jedoch über diese Zeit. Eines Tages tauchen zwei Sarazenen bei Fulk und Leonore auf und scheinen sich mit ihrem Mann zu streiten. Wenig später muss Leonore feststellen, dass sowohl ihr Mann, als auch ihre Tochter verschwunden sind und wie sie zudem erfährt, sind sie gesehen worden, wie sie mit den Sarazenen, die Stadt verließen. Für Leonore gibt es jetzt nur noch ein Ziel, sie muss ihre Tochter zurück bekommen, egal auf welchem Weg, auch wenn sie selbst auf die Suche nach ihr gehen muss.

Meinung: Was mir an dem Roman relativ schnell aufgefallen ist, war die Geschwindigkeit, in der die Geschichte erzählt wird, denn hingegen den meisten historischen Romanen, ist diese sehr schnell. Reisen und ähnliches werden oftmals nur erwähnt und ansonsten realtiv wenig darüber gesagt. Durch diese Art der Erzählung gelingt es auf jeden Fall, den langen Weg von Deutschland nach Jerusalem nicht so sonderlich langwierig und langweilig, jedoch bleiben leider auch Dinge auf der Strecke. Zu vielen Charakteren in dem Roman bekommt man einfach nur wenig mit, auch wenn sie eigentlich wichtig für die Geschichte sind, wodurch sie leider sehr flach bleiben und man sich sie als Leser nicht sonderlich gut vorstellen kann. Insbesondere bei Leonore ist das sehr schade, denn nicht nur die Personen mit denen sie zu tun bekommt bleiben relativ flach sondern leider auch sie, auch wenn es bei ihr insgesamt schon ein wenig besser ist, als bei den anderen. Zudem macht sie auf jeden Fall durch das Buch einen kleinen Wandel mit, durch den man an ihr Veränderungen wahrnehmen kann.
Außderm muss ich ehrlich sagen, dass ich den Titel, nachdem ich das Buch gelesen hatte, doch ein wenig irritierend fand. Es ist zwar nicht so, dass der Titel vollkommen unpassend wäre, jedoch nimmt den Hauptraum der Handlung nicht dieses Thema ein, sondern das Verschwinden der Tochter. Wobei über etwaige Szenen, die mit dem Titel in Verbindung stehen, ebenso schnell gelaufen wird, wie auch über andere Details. Auch an dieser Stelle merkt man meiner Meinung nach wieder, dass in diesem Roman ein etwas zu schnelles Tempo angeschlagen wurde, denn die existierende Liebesgeschichte wirkt durch dieses eher unglaubwürdig, da einem alles sehr schnell vorkommt.
An einigen Stellen jedoch gelingt es der Autorin ein wenig von diesem starken Tempo aus der Geschichte herauszunehmen. Grade diese Stellen sind mir besonders in Gedächtnis geblieben, da sie ab und an die Handlung mit kleineren Geschichten, oftmals in Form von Fabeln und Gleichnissen auflockert. Zum einen sind diese Geschichten richtig interessant, denn die Aussagen, die hinter ihnen stehen, sind immer relativ tiefgreifend und zum anderen fand ich es ehrlich gut, dass sie etwas das Tempo abgemildert haben.
Alles in allem ist es auf jeden Fall ein recht kurzweiliger Roman, der auf jeden Fall nicht langweilig ist, insbesondere die kleinen Geschichte machen ihn interessant. Man sollte jedoch auch nicht zu viel von ihm erwarten, da leider einfach etwas zu sehr an Details gespart wurde und zu Lasten des Tempos viele Sachen etwas zu sehr untergehen. Zudem sollte man sich nicht vom Titel in die Irre führen lassen, denn dieser Part, auf den sich der Titel bezieht ist eindeutig eher eine Nebenhandlung.

 

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Die Geliebte des Sarazenen Die Geliebte des Sarazenen
Christiane Lind

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