Auf der Suche nach etwas trivialer Unterhaltung stieß ich auf den Titel „Sachsen-Sushi“. Der Klappentext ließ auf einen lustigen, romantischen und weiblichen Roman schließen, der genau in meine gesuchte Kategorie passte.
Ella, ein absoluter Werbeprofi, zieht es beruflich von Tokio ins triste Dresden. Von Anfang an ist ihr klar, dass dies nur ein kurzes Gastspiel werden würde. Hamburg oder Berlin wären ja noch akzeptabel, aber Dresden... Trotzdem hat sie den Job in der Agentur Sack & Sohn angenommen, um am ersten Tag gleich feststellen zu dürfen, dass ihr Arbeitgeber so gut wie pleite ist. Nur noch ein Auftrag für die Touristikbranche seitens der Stadt kann ihn retten. Wäre da nicht sein größter Konkurrent, den Ella schon bei einem zufälligen Date kennenlernen durfte. Dieser Jörg ergattert tatsächlich jeden Auftrag, und Ella findet bald den Grund dafür heraus. Doch nicht nur im Job ist es alles etwas merkwürdig, sondern auch privat ist Ellas Leben im Moment ein Chaos. Gleich am ersten Tag wird sie von einem jungen Musiker gerettet, als sie ein Unbekannter verfolgt. Von ihrem Retter hat sie jedoch nur das Musikinstrument, ein altes Foto und einen Brief. Für Ella ist klar, sie muss ihn wiedersehen, ihrem Chef die Agentur retten, und dann endlich aus Dresden verschwinden.
Ella, eine Power-Frau wie sie im Buche steht, zieht den Leser sofort in ihren Bann. Attraktiv, witzig, ehrlich und trotzdem mit Herz. Mit dieser Figur ist es der Autorin gelungen sich in das Herz der Leser zu schreiben. Damit Ella sich von den anderen Charakteren deutlich sympathisch abhebt, sind die anderen Figuren gänzlich unterschiedlich, wie zum Beispiel der labile Sohn des Chefs, oder der Gruftie. Jeder Charakter hat seine Vorzüge und verleiht der Geschichte einen interessanten Touch.
Kurze Kapitel, spritzige Dialoge und die moderne Wortwahl erledigen das Übrige. Binnen weniger Seiten ist der Leser in der Geschichte, was bei einem Werk mit nur 228 Seiten auch notwendig ist. Lange Einführungen würden den Lesefluss nur stoppen.
Die authentischen, lebensfrohen und individuellen Charaktere sind in meinen Augen das Highlight des gesamten Werkes. Die Handlung selbst ist vorhersehbar und trivial. Zwar versucht die Autorin durch den Wettbewerb in Verbindung mit dem verschwundenen Musiker eine gewisse Spannung aufzubauen, aber dies gelingt ihr nur minimal. Schon nach 50 Seiten war mir klar, wer hinter dem Ruin der Firma steckt. Das ist bei einer solchen Lektüre nicht weiter tragisch, denn in diesem Fall bietet die Handlung noch ein weiteres Standbein. Dies ist jedoch alles andere als ausgereift. Erst wird diese Idee unnötig in die Länge gezogen, um dann plötzlich aus unerklärlichen Gründen binnen weniger Sätze aufgeklärt zu werden. Dazu wird es mit einer leicht kitschigen Note versehen. Etwas ausgereifter und mir hätte die Sache deutlich besser gefallen. An dieser, aber auch anderen Stellen merkt man, dass die Autorin es hier wirklich nur auf triviale Unterhaltung angelegt hat. Tiefgang und Nachdenken sind hier gänzlich fehl am Platze. Für Zwischendurch ist dies sicherlich ganz angenehm.
Auch der Schluss ist einem Viel-Leser schon nach den ersten Seiten bewusst. Zwar wird eine weitere Variable eingebaut, die den Leser vielleicht aufs Glatteis führen könnte, aber im Grunde ist es ein vorhersehbarer Ausgang mit typischen Happy End. Viele solcher Romane sind vorhersehbar, aber bieten in meinen Augen von der Handlung oder Idee einfach etwas mehr Unterhaltung. Hier sind es definitiv die Charaktere und die einzigartigen Dialoge, die das Buch ausmachen.
Wer mal wieder etwas leichtes zum Lesen benötigt, wird sicherlich keinen Fehlkauf tätigen. Zumal die Dialoge und Sprüche seitens Ella einmalig komisch sind und mir persönlich regelmäßig ein Lächeln auf die Lippen gezaubert haben. Alleine durch die Charaktere ist das Buch empfehlenswert.
===Bewertung===
Individuelle Charaktere, witzige Dialoge und ein angenehmer Stil machen die Lektüre zu einem netten Zeitvertreib, der mit seiner trivialen und vorhersehbaren Handlung nicht unbedingt punkten kann. Für mich vier Sterne.