Leser-Rezension zu „25. Jahrbuch der Lyrik” von Christoph Buchwald

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SV SV
Verfasst von SV
am 30.12.2007
 

Die schönsten Gedichte aus 25 Jahren

25 Jahre „Jahrbuch der Lyrik“.
Viel Lob natürlich:
- für die Beständigkeit und Tapferkeit des Herausgebers Christoph Buchwald
- die Verlage, die daran festgehalten haben
- die wechselnden Mitherausgeber
- die Leser, die jedes Jahr darauf warten
- die Dichter, die jedes Jahr genügend interessanten Stoff liefern um ein neues Jahrbuch zu füllen

Man kann noch mehr Lob finden, leicht.
Der Untertitel ist „Die schönsten Gedichte aus 25 Jahren“. Das ist ein feiner Anspruch, ein so häufig missbrauchtes Wort wie „schön“ zurückerobern, aus Werbung und Trivialität, und es wieder den Dichtern übergeben.

Christoph Buchwald sagt in seinem Nachwort es geht um Qualität, nicht um die Beliebigkeit des „das gefällt mir am besten“.
Er hat seine Mitherausgeber gebeten aus dem jeweiligen Band für den sie mitverantwortlich waren, die zehn Gedichte auszuwählen, die noch immer Bestand haben, die sich gehalten haben.
Er selbst hat das wohl auch getan und der Vergleich zeigt ihm, dass es eine große Übereinstimmung gab – dass Qualität sichtbar und nachvollziehbar ist.
Eine interessantere und erfreulichere Sammlung von zeitgenössischen Gedichten kann man kaum finden!
Silke Scheuermann, Mitherausgeberin des Jahrbuches 2006, hat ein Gedicht über „Die Art wie Gedichte arbeiten“ beigesteuert das recht erhellend ist, und doch das tut was Gedichte tun müssen: dem Leser die Arbeit überlassen, selber denken, selber spüren.

Die Art wie Gedichte arbeiten

indem sie glitzern
in allergrößter Beiläufigkeit
oder sich öffnen und
hypnotisch leuchten
oder wirklichkeitsfremd
sind die Welt schwierig finden
verfliegen
Die Art wie Gedichte arbeiten
gewöhnlich und fähig
sich selbst zu illustrieren
sich der Ferne zu nähern
so dass sie fern bleiben darf
Die Art wie Gedichte arbeiten
mit Aufenthaltserlaubnis
und Flugschein
ist dem Winter durch Leugnen
immer näher zu kommen
Letztlich ein vollkommener
Kreis um die Kälte
und dabei immer
ein wenig über ihr
wie eine Boing
die noch nicht landen darf
aber dadurch für alle unten
sichtbarer wird
Die Art wie Gedichte arbeiten
um aufzufangen und die
dreißig Seiten die nie irgendwer
geschrieben hat
in sich aufnehmen
als Fracht die du in
den Händen hältst
in der du den Himmel erkennst
den Atemzug abpasst
der dich glücklich macht
Die Art wie Gedichte arbeiten
ist zufällig
mutwillig
und von gleißend heller
Selbstverständlichkeit

Silke Scheuermann
Aus: 25. Jahrbuch der Lyrik. Die schönsten Gedichte aus 25 Jahren
Herausgegeben von Christoph Buchwald

 

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