Rezension zu "Grimm" von Christoph Marzi

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Wolfspeaker

Vor 1 Jahr

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Auf den Cover von “Grimm” kann man Szenen aus verschiedenen Märchen erkennen. Ich kann nicht alle zuordnen, aber zumindest “Schneewittchen”, “Rapunzel” und “Hänsel und Gretel” konnte ich eindeutig identifizieren. Alle dieser Märchenszenen auf dem Cover haben eines gemeinsam: Sie befinden sich hinter Schloss und Riegel – und da haben wir auch den eindeutigen Bezug zum Buch, auch wenn man das erst im Nachhinein weiß. (Eines der Märchen scheint übrigens bereits ausgebrochen zu sein.)

Nach einem Vorfall an iher alten Schule musste Vesper zu ihrer Mutter nach Hamburg ziehen. An eine Schule, die noch schlimmer ist als ihre alte. Zumindest hat Vespa hier eine eigene Wohnung durchsetzten können und einen Job als Schneiderin bei einem kleinen Theater gefunden. Ein Job, den sie nicht wegen des Geldes macht, sondern weil ihr das Nähen Spass macht – und ihr zu einer Freundschaft mit ihrer Arbeitskollegin Ida und deren kleine Tochter Greta verholfen hat.

Und Vespa hat definitiv nicht viele Freunde. Als dann ihr Vater stirbt und ihr nichts weiter als einen Brief, einen Ring, einen Hinweis auf einen alten Freund und eine Warnung “vor den Wölfen” hinterlässt, steckt Vespa in Schwierigkeiten. Um so mehr, als die Wölfe schon im Haus ihrer Mutter auf sie warten. Auf der Flucht vor den Wölfen versucht sie, das Geheimnis um die Hinterlassenschaft ihres Vaters aufzudecken.

Vespa als Hauptperson der Geschichte hat mich leider überhaupt nicht mitgerissen. Ihre Lügerei und Betrügerei an der Schule fand ich völlig überzogen – und ich finde nicht, dass man dieses Verhalten mit der ständige Abwesenheit und dem Desinteresse der eigenen Mutter begründen kann. Vespa hat auch ihre guten Seiten, für Ida und Greta ist sie zum Beispiel stets da, aber für mich ist Vespa definitiv kein Sympathieträger. Vermutlich einer der Gründe, warum mir die Geschichte nicht so gut gefallen hat.

“Grimm” ist eine düstere Geschichte. Eine Geschichte, bei der man nicht weiß, wem man vertrauen kann – und selbst Gut und Böse verschwimmen. Die Ereignisse in “Grimm” sind spannend – anders lässt sich die Flucht vor einem Rudel Menschenwölfe nicht beschreiben – aber auch skurril und teilweise ziemlich merkwürdig.

Vielleicht gibt “Grimm” damit die Stimmung der klassischen Grimms Märchen wieder – ich muss zugeben, bisher nur die “zensierte” Variante gelesen zu haben – aber mein Fall ist das Buch damit leider nicht. Für mich sind Märchen eher aus dem Stoff, aus dem Träume, und nicht Alpträume gemacht sind (auch wenn jedes für sich seine dunklen Seiten hat). Und was meiner Meinung nach auf jeden Fall in ein Märchen gehört, ist ein Happy End – und das hatte “Grimm” definitiv nicht.

Damit hat “Grimm” mich leider nicht wirklich überzeugen können. Und ich merke einmal mehr, dass Christopher Marzis Stil nicht wirklich mein Fall ist. – Auch wenn seine Geschichten immer wieder gut klingen.

Autor: Christoph Marzi
Buch: Grimm
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