Rezension verfasst vor 4 Jahren
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Ich hab’s ja immer gewusst: Japaner sind ein seltsames Volk! Nicht, dass ich jemals schon da war – ich beziehe mein gesamtes Wissen über Japaner durch die Horden von Touristenströmen, die jedes Jahr Bayern bevölkern. Also meistens treiben sie sich ja am Schloss Neuschwanstein rum und fotografieren alles. Denn sie machen Urlaub und haben eine ganz tolle Reise gebucht: „See Europe in a week!“
Das ist toll, das macht Spaß und man verplempert nicht so arg viel Zeit in diesem seltsamen fremden Land!
Und nun gibt es ein Buch, das all meine Vorurteile bestätigt, ja diese sogar noch verstärkt. Christoph Neumann lebt seit 1995 in Japan, er hat eine japanische Freundin und vor allen Dingen hat er dieses Buch zuallererst in Japan veröffentlicht, wo es ein enormer Erfolg wurde. Japaner haben es gekauft, gelesen, über sich selber gelacht oder auch mit dem Autor gestritten. Deshalb müssen wir keine Gewissensbisse haben, wenn uns dieses Buch gefällt. Gut so!
Da wäre als Erstes einmal das Essen und damit meine ich nicht Sushi. Nein, der Japaner an sich holt aus dem Meer Dinge und erklärt sie für essbar, obwohl jedes andere Volk daran so seine Zweifel hat: „Krebsgedärm (Kani-no-miso) in Konsistenz und Farbe von Durchfall ist ebenso ein Leckerbissen“ wie Hoya, „ein gummiartiges, pockennarbiges Tier in knalligen Farben mit Brackwassergeschmack“. Wer das nicht mag, der kann sich auch an europäischer Küche gütlich tun. Das einzige Problem ist, dass auch diese Lokale von Japanern geführt werden und es deshalb solche Köstlichkeiten wie „Algen-Soja-Pizza“ gibt.
Oder das Schwimmbad. Man sollte meinen, dass es da keinerlei Besonderheiten gibt. Weit gefehlt! In Japan zwingt jedes öffentliche Schwimmbad die Badenden alle 30-50 Minuten zu einer gemeinschaftlichen Erholungspause. „Ein gellender Pfiff des gestrengen Bademeisters ertönt – und wehe, bei drei sind nicht alle auf den Bänken am Rand. Dort sitzt man dann müßig die fünf bis zehn Minuten Pause ab und erholt sich eben, wie verordnet.“ Damit den Spaß auch keiner verpasst, wird die Pause angekündigt: „In fünf Minuten beginnt die Erholungspause. Die Pause ist notwendig, damit sich der Körper von den Anstrengungen erholen kann.“ Ach was?
Nervt es euch auch so, wenn die Autos beim Rückwärtsfahren piepsen? Seid froh, dass es bei uns nur piepst, denn in Japan ist es viel schlimmer. Christoph Neumann wird jeden Morgen Zeuge eines bizarren Schauspiels, denn vor seiner Wohnung befindet sich eine Anlieferzone. Jeden Morgen, „sobald der Fahrer eines Lasters den Rückwärtsgang einlegt und aus dem Parkplatz herausfährt oder wendet, ertönt in Sekundenabständen eine schrille Klingel. Begleitet wird sie von einer eingebauten Tonbandstimme, die ununterbrochen wiederholt: ‚Der Wagen fährt jetzt rückwärts. Der Wagen fährt jetzt rückwärts. Der Wagen fährt jetzt rückwärts.’ Schließlich kommt noch eine Art automatische Hupe hinzu.“ Schön, oder?
Ein weiteres Phänomen in Japan ist, dass man keinerlei Sitzgelegenheiten in den Städten findet, wenn man sich mal ausruhen möchte, so wie das bei uns der Fall ist. Also bleibt den Müden auf der Straße nur Stehen oder eben Hocken. Frauen sieht man weniger hocken, weil sie immerzu Angst haben, dass ihnen jemand unter den Rock schauen könnte. Aber Männer, egal wie alt oder gebildet, hocken sich einfach mal auf den Gehsteig oder Bahnsteig. So sitzen sie dann endlos lange da, den Hintern ein bisschen angehoben, die Knie nach vorne. Schick...
Und wenn sie in der U-Bahn müde sind, dann ist es ganz normal, dass sie sich an den Sitznachbarn kuscheln und schlafen. Macht ja nix – es sei denn der Mensch ist ein besoffener „Geschäftsmann, der dauernd Bäuerchen macht.“
P.S.: Das Lebensmotto der Japaner lautet im Übrigen: Spaß muss nicht sein! In diesem Sinne...
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