Zu Madonna , der allgegenwärtigen Ikone des Pop kam ich so:
Ich hatte eine Freundin, die fand Madonna toll. Das war so ca. 1983, als Madonna noch ein Sternchen am Pophimmel war. Sie hing Poster an ihre Wand (die schon voller Boy George Poster war) von dieser schrecklichen Frau, zu stark geschminkt und mit diesen scheußlichen Korsagen und Netzhemden und dieser filzigen Dauerwelle. Furchtbar viel Schmuck trug sie und viele Kruzifixe baumelten an allen möglichen Stellen. Ich fand sie schrecklich und hielt Boy George für den größeren Popstar. Und außerdem, wer würde in 1-2 Jahren noch von DER reden? Die konnte ja nur piepsen und nicht mal richtig singen. Den Fehler, diese kleine, pummelige Frau aus Bay City, Michigan zu unterschätzen habe ich nicht wieder gemacht.
Getrieben von maßlosem Ehrgeiz und der unstillbaren Gier nach Aufmerksamkeit hat sie es bis ganz nach oben geschafft. Dazu war ihr jedes Mittel recht. Und sie hat auch nach über 25 Jahren im Showbusiness die Intention dort oben zu bleiben. Sie ist ehrgeizig, clever, umtriebig und durchsetzungsfähig. Ihr Ruf ist nicht der Beste, sie ist eine miserable Schauspielerin, eine mittelmäßige Sängerin, eine gute Tänzerin, aber eine unschlagbare Geschäftsfrau.
Da hat mich doch mal das Bild interessiert, dass ein Familienmitglied von ihr zeichnet. Also hab ich Christopher Ciccones Buch „Meine Schwester Madonna und ich“ gelesen, um zu erfahren, wer noch so alles in ihr steckt. Laut Christophers Aussage ist oder war er der Einzige, der Madonna über so viele Jahre nahestand. Angeblich hat sie keinen Kontakt mehr zu anderen Geschwistern. Sie hat ihn zum Tanzen gebracht, sie hat ihn ihre Häuser designen lassen, ihre Tourneen, sie ließ ihn teure Kunst ersteigern für ihre Wohnsitze (und wenn sie sie dann nicht wollte, dann blieb er auf den Bildern sitzen und sah auch kein Geld von ihr), sie nahm ihn als Tänzer mit auf Promotouren Anfang der 80er. Er verstand sich ganz gut mit Sean Penn (anfangs) und auch mit Carlos Leon, dem Vater von Lourdes. Guy Ritchie hingegen kann er gar nicht leiden, er hält ihn für schwulenfeindlich. Als Madonna und Guy heiraten hat sich ihr geschwisterliches Verhältnis schon sehr abgekühlt. Sie haben sich immer mehr entfremdet, Madonna benutzt auch ihren Bruder als willkommenen Helfer, wenn es ihr passt und wenn nicht, dann ist sie eiskalt. Außerdem scheint mir Christopher in dem Buch immer ein wenig beleidigt, dass Madonna ihm nicht mehr Geld zahlt für seine Arbeit, dass sie so berühmt ist, dass sie ihn und seine Arbeit nicht genug würdigt etc.
Aber er schreibt auch über die Familie, dass sie sich einfach aufführt wie eine Prinzessin, egal wo sie ist, auch zu Hause (wenn sie denn mal zu Besuch kommt), einfach weil sie es gewohnt ist, dass man sie hofiert und weil sie denkt, sie verdiene es so. Und natürlich, dass der gesamte „In Bed with Madonna “ Film gestellt war. Jede einzelne Szene. Madonna weiß immer ganz genau, wie sie gerade in der Öffentlichkeit erscheinen will. Und manchmal schämt er sich für sie.
Ein gefälliges Buch, einfach weil es aus der Sicht des Bruders geschrieben ist und nicht von einem Biografen. Was daran nun wieder eine PR-Masche ist oder nicht sei dahingestellt, aber es bereichert doch das Bild, dass der Leser von Madonna hat.