Leser-Rezension zu „Das Kainsmal” von Chuck Palahniuk
am 22.03.2011
Selten habe ich ein Buch mit so gespaltenen Gefühlen gelesen wie "Das Kainsmahl". Dass man kein "normales" Buch in die Hand nimmt, wenn man es mit Palahniuk zu tun hat, ist mir klar. Nach "Fight Club" und vor allem "Die Kolonie" weiß man, worauf man sich einstellen muss. Doch "Das Kainsmahl" war irgendwie anders...
Die Sprache ist wie gewohnt klasse. Und auch viele Ideen des Buches sind ansprechend, wenn nicht sogar großartig. Auch der Report-Stil, bei dem die Hauptperson nur durch die Eindrücke anderer Menschen beschrieben wird, ist durchaus gelungen.
Auf der anderen Seite gibt es jedoch immer wieder Passagen, die man eigentlich nicht unbedingt gebraucht hätte. Palahniuk schockt gerne mit ekligen Themen - Popel, Blut, Sperma, menschlichen Ausscheidungen etc. - um zu provozieren. Vielleicht mag das in den USA noch ziehen, bei mir löst es jedoch eher ein Gähnen aus. Manchmal hat man regelrecht das Gefühl, dass der Autor eine Liste abarbeitet, bei der er jedes Mal ein Häkchen macht, wenn wieder ein wiederlicher Moment abgeschlossen ist. So folgen auf großartige Momente immer wieder unnötige Ekligkeiten, die einen aus dem Lesefluss reißen. Zudem verliert er sich in manchen Themen so sehr, dass sie zu lang werden und man schnell das Interesse verliert. Auch den Schluss hätte man kürzen können...
Ich denke, ich werde noch ein bisschen brauchen, um mir eine wirkliche Meinung über dieses Buch bilden zu können.

