Leser-Rezension zu „Die Brandungswelle” von Claudie Gallay
am 14.07.2011
"Die Brandungswelle" ist ein ruhig dahinfließendes Buch, das mit sparsamenn Worten das Wiedererwachen einer Frau erzählt, die schwer traumatisiert vom Tod ihres Partners nur langsam in der Lage ist, wieder am Leben teilzunehmen.
Nur bruchstückhaft erfahren wir die Geschichte der namenlosen Ich-Erzählerin, und zugleich rollt sie ein Geheimnis auf, das das Schicksal mehrerer Familien nachhaltig beeinflusst hat. Liebe und Leidenschaft in einer Umgebung, die kaum Freiraum lässt für Dinge jenseits der Normen. Ein winziger Ort auf einem kargen Felsen, tosende Stürme und meterhohe Wellen, ein Paradies für Seevögel, das im Schatten der atomaren Wiederaufbereitungsanlage auf immer dünneren Beinen steht. La Hague, der Zipfel im Westen der Normandie, von dem man die Kanalinseln und bei Schönwetter bis nach England sehen kann, das in seiner Kargheit und Wildheit die Menschen für ihr ganzes Leben lang prägt.
Gallay liefert dem Leser nicht nur Einblick in das Leben der Hauptfigur, sondern sie zeichnet sehr deutlich und liebevoll eine große Anzahl von Nebencharakteren, die zum Verlauf der Geschichte garnichts beitragen, die einfach als Fixpunkte in dieser Gesellschaft leben, dem Dorf seinen unvergleichlichen Charakter geben. Das kleine Mädchen mit der Hasenscharte, der immer leicht verwirrte Max, der leidenschaftliche Künstler Raphael und seine gelangweilte Schwester Morgane, sie alle tragen dazu bei, dass sich die Erzählerin nicht so weit aus dem Leben zurückziehen kann, wie sie es gerne täte. Und natürlich Theo, der ehemalige Leuchtturmwärter, der sich mit einer Schar von Katzen umgibt, die besonders liebevoll beschrieben werden.
Eine wunderbare Kombination aus Atmosphäre, Spannung und Emogion, ein Buch, das man nur schweren Herzens aus der Hand legt.

