Leser-Rezension zu „Als wir träumten” von Clemens Meyer

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Stefan83 Stefan83
Verfasst von Stefan83
am 30.10.2011
 

Bei seinem Erscheinen ist Clemens Meyers "Als wir träumten" in einem Atemzug mit den Werken von Welsh und Regener verglichen worden, den Durchbruch auf den Buchmarkt hat es aber dennoch nicht geschafft. Gut, dies allein lässt keine Bewertung zu, werden doch oft auch mittelmäßige Romane mithilfe von ein wenig Promotion und guten Besprechungen zu Bestsellern. In diesem Fall kann ich die Nichtbeachtung von Meyers Werk allerdings durchaus nachvollziehen.

Selten hab ich mich so sehr durch ein Buch gequält, wurde meine grundsätzliche Einstellung ein Buch immer zu Ende zu lesen, so auf die Probe gestellt. Auch erhielten meine Hoffnungen, es könnte vielleicht noch besser werden, nach jedem neuen Kapitel einen weiteren Dämpfer. Dabei fängt "Als wir träumten" interessant an.

Die bildgewaltige, echte Sprache macht dem Leser den Zugang leicht und die toll ausgearbeiteten Figuren tragen ihr übrigens dazu bei. Doch die Schilderung des tristen Alltags der Jungen vermag die Story allein nicht zu tragen, was unter anderem auch daran liegt, dass der Autor sich vieler Klischees bedient und der Plot zudem jegliches Überraschungsmoment vermissen lässt. Es wird erzählt wie die Jungen blinde Frauen beklauen, "Glatzen" verprügeln, Pillen werfen, Spritzen drücken und in Puffs rumhuren, bis es der Leser einfach nicht mehr hören kann. Dazu kommt Meyers ungewöhnliche Erzählweise. Fast nach jedem Kapitel wird in der Zeit gesprungen, so dass man nach Daniels Erlebnissen bei den jungen Pionieren, diesen plötzlich auf der nächsten Seite etliche Jahre älter Bier saufend in einer Kneipe wieder findet. Zeitangaben scheint der Autor dabei nicht für nötig zu halten, und wenn der Leser das Kapitel dann gerade einigermaßen eingeordnet hat, kommt schon der nächste Sprung.

Auch einen Unfall in drei Kapiteln auf drei verschiedene Arten zu erzählen, mag in einem Film funktionieren, hier lieber Meyer, tut es das nicht. Das alles ist auf Dauer so frustrierend, dass man geneigt ist das Buch in die Ecke zu knallen. Selbst das Ende, bei dem es so wirkt als hätte der Autor einfach mittendrin aufgehört zu schreiben, vermag hier nichts mehr zu retten.

Insgesamt ist "Als wir träumten" ein wirklich enttäuschender, langweiliger Roman ohne roten Faden, dem kritische Untertöne zu Drogenkonsum, Gewalt und Diebstahl völlig fehlen.

Nachtrag: Vielleicht würde ich heute (4 Jahre nach Beendigung der Lektüre und mit weit mehr Leseerfahrung) eine positivere Bewertung geben. Bei meinem derzeitigen hohen SUB, wird es wohl aber zu einer Wiederholung dieses Buches kaum kommen.

 

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Als wir träumten Als wir träumten
Clemens Meyer

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Als wir träumten
von Clemens Meyer

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