Inhalt
Sie träumen vom Aufstieg ihrer Fußballmannschaft, von einer richtigen Liebe und davon, dass irgendwo ein besseres Leben wartet. Rico, Mark, Paul und Daniel wachsen auf im Leipzig der Nachwendejahre, in einem Viertel, dessen Mittelpunkt die Brauerei ist. Jede Nacht ziehen sie durch die Straßen. Sie feiern, sie randalieren, sie fliehen vor den Glatzen, ihren Eltern und der Zukunft. Sie kämpfen mit Fäusten um Anerkennung und schlagen die Zeit tot. Sie saufen, sie klauen, sind cool und fertig und träumen vom eigenen Leben. Alle ihre Fluchtversuche enden auf den Fluren des Polizeireviers Südost.
Leidenschaftlich, wild und mutig verspielen sie ihr Leben in einer aussichtslosen Rebellion. Darum lassen einen die Bilder des nächtlichen Leipzig, die Boxkämpfe, die Hoffnungslosigkeit und die Hoffnung dieses Romans nicht mehr los.
Meine Bewertung:
Was für ein Buch! Es fällt mir schwer, eine angemessene Rezension zu schreiben, die meinen Empfindungen nahekommt. Das liegt zum einen daran, dass die literarische Leistung des Autors absolut großartig ist, und er sehr lebensnah in ein Milieu führt, das mir persönlich völlig fremd ist. Gleichzeitig hat der Aufbau des Buches mich in Verwirrung gestürzt. Es fiel mir noch bei der Hälfte recht schwer, die Kapitel zeitlich zu ordnen und Zusammenhänge herzustellen. Das liegt sicher auch daran, dass die einzelnen Abschnitte eher als Kurzgeschichten erscheinen, jede in sich abgeschlossen, und sich nur sehr versteckt Hinweise auf die Verbindung untereinander finden lassen. Als das Buch dann zugeschlagen war - das kann man ja eigentlich gar nicht mehr sagen, wenn man ein E-book liest - stellte ich fest, dass die Glanzleistung des Autors am Ende erst wirklich ersichtlich ist: es bleibt nichts offen, was angedeutet wurde, alles war erklärt und ich hatte dann auch den völligen Durchblick. Es hätte dann auch noch gut und gerne weitergehen können und es wäre so gut geblieben.
Gleichzeitig fühlt man sich als Beobachter, als Teilnehmer der Gruppe Jugendlicher, die durch die Wende und deren Folgen mit ihrem Leben zu kämpfen haben. Sie sind voller Hoffnung, Mut und Optimismus, auch wenn sie mit ständiger Gewalt, Alkoholismus, Drogen und Hass konfrontiert sind. Und obwohl sie auch öfter im Gefängnis landen, ständig Ärger mit der Polizei oder verfeindeten Gangs haben und in ihrem Elternhaus nur sehr bedingt Vorbilder leben, sind sie doch glücklich und voller Träume. Als Leser wird man Teil einer chaotischen Pubertät, die zudem durch die gesellschaftlichen Umbrüche erschwert wird. Es geht um enge Freundschaft, um Loyalität, um Ehrlichkeit, Liebe und Wut. Natürlich gehen auch Verluste und Enttäuschungen damit einher, dieses Leben kostet eben doch immer etwas. Jeder Tag bringt neue Kämpfe, doch durch ihre Gemeinschaft und Treue zueinander bieten sie (fast) jedem die Stirn.
Dass ich die Hauptfiguren nicht immer nachvollziehen kann, liegt sicher auch daran, dass sie in einer mir völlig fremden Welt handeln. Meyer hat es sehr geschickt und gekonnt geschrieben, ich war während der ganzen Lektüre in die Geschichte versunken und fühlte mich als Teil ihrer Gruppe. Deswegen finde ich dieses Buch großartig, wenn es doch auch ein bisschen schwer lastet und etwas anstrengend zum lesen war.
Mein Fazit
Meyer thematisiert in diesem Buch sehr wichtige Dinge im Leben und zeigt, dass auch wenn man viel Unsinn baut und ein "schweres" Leben lebt, doch immer Platz für Hoffnung und Träume bleibt, solange man Freunde und Mitmenschen hat, mit denen man diese Zeiten gemeinsam bestreitet. Gleichzeitig steckt noch so viel mehr dahinter: er hat da wirklich eine großartige Milieustudie verfasst, die auch die negativen Folgen der Wende für die Ostdeutschen gut beschreibt. Ein Buch, mit einer Dramatik, die das Leben schreibt, und die wie Schwermut lastet. Absolut großartig.