Leser-Rezension zu „Der Todesflieger” von Clive Cussler

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Stefan83 Stefan83
Verfasst von Stefan83
am 8.10.2011
 

Clive Cussler ist heute (zumindest finanziell) einer der erfolgreichsten Autoren der Welt. Seine Bücher werden in mehr als 100 Ländern dieser Welt verkauft. Verdanken tut er dies in erster Linie seinem Serienheld Dirk Pitt, eine Mischung aus Indiana Jones und James Bond, welche beharrlich seit dem Jahre 1973 unter oder oberhalb der Wasserfläche unseren blauen Planeten vor jeder Bedrohung rettet, um anschließend mit einer wohlgeformten Schönheit in den Sonnenuntergang zu reiten. Dabei stand der Start der Reihe anfangs noch unter keinem guten Stern. Die Veröffentlichung des Debütwerks „The Mediterranean Caper“ (dt. „Der Todesflieger) blieb weitgehend unbemerkt. Selbiges galt für den Nachfolger „Iceberg“ (dt. „Eisberg“). Bereits nach gut drei Jahren schien Cussler Autorenkarriere schon beendet, als mit dem dritten Abenteuer Pitts „Raise the Titanic!“ (dt. „Hebt die Titanic!“) endlich der lang ersehnte Durchbruch gelang, dem im Jahre 1980 sogar eine kommerziell äußerst gewinnbringende (wenn auch von der Kritik zerrissene) Verfilmung folgte. Im Schatten der darauf folgenden Bände ist Cusslers Erstling beinahe in Vergessenheit geraten, was jedoch auch, mit objektiver Ehrlichkeit betrachtet, durchaus nachvollziehbar ist, denn obwohl „Der Todesflieger“ bereits einen Großteil der Elemente in sich trägt, welche später die Dirk-Pitt-Reihe so beliebt machen sollten, bietet eher inhaltlich sowie stilistisch doch eher magere und überschaubare Kost.

Die Geschichte nimmt ihren Anfang im nördlichen Teil des Ägäischen Meers, genauer gesagt auf der griechischen Insel Thasos. Direkt vor deren Küste liegt hier mit der „First Attempt“ ein Forschungsschiff der NUMA (National Underwater and Marine Agency) vor Anker, um ein Exemplar des „Hexenfischs“ in der Tiefe des Meeres zu fangen. Eine Fischart, die seit Millionen von Jahren als ausgestorben gilt, jedoch vermehrt von den Einheimischen gesehen worden sein will. Zum Verdruss des Schiffskommandanten Rudi Gunn macht der Fisch seinem Namen alle Ehre, den jedweder Versuch dem Schuppenträger habhaft zu werden, scheitert durch seltsame technische Pannen. Ist die „First Attempt“ verhext worden? Oder steckt gar Sabotage dahinter? Um die seltsamen Vorgänge aufzuklären, schickt Admiral Sandecker seinen besten Mann, Major Dirk Pitt, nach Thasos. Bevor dieser jedoch überhaupt an Bord gehen kann, werden er und sein Begleiter Al Giordino Zeuge eines merkwürdigen Zwischenfalls.

Ein gelbes „Albatros“-Flugzeug, ein Modell aus dem Ersten Weltkrieg, fliegt mehrere Angriffe auf die amerikanische Luftwaffenbasis Brady Field auf Thasos und zerstört nacheinander die dort stationierten Flugzeuge der Air Force. Nur dank Pitts beherztem Eingreifen kann der Angreifer vertrieben werden, was die Bodenmannschaft mit enthusiastischem Jubel kommentiert. Nach einer durchzechten Nacht macht Pitt am Strand schließlich die Bekanntschaft der schönen Deutsch-Griechin Teri, welche ihn kurzerhand auf das Anwesen ihres alten Onkels einlädt. Bruno von Till, so dessen Name, stellt sich als Reeder und ehemaliger Flügelmann von Leutnant Kurt Heibert, dem „Mazedonischen Falken“, vor. Dieser war bis zu seinem spurlosen Verschwinden im Anschluss eines Kampfeinsatzes einer der besten deutschen Piloten des Ersten Weltkriegs. Pitt, der schnell eine Verbindung zum „Albatros“-Angriff auf Brady Field herstellt, fühlt von Till näher auf den Zahn, welcher daraufhin den Abend für beendet erklärt und seinen Gast durch einen Seiteneingang des Hauses verweist. Dieser Seiteneingang entpuppt sich jedoch schnell als düsteres Labyrinth. Und als Pitt in der Finsternis das Knurren von Tills Schäferhund hört, wird ihm klar, dass er wohl in ein Wespennest gestochen hat …

Vorneweg: Auch wenn es sich bei „Der Todesflieger“ um den ersten Roman mit Dirk Pitt in der Hauptrolle handelt, spielt die Geschichte nach den Ereignissen von „Im Todesnebel“. Das nur als Info für alle diejenigen Leser, welche einer Serie gern der Reihe nach genießen wollen. Und jetzt zum Buch selbst: Wer bis dato nur die späteren Pitt-Abenteuer kannte oder (schlimmer noch) bisher noch keinen Cussler gelesen hat, dem steht eine echte Überraschung bevor, denn der knapp 250-seitige Erstling des Amerikaners gehört mit Abstand zu den schwächsten Vertretern dieser Reihe. Das liegt in erster Linie an der Hauptfigur Dirk Pitt. Vom herrlich schwarzhumorigen, schlagfertigen Charme-Bolzen mit Nehmerqualitäten ist hier erst allenfalls das Grundgerüst zu erahnen. Pitt ist von Seite eins an ein wahrer Unsympath, der grundlos um sich blafft und regelmäßig zu cholerischen Anfällen neigt, dessen Zielscheibe besonders sein ja eigentlicher bester Kumpel Al Giordino zu sein scheint. Der wurde im Erstling noch zum tumben Italiener fürs Grobe degradiert. Seine einzige Rolle in der Handlung ist es, dem stets in irgendwelche Fallen stürmenden Pitt den Hintern zu retten. Über die Gedanken- und Gefühlswelt beider Figuren schweigt sich Cussler übrigens komplett aus, was dazu führt, dass viele Handlungen der Charaktere für den Leser absolut nicht nachvollziehbar sind.

Bestes Beispiel ist die Szene von Pitts und Teris erstem Zusammentreffen. Gerade mal knappe drei Minuten miteinander bekannt, zieht der amerikanische Major der um ihren verstorbenen Mann trauernden Schönheit den Handrücken durchs Gesicht. „Warum schlagen Sie mich?“ (…) „Weil Sie es nötig haben, dringend nötig.“ Im Anschluss an dieses Gespräch wird dann gleich schnell noch ein Quickie eingeschoben. Hach, wir herrlich unkompliziert die Welt doch ist. Aber vielleicht war das auch einfach nur der Zeitgeist der 70er. Fakt ist: Aus heutiger Sicht schüttelt man hier entweder ungläubig den Kopf oder hält sich ob der ungewollten Komik den Bauch vor Lachen.

Ansonsten kommt der Humor für ein Pitt-Abenteuer deutlich zu kurz, was ebenfalls den stereotyp gezeichneten Figuren anzulasten ist. Selbst ein James Bond-Film könnte wohl einen Böseswicht nicht besser ins Scheinwerferlicht stellen, als Cussler hier Bruno von Till. Der „Scheißdeutsche“ (O-Ton Pitt) stinkt geradezu nach Nazi-Vergangenheit und preußischer Herablassung. Das Cussler dazu zwischen den Begriffen Deutscher und Nazi keinerlei Unterschiede zu machen scheint bzw. kennt, gibt der Geschichte einen ziemlich bitteren Beigeschmack. Dieser wird noch unbekömmlicher durch das heroische Auftreten aller beteiligten Amerikaner, welche, ob Forscher, Fotograf oder Laborratte, todesmutig in die dunklen Fluten springen, um die Welt zu retten. An vorderster Front steht natürlich dabei immer Dirk Pitt, dessen unverletzte Körperteile man am Ende des Buches wohl mit einer Hand abzählen kann. „Na und? In späteren Pitt-Abenteuern ist das doch auch nicht anders“, wird jetzt sicher der ein oder andere denken. Das mag sein. Im Gegensatz zu diesen versucht Cussler hier jedoch dem Ganzen noch einen ernsten und tiefgründigen Anstrich zu verleihen. Ein Ansinnen, das bei all der Theatralik und dem ekelerregenden Heldenpathos allerdings auf ganzer Linie scheitern muss.

Was bleibt letztlich Positives? Für ein paar Stunden bietet auch „Der Todesflieger“ eine gewisse Kurzweil, wobei man sich halt stets das Alter des Buchs sowie den Erstlingscharakter vor Augen führen muss. Zudem bietet das Ende, in dem sich Dirk Pitt auch noch als Meister der Kombinationsgabe erweist, die ein oder andere kleine Überraschung. Große gibt es, dafür wird zu früh deutlich wie und wohin der Hase läuft, leider nicht.

Insgesamt ist „Der Todesflieger“ ein ziemlich maues Debütwerk, das nur denjenigen empfohlen sei, welche unbedingt alle Pitt-Abenteuer gelesen haben und die Ursprünge von Cusslers Erfolgsgeschichte kennen lernen wollen. Neueinsteigern sollten lieber nach „Operation Sahara“ oder „Inka-Gold“ greifen und um dieses Buch einen größeren Bogen machen.

 

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Der Todesflieger Der Todesflieger
Clive Cussler

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