Ein Stapel Bücher liegt neben mir. Alle möglichen Genre von Psychothriller, Gegenwartsliteratur, über Sommerlektüre und einige Neuerscheinungen, die Bestseller werden könnten, und dann ein einziges historisches Buch, der Roman von Corina Bomann.
Soll ich oder soll ich nicht?
Jedes Mal aufs Neue überlege ich, ob ich mal wieder etwas Historisches lesen sollte, obwohl alle anderen Bücher lauter nach mir rufen und von mir gelesen werden wollen. Warum muss ich mich überwinden, obwohl ich noch nie von historischen Romanen enttäuscht wurde, frage ich mich.
Ich greife zu und will einfach nur anlesen, um zu sehen, ob ich mit etwas Historischem gut betraten bin, und schon bin ich im Jahr 1684 und finde ganz zu Anfang eine alte Karte von Deutschland vor. Keine Frage, ich bin im Buch und bin bei Lenchen, Annalena, die gerade als Krähenweib beschimpft wird und tief traurig ist.
Als Tochter eines Henkers wird man als schlechter Mensch angesehen, doch der Mut ihres Vaters lässt sie nicht verzagen und sie kämpft sich durch ihr Leben.
„Krähenweib, Krähenweib, Lumpen hängen an deinem Leib!“
Als Ehefrau von Mertens aus Walsrode, ebenfalls Henker, wird sie geprügelt, ausgepeitscht und pflegt täglich ihre Wunden, bis sie sich endlich stark genug fühlt und sich davon stehlen will, doch vorher würde sie ihn gern genauso gefoltert und gequält und anschließend tot sehen, wie Mertens es bei den zum Tode Verurteilten tut.
„Nimm meinen Segen mit auf den Weg, Henkerstochter. Möge dir von nun an ein besseres Leben beschieden sein.“
Die Flucht scheint vorerst zu gelingen und Annalena schafft es ein ganzes Stück alleine, doch erneut muss sie von ihrem vorerst sicher geglaubten Ort fliehen.
Als sie aus einer Ohnmacht erwacht, findet sie sich in Oranienburg wieder. Nach einer kleinen Pause begibt sie sich nach Berlin und sucht sich eine Anstellung. Es verschlägt sie als Magd zu einem Krämer, dem Krämer Röber. Sie beugt sich ihren Aufgaben und lernt Hildegard, die Hausherrin, wie auch die andere Magd Marlies kennen.
Doch ihre volle Aufmerksamkeit wird erweckt, als ihr der Apothekerlehrling Johann Friedrich Böttger über den Weg läuft, obwohl Annalena für immer frei sein, keinen Ehemann mehr haben wollte. Beide scheinen sehr verliebt, doch der junge Böttger teilt seine Liebe. Zwar mit keiner anderen Frau, dennoch einer starken Konkurrenz, denn die Alchemie verlangt viel Zeit und zudem experimentiert er heimlich und meist nachts. Auch sein Aufzeichnungsbuch, seinen kleine Schatz muss er behüten, denn dort stehen seine Erfahrungen und Geheimnisse sorgfältig nieder geschrieben. Er darf sich nicht erwischen lassen, doch sein Handeln und Tun bleibt nicht lange unbeobachtet und Böttger muss sein Können beweisen. Mit dem Herstellen von Gold könnte er reich und berühmt werden, das wollen auch die Herrscher und sie pirschen sich nach und nach an ihn heran, wollen ihn wegen seiner Macht. Böttger kann trotz Warnungen das Spiel mit dem Feuer nicht lassen, der Stein der Weisen lockt ihn und das Glänzen der Goldstücke ist für ihn die große Verlockung.
Annalena steht an seiner Seite, eine Flucht scheint die einzige Lösung. Ein Neubeginn in einer anderen Stadt ,wo beide unerkannt leben können, sich neu ordnen und ihre Liebe zelebrieren können.
„Nicht beachtet und für normal angesehen zu werden, war für sie das Paradies.“
Der Traum scheint von kurzer Dauer, denn Böttger und seine Alchemieversuche scheinen sich wie ein Lauffeuer verbreitet zu haben und beide werden erkannt.
Jeder Tag wird nun ein Kampf, ein Kampf um ihren Lebensmann und auch ein Kampf um ihre Vergangenheit, der bestritten werden muss.
„Die Liebe, mein Freund, geht manchmal seltsame Wege…“
Corina Bomann lässt die Liebe in den schweren Zeiten zu Wort kommen und dabei bleiben die wichtigen historischen Fakten nicht auf der Strecke. Historische und menschliche Begebenheiten, wie sie es heute und auch damals gab, im perfekten Zusammenspiel mit einem großen Spannungsbogen und Worten, die den Leser federleicht um Jahrhunderte zurück versetzen, ohne es zu spüren. Das Nachwort zum Buch verfeinert die historischen Fakten und zeigt, welche Personen neben den geschichtlich belegten aus Corinna Bomanns Feder entsprungen sind. Ein wahrlich goldener Schatz, der dem kostbaren Porzellan ebenbürtig ist.
Außerdem liest Corina Bomann aus dem „Krähenweib“ auf dem Literaturfest in Meißen, bekannt für das „weiße Gold“ und die dazugehörige Manufaktur welche im „Krähenweib“ zu finden ist, sowie aus ihrem neuen Buch.
http://blog.lovelybooks.de/2010/06/08/literaturfest-meisen-08-13-06-2010/
Eine Treffen mit Corina Bomann folgt und dazu auch ein Interview auf dem Blog.Lovelybooks.