[…] Wie ihr seht, ist aus euch eine junge Frau geworden. Eine Frau, die sich durchaus wehren kann. Mag die Wahrheit Euch auch von den Füßen gerissen haben, mag die Trauer Euch innerlich verbrennen, doch Ihr könnt kämpfen.
S.261
Inhalt:
1643:
Die 14-jährige Comtesse Christine d’Autreville führt ein gutes Leben. Ihre Familie zieht sie liebevoll auf und sie versteht sich mit ihren drei Brüdern. Lediglich die Tugenden der Frauen, die sie erlernen soll, interessieren sie nicht. Gebannt ist sie von der Fechtkunst ihres Vaters und den Brüdern, die einmal den berühmten und hoch angesehenen Musketieren beitreten sollen. Sie bettelt hartnäckig darum diese Kunst auch erlernen zu dürfen und irgendwann gibt ihr Vater nach. Was niemand zu diesem Zeitpunkt ahnt, ist, dass Christine einmal dazu gezwungen sein wird, sie um die Verteidigung ihres Lebens willens, einzusetzen.
Denn einige Jahre später wird der Familienbesitz von vermummten Männern angegriffen, die ihre Familie abschlachten. Nur Christine haben sie noch in Sicherheit bringen können, denn niemand hat ihr gesagt, dass sie etwas besonderes ist, was es um jeden Preis zu schützen galt. Christine will Rache. Sie ist sogar bereit ihre eigene Identität und alles, was sie ist, zu verstecken und unwiederbringlich hinter sich zurückzulassen. Für ihre Rache ist ihre einzige Spur der Mörder das Emblem einer schwarzen Lilie in der Hand ihrer toten, kalten Mutter…
Meine Meinung:
Es gibt Romane, bei denen schon nach der ersten Seite klar wird, dass sie etwas besonderes sind. Was andere Werke in unzähligen Seiten nicht schaffen, gibt einem diese Geschichte schon nach wenigen Sätzen; dieses Gefühl der vollkommenen Selbstidentifizierung mit den Worten des Autors/der Autorin. Corina Bomann scheint eine der rar gesäten Schriftstellerinnen zu sein, die ihre eigene Magie in die Geschichten mit hinein weben können. Was sie auch schreibt, es artet in etwas Großartigem aus, mit dem nur wenige gleichziehen können.
So ist „Lilienpakt“ ein altersgerechter Roman, der mit historisch, abgewandelten, fiktiven Fakten glänzt und gleichzeitig die Geschichte eines großen Schicksals erzählt.
Die Comtesse Christine d’Autreville wird in ihren jungen Jahren Opfer von politischen Motiven des Geheimbundes der „Schwarzen Lilie“.
Der Schauplatz Paris als Hauptstadt der intriganten Machenschaften nahm mich sofort für sich ein und auch die unweigerlich bestehende französische Note baute Frau Bomann in jenem Maße mit ein, der mir total zusagte.
Die beiden gegeneinander arbeitenden Organisationen „Lilienpakt“ für die damalige Königin und „schwarze Lilie“ für die Anhänger des verstorbenen Richelieu bildeten nicht nur einen guten Kontrast, sondern vermittelten sehr gut, wie rasant es damals zuging und dass viele Menschen lediglich politische Spielbälle waren, die nach Gutdünken herumgeschoben oder eliminiert wurden. Das Schönste für mich waren die vielen Parallelen, die ich aus der Handlung ziehen konnte. So wählte Corina Bomann mit ihren Lilien glaubwürdige Manipulatoren, denn die „Fleur de Lis“ als Symbol Frankreichs und besonders der Königshäuser ließ die gesamte Geschichte sehr realistisch und authentisch erscheinen.
Mit Komplexität wurde ich durch einen knisternden Urwalddschungel der Gefühle und Verwicklungen geführt, der mich alles andere um mich herum vergessen ließ und mir eine nie gekannte Einzigartigkeit bot.
Die legendären und bekannten Musketiere waren jenes eine Element, welches die Geschichte harmonisch komplettierte und mich beim Lesen selig vor mich hin lächeln ließ.
Worte, die aus tiefstem Herzen zu kommen schienen, schufen eine Atmosphäre, die Charaktere, die Handlung, Randbegebenheiten und mich selbst eingeschlossen, erstrahlen ließen.
„Lilienpakt“ ist ein denkwürdiger Roman, der einiges suggeriert, noch viel mehr bietet und wegen seiner Historik viel Platz für eigene Spekulationen lässt.
Wer noch nie in Frankreich oder Paris war, möchte nach diesem Roman bestimmt einmal die Schauplätze aufsuchen und mit eigenen Augen sehen, wo große Geschichte geschrieben wurde.
Mein Fazit:
Bündig, lebendig, liebenswert, historisch, spannend, intensiv und noch vieles mehr, das ist „Lilienpakt“ und ich empfehle es euch sehr!! :)