Wieder mal ein Roman aus Corina Bomanns Feder und wieder einmal bedeutete ein solcher für mich ein schönes Lesevergnügen!
Man merkt zwar, dass es sich hierbei um eines der früheren Werke der Autorin handelt, was vor allem die Beschreibungen der Atmosphäre angeht – in ihren späteren Büchern konnte ich mir alles bildlicher und farbenfroher vorstellen –, doch ansonsten und besonders für die vorgesehene Altersgruppe ist „ Der Pfad der roten Träume“ ein wahrer Leckerbissen.
Der Roman erzählt uns von den Träumen und der Hoffnung zweier Mädchen, die mit leeren Taschen in ein neues Leben aufbrechen, ungeachtet dessen, dass sie keinen Schimmer davon haben, was sie erwarten wird. Es zeigt dem Leser, wie gut er es in der heutigen Zeit hat, denn früher war es viel schwerer, seine Träume zu verwirklichen und das Leben zu bekommen, das man sich aus tiefstem Herzen wünscht – geschweige denn überhaupt ein menschenwürdiges Leben zu führen. Lucy musste in ihrer alten Heimat einen ständigen Überlebenskampf aushalten und kaum ist sie in Australien gelandet, wird sie schon in die nächsten Streitigkeiten verwickelt – in den Zwist zweier Völker, den der Aborigines und der Viehbesitzern.
Es ist bekannt, dass die Weißen die Uhreinwohner aufgrund ihrer einfachen (nach ihnen „primitiven“) Lebensart und ihrer dunklen Hautfarbe für eine niedere Rasse hielten. Doch obwohl ich die Fakten durch eigene Recherchearbeit kenne, war es abermals erschreckend, das Ausmaß dieses Völkerhasses mitzuerleben.
Besonders erwähnenswert ist hier die realistische Darstellung des Siedlerlebens in Australien, die kräftezehrende Reise in das rote Land per Schiff, und die der Beziehung zwischen den beiden Lagern, die nicht davor zurückschreckt, Einblicke in die Gewaltherrschaft zu ermöglichen und dennoch für die Zielgruppe angemessen beschrieben ist. Dieses Buch lässt sich sogar durchaus von jüngeren Lesern zur Hand nehmen, würde ich meinen.
Auch gut gelungen ist der Autorin die Charakterzeichnung von Lucy. Ihre Faszination gegenüber der Kultur der Aborigines und der Natur Australiens ist wundervoll dargestellt. Sie entfacht in einem den Wunsch, sofort ebenfalls dieses Land und seine Bewohner erkunden zu wollen.
Und auch der Glaube der Aborigines kamen gut zur Geltung: Ich weiß um die Bedeutung der Schlange für die Ureinwohner und dennoch habe ich Bomanns Erzählung darüber gefesselt verfolgt, da sie stimmig mit eingebunden wurde und nicht aufdringlich belehrend wirkt.
Sogar für den kleinen Romantiker ist hierin eine angedeutete Liebesgeschichte zu finden, die niemals die Überhand erlangt oder das Geschehen dominiert, aber dennoch untergründig mitschwingt und die Geschichte auflockert.
Vor allem jedoch ist es die Botschaft hinter diesem Buch, die es in meinen Augen so wertvoll erscheinen lässt: Egal wie viel Mut und Kraft es auch brauchen wird, stehe hinter deinen Träumen und vergesse sie niemals. Sie sind es, die einen Menschen ausmachen, über sich hinaus wachsen lassen und dein Leben erst lebenswert gestalten.
Gerade für Kinder ist es wichtig, dass sie das begreifen und sich zu Herzen nehmen. Wenn sie es spielerisch beim Lesen aufnehmen, umso so besser.
Nur da ich sprachlich besseres von der Autorin gewöhnt bin, die Sätze hier noch holpriger als sonst klangen und mir der Ton der Charaktere zu modern jugendlich klang für das 19. Jahrhundert, muss ich ein Kleeblatt abziehen.