Leser-Rezension zu „Die Spionin” von Corina Bomann

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Clee Clee
Verfasst von Clee
am 9.08.2011
 

Ich kann behaupten, nach langem Suchen endlich mal wieder einen überaus gelungenen historischen Roman gefunden zu haben. Weniger nüchtern ausgedrückt, würde ich sogar sagen, ich habe meinen Lieblingsbüchern mit diesem einen neuen Kandidaten hinzuzufügen!
Corina Bomann hat in ihrem Werk gekonnt Fiktion und Realität miteinander verwoben. Das Elisabethanische Zeitalter mit seine Schrecken und interessanten Seiten scheint während dem Lesen allgegenwärtig, die richtige Atmosphäre mit bildreicher und ausdrucksstarker Sprache stets aufrechterhalten. Für mich war es eine Reise durch die Zeit, zurück in das alte London des 16. Jahrhunderts.

Besonders erfreut hat mich auch, dass Gewalt- und Sexszenen hier nicht zu sehr ausgeschlachtet und bis ins kleinste Detail erläutert wurden. Natürlich gehören solche in einem Roman dieses Genre dazu, aber wie ich sehe, geht das durchaus auch geschmackvoll. Bomann bewegt sich in niveauvollem Rahmen, sodass ich mich nicht dazu gezwungen sah, solche Passagen zu überblättern, was ich bei dem einen oder anderen Buch getan habe.

Ebenso wussten die Charaktere zu überzeugen. Dass hier in Form der Heldin Alyson und ihrem Ausbilder Sir Francis Walsingham zwei sehr willensstarke und eigensinnige Personen aufeinandertreffen hat natürlich für reichlich Meinungsverschiedenheiten und Furore gesorgt, zumal sie sich in ihrem Wesen nicht deutlicher unterscheiden könnten. Während sich Alyson durch ihr einschlagendes Temperament auszeichnet, glänzt Walsingham durch verstockte Disziplin, doch auch die Kluft zwischen den Gesellschaftsebenen, denen beide angehören, verstärkt den Disput zwischen ihnen.
So war es amüsant, spannend, aber auch rührend, den Verlauf ihrer Beziehung zu verfolgen, die aber nicht auf romantischen Gefühlen basiert, um das klar zu stellen.
Alyson entwickelt sich zu einer einfallsreichen und charismatischen Spionin, die dennoch ihre menschliche Seite beibehält und nicht plötzlich vollkommen fehlerlos sämtliche Abenteuer meistert. Walsingham muss auch nicht auf Dauer den Stock im Hintern behalten, denn auch ihm hat Bomann durch kleine, unscheinbare Geste das Staubtrockene genommen und fast so etwas wie väterliche Anwandlungen Alyson gegenüber eingepflanzt.
Keiner ihrer Charaktere ist der guten oder bösen Seite zuzuschreiben, denn alle wandeln sie auf grauschattiertem Boden, weshalb auch der größte Bösewicht seine sympathischen Züge und die Guten ihre dunklen Eigenschaften zeigen darf. Unweigerlich führt das zu der ein oder anderen Überraschung, die das Leseerlebnis abwechslungsreich machen.

Zwar hätte ich gerne mehr über Königin Elisabeth I. erfahren, doch der Schwerpunkt lag hier ganz klar auf Alyson, mit der ich stets mitgelitten und –gefiebert habe. Trotzdem wurde sich der Leser der angespannten Atmosphäre am englischen Hofe bewusst und wie einengend eine so hohe Position für einen Menschen sein kann.
Dass auch viele andere bekannte, historische Persönlichkeiten ihren Auftritt fanden, hat der Geschichte zusätzliche Komplexität verliehen.
Allerdings war das Beste an diesem Buch das ausgeklügelte Spionagesystem. Es war wirklich verblüffend, mit welchen Tricks die Leute damals schon an die gewünschten Informationen gekommen sind.

Der einzige Kritikpunkt, den ich anzukreuzen hätte, sind teilweise mir zu modern erschiene Begriffe, aber das ist etwas, über das ich hinwegsehen kann. Zu einer noch tieferen Beleuchtung von Alysons Ausbildung hätte ich zwar auch nicht nein gesagt, doch so, wie diese hier dargestellt wird, ist sie auf jeden Fall ausreichend.
Ansonsten will ich nur noch sagen – ein gut durchdachter, aufregender Roman, der auf ganzer Linie zu überzeugen wusste.

 

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Die Spionin Die Spionin
Corina Bomann

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Die Spionin
von Corina Bomann

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