Leser-Rezension zu „Sturmsegel” von Corina Bomann
am 17.09.2011
Ich schätze einmal, wem noch nicht aufgefallen ist, dass ich ein Corina Bomann-Fan bin, der kennt mich kein bisschen. Dass sich meine Begeisterung für die Autorin in diesem ihrer Werke durchaus wieder bestätigt hat, freut mich daher wirklich sehr.
Es gibt eigentlich nur zwei Kritikpunkte, die ich in diesem Buch finden konnte.
Einmal ist die Seitenanzahl von „Sturmsegel“ zu knapp.
So vieles passiert innerhalb so kurzer Zeit, dass bestimmte Themenbereich nicht bis in die Tiefe ausgeführt, sondern eher angekratzt wurden.
Die Geschichte spielt sich ja währen des Dreißigjährigen Krieges ab und obwohl sich sicherlich jeder Leser vorstellen kann, dass die Bedingungen, unter denen die Menschen leben mussten, nicht die idealsten für einen glücklichen und unbekümmerten Lebensweg sind, hätte ich es gern gesehen, dass Bomann ein wenig mehr darauf eingeht, wie genau diese damals aussahen. Immerhin spielt der Krieg eine tragende Rolle für das Schicksal der hier vorkommenden Personen. Er beeinflusst ihr Handeln und Denken, ihr ganzes Ich wird von ihm neu geformt. Hierzu hat mir einfach etwas mehr Fülle gefehlt. Obwohl es gerade für jüngere Leser in diesem Ausmaß perfekt sein dürfte.
Trotz deprimierendem Setting, wird einem immer neue Hoffnung vermittelt – da steckt gleich die eine wichtige Botschaft für die Kleinen und Großen unter uns drin: Eine Lage scheint im ersten Moment nur aussichtlos, aber sie ist es nicht.
Andererseits wiederum fand ich die Informationsleistung zum Thema Schiffsbau sehr zufriedenstellend und interessant – der Leser darf praktisch „live“ beim Bau eines Segelschiffes dabei sein. Und auch die gesellschaftskritische Note im Bezug auf z.B. die Stellung der Frauen damals fand ich einfach großartig. Es wird einem jetzt erst so richtig bewusst, wie schlimm es sein muss, wenn man den Männern vollkommen untergeordnet ist – in Stellung, wie auch Ansehen.
Zum einen heißt es natürlich, dass eine Frau Unglück an Bord eines Schiffes bringt, weshalb auch kein weiblicher Fuß jemals eine Planke betreten darf.
Ein anderer Punkt ist, dass du als unehelich geborenes Kind sowieso nur das „Hurenbalg“ gilst – die Frau wird in den Dreck gezogen, der Vater bleibt unbehelligt. Wie die Männer sich damals anmaßen konnten, sich so auf ein Podest zu stellen, will mir ja bis heute nicht in den Sinn – es heißt Muttersprache, Muttererde, Mutternatur … nur mal so am Rande.
Um zu meinem zweiten Knackpunkt zu kommen – das Ende des Buches empfand ich als ein klein bisschen unglaubwürdig, weil sich einfach zu viele Zufälle aneinandergereiht haben.
Trotzdem habe ich dieses Buch mehr als genossen, woran die auftretenden Protagonisten nicht ganz unschuldig sind.
Wie das zartgeknüpfte Bande zwischen Igmar und Anneke entstanden ist, war einfach schön mitzuverfolgen – die Liebesgeschichte trat nie so dominant in den Vordergrund, dass die restliche Handlunge dahinter zurückgeblieben wäre, und dennoch hat sie für dezentes Bauchkribbeln gesorgt. Beide Charaktere waren mir auf Anhieb sympathisch. Ich hab mit ihnen mitgefiebert und gebangt, auch wenn ich von Anneke nach der Szene im Wirtshaus ein bisschen enttäuscht war. Ich hatte sie so sehr angefeuert, diesem Kerl eine zu scheuern …
Insgesamt lässt sich wohl sagen, dass mit diesem Buch auch geschichtsuninteressierten Jugendlichen die damaligen Ereignisse ein wenig näher gebracht werden können, und das auf ganz spielerische Art und Weise. So macht Wissensaufnahme doch Spaß – und Wissen tut man sich ganz gewiss aneignen, denn wie ich es gewohnt bin, merkt man auch hier die gute Recherchearbeit, die sich einfach in den Details zeigt. Z.B. Die Beschreibung der Schauplätze, um ein Beispiel zu nennen.
Für die kleineren Leser nochmal mehr, als für die größeren, und dennoch für mich ebenso wunderschön.

