Leser-Rezension zu „Die Abendröte im Westen” von Cormac McCarthy
am 20.06.2008
Mit der "Straße" wurde Cormac McCarthy endlich auch in Deutschland bekannt, in seiner Heimat gilt er schon lange als einer der größten lebenden Autoren, als Meister des southern gothic und grimmiger Nachfahre Faulkners. Hier schreibt er eher einen Anti-Western, sein vielleicht bestes Buch.
Soviel Grausamkeit in einer so wunderschönen Natur zu beschreiben ist schon eine Leistung - die Sonne scheint, der Himmel strahlt blau und alle sterben einen gewaltsamen Tod. Die Natur kümmert's nicht. "Blood Meridian" ist eine Art Geschichte der Besiedelung des Westens, gegen den Strich erzählt. Siedler töten Tiere, Indianer töten die Siedler, Banditen töten die Indianer, Soldaten fangen die Banditen und richten sie hin. Oder in anderer Reihenfolge. Der Mörtel, mit dem die "city upon a hill" bzw. das Gebäude der amerikanischen Zivilisation verfugt ist, wurde mit Blut angerührt, so könnte man den Gehalt zusammenfassen.
Nur zwei überleben alle Massaker: 'the kid', der einzige Zeuge gewissermaßen, und 'the judge', der Chronist, der alle Übel aufzeichnet, halb personifizierte Zivilisation, halb Teufel. Eine Art Teufelsaustreibung ist dieser tolle Roman auf jeden Fall, eine Desillusionierung des amerikanischen Freiheitsmythos.

