Leser-Rezension zu „Die Abendröte im Westen” von Cormac McCarthy
am 3.08.2010
Wie könnte man Cormac McCarthys ersten großen Roman „Die Abendröte im Westen“ wohl am Trefflichsten beschreiben? Spannend, wie ein Thriller und ebenso blutig, informativ durch die geschichtliche Hintergründe des Mexikanischen Krieges und alles elegant erzählt. McCarthy schafft es mit diesem Buch, diesen schmalen Grat der Verknüpfungen zu bewandern.
Wir schreiben das Jahr 1849. Der Krieg zwischen den USA und Mexiko, bei dem die Vereinigten Staaten einen Teil von Texas, Arizona, New Mexiko und Kalifornien erhielten, ist vorbei. Ein Junge, dessen Namen wir nie erfahren, ist Hauptperson der Geschichte. Sein Vater, ein ehemaliger Lehrer, der am Tod der Mutter zerbrach, kümmerte sich nicht um ihn, sodass er, als Analphabet mit 14 von zuhause fortgeht. Der Junge schlägt sich durchs Land und erreicht schließlich Texas, wo er sich einem Trupp ehemaliger Soldaten anschließt, die den Krieg gegen Mexiko fortsetzen wollen, das komplette Land für die USA erbeuten möchten.
Doch schon bald wird dieser Trupp von Apachen überfallen und nahezu komplett getötet. Der Junge kann entkommen und trifft wenig später auf einen schwer verwundeten Kumpan. Gemeinsam ziehen sie durch Mexiko, später wandert der Junge wieder allein.
Schließlich heuert er bei einem Trupp Freischärler an, die im Auftrag eines Mexikanischen Staates gegen die Indianer zu Felde ziehen. Die Skalpe der Eingeborenen bringen 100 $, eine stolze Summe. In dieser Gruppe tummeln sich die kuriosesten Gestalten. Angeführt von Glanton, ein in den USA mit Haftbefehl gesuchter Mörder, der seine Frau und Kind zurückließ. Außerdem dabei, ein Richter, der dem Jungen schon in einer Stadt in Texas aufgefallen ist, ein über zwei Meter großer Hüne ohne jeglicher Körperbehaarung, mit stolzem Umfang, ein ehemaliger Priester, ein weißer und ein schwarzer Jackson, mehrere Indianer, ein Australier, sowie ein Mann ohne Ohren.
Gemeinsam ziehen sie im Land umher, wohin sie auch kommen, sie hinterlassen eine blutige Spur. Dabei töten sie nicht nur die vom Staat „freigegebenen“ Indianer, sondern im Grunde alles, was sich ihnen in den Weg stellt, seien es nun Wanderer, ganze einsame Dörfer oder Händler. Die Männer kennen keine Gnade und auch innerhalb der Gruppe herrscht Misstrauen. Zwar halten sie zusammen wie Pech und Schwefel, doch ist einer verwundet, so wird er liegengelassen oder erschossen.
Mehrmals entkommt der Trupp den Indianern ohne größere Verluste. Doch als schließlich auch ihre anderen Grauentaten aufkommen, werden sie selbst gesucht und ein Kopfgeld in Höhe von 1.000 $ wird auf Glanton ausgesetzt. Nun muss die Gruppe weiterziehen, durch die gnadenlose Hitze der Wüste, verfolgt von Apachen und in blutige Kämpfe verwickelt.
Wer McCarthys „Grenzlandtrilogie“ gelesen hat, wird unweigerlich von diesem Buch überrascht sein. Keine Lagerfeuerromantik, keine einsamen Kämpfer für Gerechtigkeit, Freundschaft gibt es in dieser Geschichte nicht. Blut wird hier so viel vergossen, wie in sehr wenigen anderen Büchern. Und doch blieb sich der Autor mit seinen späteren Büchern treu, denn auch das erste hier spielte in der Prärie, in den Wüsten zwischen Mexiko und der USA. Unbarmherzig beschreibt er das Leben der Leute, die für „eine Handvoll Dollar“ ganze Dörfer ausrotten, spannend, wie man es sonst nur von guten Thrillern gewöhnt ist.

