Rezension verfasst vor 3 Jahren
(7)
Julius ist hundert Jahre alt und immer noch ein junger Mann. Das liegt daran, dass er in einer Welt lebt, in der es keinen Tod, keine Krankheit, kein Geld, keine Energieknappheit mehr gibt. Eine Welt, in der technisch alles möglich ist: In der man seinen Geist in einer Datenbank speichern und -in Form eines Backups- immer wieder in einen neuen Körper herunterladen kann. Doch was wie ein Paradies klingt, hat seine Schattenseiten. Denn leider gibt es auch in dieser schönen neuen Welt Konkurrenzdenken, Verrat und Verbrechen -wie Julius buchstäblich am eigenen Leib erfahren muß...
Und ich muß jetzt gerade dreimal tief Luft holen und die Zähne zusammenbeißen, damit ich es herausbringen kann: Dieses Buch ist ein Flop!
Es fällt mir, als ultraharter Science-Fiction-Fan, der immer bereit ist, sein Bestes für den Erhalt dieser dahinsiechenden Literaturgattung zu geben, furchtbar schwer, das zuzugeben. Aber es ist so!
Der Klappentext ließ die unterschiedlichsten Fantasien in meinem Kopf entstehen, die alle zu Sternenstaub zerfallen sind, als ich die ersten hundert Seiten gelesen hatte.
Ich konnte es nicht glauben, aber der Roman dreht sich doch tatsächlich um konkurrierende Schaustellergruppen in Disney-World (platt ausgedrückt).
Der "Held" lebt dort schon lange, ist mit einem Mädchen zusammen, das gerade 15% seines Alters erreicht hat und arbeitet mit ihr gemeinsam am Erhalt einiger Attraktionen namens " Liberty Square" und "Tom Sayers Insel". Alle Attraktionen sind in Verwaltungsbezirke aufgeteilt, die jede von anderen Schaustellergruppen betreut werden. Dann kommt Deborah mit ihrer Truppe Modernisierer und übernimmt die "Halle der Präsidenten", um sie auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. Was dann folgt, erinnert eher an ein schlechtes Videospiel als an einen Science-Fiction-Roman.
Julius wird erschossen, weil er anfängt, Verrat zu wittern und sich gegen eine feindliche Übernahme des "Spukhauses" zu wehren. Er steht via Backup (Aha!) wieder auf. Das hat er schon öfter gemacht, alles kein Problem. Zwischendurch erfahren wir Anekdoten aus seinem wilden Leben im Weltraum und auf der Erde. Implantate, die Komposition von Symphonien, eine verrückte Netzwerktechnikerin namens Zoya, Roboter, Online-und Offline-Zustände, die Sehnsucht nach der Dunkelheit spielen darin eine Rolle und natürlich die Backups, die es ermöglichen, ewig zu leben, wenn denn genug Körper, die übernommen werden können, vorhanden sind. Leider ist das alles weder neu noch besonders interessant zusammengefügt.
Ich muß doch sehr bitten: DISNEYWORLD muß vor einer feindlichen Übernahme geschützt werden und das 285 Seiten lang???? Na gut, das ist wirklich neu! Aber alles andere haben Autoren wie William Gibson, Ian Banks oder auch Isaac Asimov viel spannender und literarisch hochwertiger zu Papier gebracht.
Aber vielleicht bin ich auch bloß das alte Raumschiff, dem man keine neuen Loops mehr beibringen kann...oder ich habe den tieferen Sinn dieser Geschichte einfach nicht verstanden.
Oh Himmel voller schaudernder Sterne, auf mich wartet ja noch "Upload"...
PS: Der Vergleich mit William Gibsons "Neuromancer" macht mich völlig sprachlos.
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