Leser-Rezensionen zu „Little Brother” von Cory Doctorow
Rezension verfasst vor 1 Monat (10)
“Freiheit, Wecker, Freiheit hoaßt koa Angst habn, vor neamands” sagte schon Willi zu Konstantin oder es mit M1k3y zu sagen: "Ich kann nicht ein Jahr, zehn Jahre, mein ganzes Leben untertauchen und warten dass mir die Freiheit zurückgegeben wird. Freiheit ist etwas, das Du dir nehmen musst."
Und genau das ist was Marcus, der hinter diesem Pseudonym steht, am Anfang des Buches verliert.
Nach einem brutalen Terroristen Anschlag auf die Bay Bridge in San Fransicso, werden sein Freunde und er von der sog. Heimatbehörde festgenommen und ohne Grund verhört, gepiesackt und ohne Verfahren als Verbrecher behandelt.
Alles mit der Prämisse “Wir tun dies zu Deinem Schutz” Doch der 17-jährige Marcus wehrt sich, als seine Passwörter, Handyanrufe, SMS von ihm abgezwungen werden: "Es geht nicht darum , dass man etwas tut wofür man sich schämt. Es geht darum, dass man etwas Privates tut. Es geht darum, dass dein Leben Dir gehört."
Doch im Dienste des Bürgerschutzes ist den Staatsbeamten auch das Beugen des Rechtes egal. Es dient ja den Guten – und alle anderen sind ersteinmal schlecht, bevor sie nicht etwas anderes bewiesen haben.
Doctorow setzt sein Buch in einer möglichen Gegenwart an, die Twintower sind schon gefallen, das letzte Attentat hat vollends das Kontrollbedürfnis der amerikanischen Regierung geweckt.
Hier geht sie auch über Leichen und bricht das eigene Recht. Doch die Jugendlichen wissen sich zu helfen – Marcus agiert fortan im gesicherten ParanoidXbox Netz, kurz Xnet, und möchte Gerechtigkeit.
Little Brother ist weniger ein Roman im klassischen Sinne, auch wenn die Liebesgeschichte und die Handlungen sehr authentisch rüberkommen, es ist eine Darstellung der Sicherheitssucht und der Unkenntnis der neuen Medien gegenüber.
Alles was ich nicht verstehe unterdrücke und verbiete ich.
Dass dies in anderer Form in der Geschichte so immer wieder vorkommt hilft den Leidtragenden nicht.
Doch Sicherheit bedeutet nie Überwachung was uns Doctorow mit dem False Positive Paradox eindringlich klarmacht.
100 Millionen Menschen zu überwachen um 100 Terroristen zu finden kann nicht funktionieren.
Und auch dass als Fehlwert von einem “schlechten” Menschen ausgegangen wird führt zu Orwells 1984.
Nur Vertrauen, Hilfsbereitschaft und die norwegische Antwort auf terrorischte Spinner helfen der Gesellschaft auf die Dauer.
Die amerikanische oder auch diktatorische Lösung bewirken das, was die Terroristen erreichen wollen!
Auch wenn der Roman am Schluss doch etwas treuherzig wirkt, ist dies ein wichtiges und nebenbei auch informatives Buch über neue Medien/Computer und wie man damit umgeht.
Und Hacker sind eben keine Terroristen, sondern vergleichbar mit Autotunern.
Abgerundet wird der Roman durch viele interessante Links – denn dies ist keine Fiktion, dies ist die Realität und Cory Doctorow weiß wovon er schreibt.
Volle Punktzahl.
Rezension verfasst vor 3 Monaten (21)
"Big Brother is watching You!"
Diesen Spruch kennt sicher jeder in Europa und in der USA.
Er erscheint recht harmlos, doch dabei sybolisiert er den Verlusst der Privatsphäre, denn mit "Big Brother" sind Kameras gemeint, die auf der Straße, in Gebäuden, einfach überall filmen.
Begonnen hat dies mit dem Anschlag 9/11 auf das World Trade Center mitten in New York.
Damals hat unser gelibeter Sarkasmus President Bush den Pratiot's Act, ein neues Gesetz, vorgeschlagen und es wurde angenommen.
Mit diesem Gesetz wurde/wird tief in die Privatsphäre geschnitten, ehrlich gesagt ein großer Verlust, da wir für jedes unserer Rechte viel kämpfen mussten.
Doch die Leute haben sich kaum über den Partiot's Act beschwert, da sie mehr Angst vor den Terroristen hatten als vor sonst irgendetwas.
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Marcus Leben in der Schule wird streng überwacht, überall Kameras, die ihn verfolgen sollen.
Und alles funktioniert elektronisch.
Doch er will seine Privatsphäre, aber wenigstens hat er die zu Hause.
Marcus ist kein gewöhnlicher Jugendlicher, denn er kennt sich gut beim Computer aus und weiß, wie er das System austricksen kann.
Mit seinen 3 besten Freunden spielt er ein Spiel, das zur Hälfte in der Welt des Computers und zur Hälfte in der realen Welt stattfindet.
An diesem Tag bekommt er gerade einen neuen Hinweis von dem Spiel und trommelt alle, während des Unterrichtes, zusammen und gemeinsam machen sie sich auf den Weg.
Doch sie sind nicht die einzigen die sich davongeschlichen haben und schon bald stoßen sie ebenfalls auf eine Gruppe.
Sie befinden sich gerade mitten in einem Streit, bei dem es darun geht, welche Gruppe hier vortritt hat, als sie plötzlich einen lauten Knall hören.
Doch was war das?
Marcus und seine Freunde machen sich sofort auf den Weg zu dem Schutzraum, doch dann machen sie mitten in dem Gedränge kehrt.
Und erst, als sie sich daraus frei gekämpft haben, bemerken sie, dass ihr Freund Darrel von jemanden in der Menge abgestochen worden ist.
Marcus versucht vorbeifahrende Autos aufzuhalten, doch ihm gelingt es nicht und so springt er einfach vor das nächste Auto.
Doch leider war seine Wahl falsch, denn lauter Typen, die wir Militär ausschauen, springen heraus, richten die Gewehre auf ihn, fesseln ihn und stecken ihm einen Sack über den Kopf.
Man bringt ihn und seine Freunde in eine Art Gefängnis, wo er verhört wird und gedemütigt.
Schließlich gibt er all seine Passwörter preis, was ihn in der Seele schmerzt, aber er kommt mit seinen anderen Freunden frei, nur von Darrel hat er seit dem Tag der Explosion nichts mehr gehört.
Was ist mit ihm bloß passiert?
Marcus Eltern haben ihn tot geglaubt und sind nun froh, dass er zurück ist, doch er kann ihnen nicht sagen, wo er wirklich gewesen ist und so erzählt er ihnen eine Lüge.
Äußerlich scheint er neutral zu sein, doch innerlich kocht er.
In seinem Laptop entdeckt er eine Wanze und so sucht er eine neue Variante, wie er sicher mit seinen Freunden komunizieren kann und so "erfindet" er das X-Net, wie es später heißen wird.
Dazu braucht man eine X-Box, Lynox Paranoid und noch etwas.
Er brennt seine Kreation auf CDs und verteilt sie auf der Schule.
Um ihn herum scheint eine Freiheitsbewegnung zu enstehen und er ist deren Gründer.
Doch niemand darf wissen, dass er dahinter steckt, denn sonst wird er auf Geheiß der Regierung für immer verschwinden...
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Eine schreckliches Szenario der Zukunft.
Aber leider sehr realistisch.
So etwas könnte jede Zeit passieren, doch ich hoffe, dass dem nicht so ist.
Wer will denn schon rund um die Uhr überwacht werden?
Wer will seine Privatsphäre verlieren?
Also ich nicht.
Und ich hätte mich damals gegen Bushs Partiat's Act gewehrt (wenn ich älter gewesen wäre).
Es haben sich damals auch viele gewehrt, doch sie wurden einfach unterdrückt von den "braven" Bürgern, die um ihre Sicherheit fürchten.
Doch wie groß ist die Wahrscheinlichkeít wirklich, dass man in seinem eigenen Land von einem Terroranschlag unkommt?
Viel kleiner als ein tödlicher Autounfall.
Doch haben wir Angst, in ein Auto zu steigen?
Nein.
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Einfach genial!
So ein Buch hatte ich noch nie in der Hand und ich muss sagen, wirklich realistisch.
Ich würde sagen, damit wollte der Autor unsere zähe Gesellschaft etwas aufrütteln.
Aber wissen kann man das nie so genau.
Auf jeden Fall verstehe ich Marcus Beweggründe.
Wer würde das nicht tun?
Also ich bin auf jeden Fall froh, in einer (noch) ziemlichen demokratischen Gegend zu wohnen, wo es nicht allzu viele Überwachungskameras gibt.
Rezension verfasst vor 4 Monaten (2)
„Little Brother“ von Cory Doctorow geschrieben, 2008 auf Englisch erschienen und 2010 ist die erste Auflage bei Rowohlt erschienen. Der aus Kanada stammende Schriftsteller engagiert sich unter anderem für den Datenschutz und eine Liberalisierung des Urheberrechts. Seine Werke veröffentlicht er unter einer sogenannten „Creative Commons-Lizenz“, wie auch „Little Brother“, welches man als Pdf-Datei gratis downloaden kann. Seit 2006 arbeitet er als Gastprofessor an einer kalifornischen Universität.
Der Ausspruch „Freiheit ist etwas, das du dir nehmen musst“ lässt deutlich erahnen, worum es geht.
Marcus Yallow geht auf die Cesar Chavez High in San Francisco. Für ihn, einen talentierten, jungen Gamer und Hacker mit dem Decknamen w1n5t0n (=Winston), ist es ein Leichtes, die Überwachungsmethoden seiner Schule auszutricksen. Dies ist auch nötig, als Marcus seinen Freund Darryl überredet, die Mittagspause zu nutzen, um dem neuen Hinweis bei Harajuku Fun Madness, eine Roleplay bei dem die beiden zusammen mit zwei Freunden, Vanessa und Jolu, als Team fungieren, nachzugehen. Die vier sind gerade dabei den Hinweis zu orten, als plötzlich die Erde auf Grund des Terroranschlags auf die Okaland Bay Bridge, bebt und auf dem Weg zu einem der Schutzräume sind die vier unglücklicherweise, zur falschen Zeit am falschen Ort und werden von der Heimatschutzbehörde (Department of Homeland Security, DHS) verschleppt und verhört. Die Art wie der DHS die Geiseln behandelt ist alles andere als Human. Durch Psycho-Spielchen versuchen sie an Informationen zu kommen. Anfangs weigert sich Marcus sein Handy zu entsperren und somit seine Daten preiszugeben, doch dann gibt er auf und nach und nach seine Privatsphäre auf.
Marcus hat nichts mit dem Anschlag zu tun, auch wenn der DHS nicht wirklich davon überzeugt ist, wird er freigelassen. Vanessa und Julo werden mit ihm freigelassen, doch von Darryl fehlt jede Spur.
Die drei kehren in den Alltag zurück, überrascht wie sehr sich San Francisco in den Tagen ihrer Gefangenschaft verändert hat. Überall Überwachungskameras, Polizisten und Mitarbeiter des DHS. Als Marcus bemerkt das sein Laptop verwanzt ist, steigt er auf seine Xbox mit der ParanoidLinux Software um. Da der DHS weiß, dass er w1n5t0n ist, legt er sich einen neuen Namen zu, nämlich M1k3y. Er hat das Surfen mit der ParanoidXBox zum Trend gemacht und somit das „Xnet“ erschaffen. Inzwischen protestieren die Bürger schon gegen die totale Überwachung, auch M1k3y ist nicht untätig und ruft alle Xnetter auf etwas zu tun. Anfangs sieht es nach einem Erfolg aus, jedoch bekommt der DHS Verstärkung und auch im Xnet gibt es die ersten Lecks. Bei einer Party, deren Ziel es ist das Xnet sicherer zu machen, spricht Marcus erstmals über das was der DHS ihm angetan hat und er lernt Ange kennen. Die beiden treffen sich regelmäßig und verlieben sich ineinander. Marcus vertraut ihr alles an und sie ist ihm eine große Hilfe. Als er von einem Fremden einen Brief zugesteckt bekommt, erfährt er das Darryl noch lebt und ringt sich dazu durch seinen Eltern die Wahrheit zu sagen. Diese überreden ihn mit Barbara Stratford, einer Journalistin, zu reden. Kurz vor der Veröffentlichung, bekommt er eine Warnung per Mail und gleichzeitig ein Angebot. Das Angebot ihm zur Flucht aus San Francisco zu verhelfen. Marcus nimmt das Angebot an, unter der Bedingung das Ange mitdarf. Als er schon im Hänger sitzt, der ihn wegbringen soll, entscheidet er sich jedoch gegen die Flucht, da er Ange verloren hat und nicht ewig weglaufen will.
Nachdem er sich einige Tage durchgeschlagen hat, wird er vom DHS gefangen genommen. Sie sind gerade dabei ihn zu foltern, als Barbara Stratford mit Nationalgardisten kommt und ihn befreit. Im Hochsicherheitstrakt finden sie Ange und Darryl. Sie können alle Gefangenen zwar nicht einfach freilassen, dafür bekommen alle, die vom DHS auf Guantanamo in der Bay festgehalten wurden, eine faire Verhandlung vor dem Richter. Marcus wird von allem freigesprochen, einzig der Diebstahl eines Handys wird ihm zur Last gelegt.
Im Büro für Wählerkoalition engagieren sich Marcus, Ange und sehr viele andere Xnetter nun auf legale Art und Wiese und versuchen Amerika zu verändern.
Das Buch legt einem ans Herz, etwas zu unternehmen und nicht nur zuzusehen. Man sollte für seine Rechte kämpfen und niemand hat das Recht sie einem zu nehmen ist eine klare Aussage, wie auch dieses Zitat "Die Bill of Rights steht über dem DHS".
Das Buch regt junge Leute zum Lesen an, wie die Resonanz zeigt. Vor allem da es als Pdf-Datei für manche anregender ist als ein Buch. Die deutliche Botschaft ist kaum zu übersehen und man hofft so etwas nicht durchleiden zu müssen.
Ob wir aus der Moral etwas lernen, ist eine andere Sache.
Rezension verfasst vor 9 Monaten (12)
"Wir sind vielleicht dumm , wir sind vielleicht jung, aber wir sind kein Dreck"
Die Kids an der Chavez High werden ausgeschnüffelt. Gangerkennungskameras,kostenlose infiltrierte Lap Tops die sie bespitzeln ,ein paranoider Direktor und Schnüffler in den eigenen
Reihen schaffen keine ausgesprochenene Wohlfühlatmosphäre.
Alles legitim um die Sicherheit zu gewährleisten.
Damit diese gewährleistet bleibt haben die USA nach dem Terroranschlag 2001 ihre Verfassung ausser Kraft gesetzt. ( Krieg gegen den Terror/ Kriegsrecht) Nun kann jeder verhaftet werden, wenn er sich irgendwie verdächtig macht, ohne vorherige Anklage oder Anwalt einkassiert und unbegrenzt festgehalten werden . Folter ist ebenfalls legitim , wenn sie der Sicherheit dient.
Leider ist das keine Fiction sondern immer noch bestehende Tatsache.
Immer schön dran denken wenn ihr USA Urlaub macht. Schön unauffällig bleiben.
Marcus ist nicht unauffällig genug, sein Glaube an Freiheit und Bürgerrechte *"Ich versteh das nicht . So wie Sie es darstellen, klingt es als ob die Verfassung optional wäre. Aber es geht um Grundrechte. Die Grundrechte müssen immer gewahrt werden, Sie gelten absolut." *und sein nach der Verhaftung durch die Heimatschutzbehörde verschwundener Freund Darryl treiben den 17 jährigen Mittelschichthedonisten nach dem Anschlag auf San Francisco zum Widerstand.
Via X.-Net wird nicht überwachte Kommunikation möglich, Sicherheits -und Erkennungssysteme werden ausgetrickst , illegale Konzerte, VampMob .....
Die kids mit dem Slogan "Trau keinem über 25" lassen sich etliches einfallen.
So eskaliert die Lage , denn die Heimatschutzbehörde sieht in ALLEN welche zur Kooperation nicht bereit sind Feinde Amerikas und Terroristen.
Cory Dotorows "Little brother" ist mit Preisen und Auszeichnungen überhäuft worden, wird als Nachfolger von George Orwells "1984" gehandelt, ist brandaktuell, weil jederzeit möglich und teils schon praktiziert, und verdient meiner Meinung nach jede einzelne dieser Auszeichnungen.
Spannend bis zur Bibliographie in lockerer, angenehm zu lesender Sprache489
Seiten zum mitfiebern .
Auch totale Mathepfeifen können den mathematischen Erklärungen zum Programmieren folgen und sie interessant finden !
Marcus ist ein unterhaltsamer Sympath, die Lovestory nebenher stört nicht, sondern ist mit ansprechend Herzschmerztouch und der Einblick in die Spielkids und ihre Spiele ist so geschrieben, dass die Faszination rüberkommt.
LESEN
Rezension verfasst vor 11 Monaten (8)
Wie viel ist mir Sicherheit wert? Was bedeutet mir Privatsphäre? Wieviel Reglementierung verträgt das Internet? Wann dürfen in der Verfassung festgeschriebene Grundrechte eingeschränkt werden?
Doctorow entwirft ein Zukunftsszenario für die totale Überwachung in San Francisco nach einem Terrorangriff. Er beschreibt mit viel Detailkenntnis und spannend. Kleine Schwächen in der Geschichte sind verzeihlich bei diesem wichtigen Thema
Rezension verfasst vor 1 Jahr (12)
Absolut lesenswert. Ich habe alles über vermeintliche Sicherheit durch Technik gelernt. Eine Art modernes 1984 - nur, dass es hier ein wahres Happy End gibt.
Wer den US-Sicherheitshype und die permanente Kontrolle in der ganzen Welt (egal ob auf Flughäfen, an Bahnhöfen oder sonstwo) für übertrieben hält und sich ohnehin schon zu gläsern fühlt, der findet sich hier wieder. Ein 17-jähriger Hacker besiegt mit viel Mut und einer immensen Hacker-Bewegung das Department of Homeland Security. Es könnte genauso passiert sein. Auch die Nachworte von Sicherheitsspezialisten und Hackern sind lesenswert, also nicht beim Epilog aufhören!
Rezension verfasst vor 1 Jahr (14)
K90 Little Brother von Cory Doctorow Kategorie: Kinder- und Jugendbuch
Rezension zu „Little Brother“ von Cory Doctorow
Ein Terroranschlag in San Francisco und eine Heimatschutzbehörde, die auf der Suche nach den Attentätern selbst vor Jugendlichen nicht Halt macht. In „Little Brother“ konstruiert der Autor Cory Doctorow ein Szenario wie aus der Angst vor dem Terror ein Überwachungsstaat entsteht, der wiederum Terror unter seinen Bewohnern erzeugt.
Cory Doctorow ist ein kanadischer Journalist und Science-Fiction-Autor, der sich insbesondere für die Liberalisierung des Urheberrechts und für den Datenschutz engagiert. Seine Bücher – darunter auch „Little Brother“ – veröffentlicht er unter der sogenannten Creative Commons Lizenz, mit welcher er der Öffentlichkeit bestimmte Nutzungsrechte an seinen Werken einräumen kann.
Stell dir vor, dein Leben verändert sich von einem Tag auf den anderen für immer und zwar auf die schlimmste erdenkliche Art und Weise. Das geschieht dem 17-jährigen Marcus und seinen Freunden Darryl, Van und Jolu. Die Jugendlichen befinden sich zur falschen Zeit am falschen Ort, als Terroristen eine Bombe in der Großstadt zünden. In dem Chaos aus Rauch und verängstigten Menschen wird Darryl niedergestochen und anstatt Hilfe zu erhalten, werden den Freunden wortlos von uniformierten Leuten schwarze Säcke über die Köpfe gezogen. Sie werden an einen unbekannten Ort weggeschafft: Die Jugendlichen stehen unter Verdacht den Terroranschlag verübt zu haben.
Marcus kann es kaum glauben, dass sein eigenes Land sich gegen ihn stellt. Keiner hört ihm richtig zu, jedes Wort wird ihm im Mund herumgedreht. Psychospielchen werden mit ihm gespielt, damit er seine Passwörter für Handy und Notebook preisgibt. Immer und immer wieder wird nach der Geschichte gefragt, warum er sich ausgerechnet dort – in der Nähe der gesprengten Brücke – befand. Verschleppt, misshandelt und gedemütigt kehren die Freunde nach Tagen in ihr altes Leben zurück – ohne den verletzten Darryl. Was ist mit ihm geschehen? Sie können sich niemandem anvertrauen, denn keiner darf wissen, was die Heimatschutzbehörde im Namen der Sicherheit treibt. Aber eines ist ihnen klar: Sie werden überwacht. Hinzu kommt, dass sich die Stadt in den letzten fünf Tagen verändert hat. Überall sind Kameras aufgestellt, Sicherheitsleute postiert und jeder Bewohner erhält Chipkarten, durch welche die Menschen überwacht werden sollen. Die Freiheit wird unter dem Deckmantel der Sicherheit eingeschränkt.
„Little Brother“ ist ein grandioses Buch – so viel vorne weg. Cory Doctorow konstruiert das Szenario eines Überwachungsstaates, das erschreckend, realistisch und spannend ist. Marcus, der Protagonist, ist ein Junge, der das Spiel liebt, sich mit Computern auskennt und nicht auf den Kopf gefallen ist. Sein Leben verändert sich schlagartig und dieser Veränderung muss er sich anpassen. Er entwickelt sich im Verlauf der Geschichte weiter, wird erwachsen und vor Entscheidungen gestellt, bei denen viele von uns verzweifeln würden. Der Leser wird in die Emotionen, die Gefühle, Ängste und Sorgen der Hauptfigur direkt mit eingebunden und manchmal sogar von den greifbaren Beschreibungen des Autors innerlich aufgewühlt und berührt.
Manch ein Leser muss sich vielleicht am Anfang des Buches erst an die teilweise sehr jugendliche Sprache gewöhnen. Es werden viele technische Modi erklärt und der Autor führt in das Gamer- Vokabular ein. Dennoch passt dieser Erzählstil zum Buch. Er verstärkt die Tragweite der Ereignisse sogar, denn Jugendliche werden nach einem Terroranschlag gefangen genommen, verschleppt, verhört und gedemütigt.
Das Buch ist auf erschreckende Art und Weise realistisch, denn man kann sich als Leser vorstellen, dass die Ereignisse wirklich so, wie sie geschildert werden, passieren könnten. Völlige Überwachung und Kontrolle unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung. Eine Bevölkerung, welche die Augen davor verschließt, was wirklich passiert – dass ihnen ihre verfassungsgegebenen Grundrechte geraubt werden – bis es beinahe zu spät ist. Schon heute werden wir überwacht – das weiß wohl jeder – aber
Rezension verfasst vor 1 Jahr (18)
K49 Little Brother von Cory Doctorow Kategorie: Kinder- und Jugendbuch
„Die Freiheit der Person ist unverletzlich“- So oder so ähnlich lautet sowohl bei uns in Deutschland wie auch in Amerika eines der wichtigsten Grundrechte. Auch Marcus alias „w1n5t0n“ ist der Meinung, dass dieses Recht jedem Bürger zusteht, doch als er und seine drei Freunde zur falschen Zeit am falschen Ort sind und von der DHS, der Heimatschutzbehörde, in Gewahrsam genommen werden, verliert er das Vertrauen in seine Regierung: Die Jugendlichen werden behandelt wie Schwerverbrecher und für die Verantwortlichen der Sprengung der Oakland Bay Bridge gehalten. Nach tagelangen Befragungen und Demütigungen wird ein Teil der Gruppe freigelassen, doch Darryl, Marcus besten Freund, sehen sie nicht wieder.
Als sie zurück in ihre Stadt kommen, ist allerdings auch dort nichts mehr so wie es war. Nach dem Terroranschlag auf die Brücke und dem Tod vieler Menschen übernimmt die Heimatschutzbehörde die Führung und lässt die Bürger auf jedem nur erdenklichen Weg überwachen. Der Aufenthaltsort aller wird mit Hilfe von U-Bahn-Karten und Sendern aufgezeichnet und jeder, dessen Aufzeichnungen ein Verbrechen auch nur vermuten lassen, wird verhört und schlimmstenfalls sogar eingesperrt.
Als begeisterter Gamer und Computerfreak sagt Marcus der Regierung den Kampf an und sabotiert gemeinsam mit seinen Freunden die Überwachungsmedien der Regierung. Nach dem Motto „Nicht die Attentäter terrorisieren dieses Land, die Heimatschutzbehörde tut es!" beginnen Jugendliche aus allen Schichten für ihre Freiheit und die Menschenrechte zu kämpfen.
Als kanadischer Blogger und Journalist setzt sich der Autor des Buches, Cory Doctorow, für den Datenschutz ein und hat auch mit diesem Buch ein großartiges Beispiel für die Bedeutung unserer Grundrechte geschaffen. Der Roman zeigt zudem, dass auch Jugendliche ihre Rechte verteidigen sollen und das durchaus schaffen können. Vielleicht nicht unbedingt, indem sie sich durch die Systeme der Regierung hacken, aber es gibt sicher genügend andere Wege, die die Bürger vor einem reinen „Überwachungsstaat“ bewahren können.
Diesen „Überwachungsstaat“ beschreibt der Autor sehr glaubwürdig, was an manchen Stellen schon einmal Angst auslösen kann, das das auch bei uns passieren könnte. Auch die Hauptperson Marcus und seine Freunde werden sehr glaubhaft geschildert, da keiner von ihnen als richtiger Held gesehen wird, sie alle sind nur ganz normale Jugendliche, die etwas bewegen wollen.
Ingesamt ist das Buch wirklich zu empfehlen. Computerfreaks, Politikinteressierte, Jugendliche, die etwas bewegen wollen oder einfach nur Lesebegeisterte: Für alle ein toller Schmöker, in den vielleicht sogar der eine oder andere Erwachsenen gerne hineinliest.
Rezension verfasst vor 1 Jahr (12)
A78 Little Brother von Cory Doctorow Kategorie: Allgemein
Little Brother (Cory Doctorow)
Marcus alias "w1n5t0n" ist 17, smart und begeisterter Gamer. Als Terroristen die Oakland Bay Bridge in San Francisco in die Luft sprengen, befinden er und seine Freunde sich zur falschen Zeit am falschen Ort. Agenten der Sicherheitsbehörde hatten sie verdächtigt und verschleppen sie auf eine geheime Insel, wo sie tagelang verhört, schikaniert und gedemütigt werden. Als Marcus freikommt, hat sich San Francisco in einen Überwachungsstaat verwandelt. Jeder Bürger – ein potentieller Terrorist; Menschenrechte – zweitrangig; Freiheit – ein "Sicherheitsrisiko".
Marcus und seine Freunde können nicht akzeptieren, was geschehen ist – und beschließen, sich zu wehren. Mit Hilfe subversiver neuer Medien organisieren sie sich zu einer "Gamer-Guerilla". Ihr Plan: Sabotage der staatlichen Überwachung. Ihre Waffen: die Zukunftstechnologien. Ihr Ziel: der Sturz der Regierung.
Autor: Cory Doctorow
Verlag: Rowohlt Verlag
Erschienen: 03/2010
ISBN: 978-3-499-21550-6
Seitenzahl: 491 Seiten
Die Grundidee der Handlung
Marcus ist ein Computerfreak, Hacker und Rebell, der sich immer wieder über die völlig überzogenen Sicherheitsüberwachungen an seiner Schule hinwegsetzt – und er ist begeisterter ARG(Alternative Reality Game)-Spieler. Als er mit seinen Freunden für ein Spiel die Schule schwänzt, zerstören in San Francisco Terroristen eine Brücke und eine unterirdische U-Bahn-Strecke – tausende überleben den Anschlag nicht. Als Marcus bei den herbeieilenden Kräften Hilfe für seinen verletzten Freund holen möchte, werden sie verhaftet und kommen in ein geheimes Gefängnis. Und was sie dort erleben, zeigt ihnen, dass der Staat die Rechte der Bürger mit Füßen tritt. Nach Erniedrigungen und Folter kommen Marcus und zwei seiner Freunde schließlich frei – doch Darryl bleibt verschwunden.
In der Zwischenzeit hat die Heimatschutzbehörde die Gelegenheit genutzt, alle Bürger unter Generalverdacht zu stellen und San Francisco mit einem Netz völliger Überwachung zu überziehen, ein freies Leben ist nicht mehr möglich. Marcus – noch immer schockiert, was er in der Haft erleben musste – beschließt, sich gegen die Heimatschutzbehörde zu wehren, organisiert sich mit Gleichgesinnten und unterwandert die Sicherheitsvorkehrungen. Ein "Spiel" nimmt seinen Lauf, das bald gefährliche Züge annimmt ...
Stil und Sprache
Cory Doctorow stellt seinen Protagonisten zunächst in der Gegenwart vor und wechselt dann in die Vergangenheit. Dabei erzählt Marcus seine Erlebnisse aus der Ich-Perspektive und spricht den Leser immer wieder direkt an, was für eine große Nähe zum Charakter sorgt. Gleichzeitig erlebt man so die Gefühle von Marcus in ihrer reinsten Form, fiebert und leidet mit ihm. Er ist nicht nur Computerfreak und Hacker, sondern auch ein recht typischer Schüler, entsprechend ist seine Ausdrucksweise: auf Coolness gestylt, oft mit einer frechen Erwiderung auf den Lippen, zunächst kaum zu beeindrucken. Seine Sprachwahl ist recht stark an der Welt der Computer angelehnt, ohne aber den Leser vor Rätsel zu stellen, denn die komplette Denkweise, aber auch Abkürzungen wie ARG (Alternative Reality Game) oder LARP (Live Action Role Playing) werden im Text immer direkt und umfassend erläutert. Doctorow beschreibt Vorgänge ziemlich genau, teilweise bewusst so, dass man so einiges auch nachmachen kann, beispielsweise die Anruf-ID seines Handys zu fälschen. In einem späteren Abschnitt gibt er einen Crashkurs inkl. geschichtlichem Hintergrund über Kryptographie und erläutert es bildlich so, dass es auch Laien verstehen - auch wenn das Verfahren als solches kompliziert ist und Konzentration beim Lesen fordert. Trotzdem bindet er diese Passagen immer so pfiffig in den Text mit ein, dass sie einfach zum Gesamtkonzept gehören und den Leser nie langweilen; mit tollen Bildnissen lockert er das Ganze weiter auf.
Indem der Autor Google, Wikipedia, Microsoft (sowohl in einem positiven als auch negativen Bild) oder die Electronic Frontier Foundation (EFF) einbringt, also real existierenden Firmen und Plattformen, verleiht Doctorow seinem Roman eine zusätzliche Lebendigkeit. Im übrigen hat er eine einfache und doch nicht anspruchslose, eine offene, klare und emotionale Art zu beschreiben, was Marcus während der Haft passiert ist. In packenden Worten erzählt er über die Mittel, mit denen das Militär in seiner Arroganz und Gleichgültigkeit gegenüber den Häftlingen verfährt. Ein erschütternder Bericht, der hier zwar Fiktion ist, aber einem Leser, der durch die Medienberichterstattung auch von Guantanamo-Bay weiß, gar nicht lustig vorkommt.
Doctorow fackelt nicht lange, beschreibt nur den Storybeginn und legt bereits ab Seite 40 ein solches Tempo vor, dass die Zeilen zu verschwimmen und die Seiten dahinzufliegen scheinen. Danach lässt die Dynamik zwar zunächst wieder etwas nach, ohne dass aber die Spannung verloren ginge – zu unglaublich, zu fesselnd sind seine Schilderungen. Ein weiteres mal begegnet dem Leser dieser hochdynamische Stil, der einen mitreißt und die Augen förmlich nur über die Zeilen fliegen lässt, zu Beginn des 19. Kapitels. Wer jetzt jedoch glaubt, die Ereignisse zwischen diesen Passagen seien langweilig, nur weil sie etwas bedächtiger ablaufen, kennt Doctorow schlecht - der Roman liest sich zügig und flüssig, was durch die kurzen Abschnitte innerhalb der recht langen Kapitel noch unterstützt wird.
Der Autor versteht es, den westeuropäischen Lesern allein schon durch die in den amerikanischen Schulen anzutreffenden Sicherheitsvorkehrungen zu schocken, klingen sie doch so schräg, als ob sie nicht von dieser Welt seien – z.B. werden jedem Schüler bei der Einschulung Laptops (SchoolBooks) zur Verfügung gestellt, die vom Schulsystem bei jedem Tastenklick überwacht werden (können). Schüler werden per Handyortung, die Gänge der Schule per Kameras mit individueller Gangart-Erkennung überwacht (seit Kameras mit Gesichtserkennung durch die Rechtsprechung für unzulässig erklärt wurden). Und doch ist diese Methoden vermutlich längst Realität. Zwar ist auch dem deutschen Leser nicht unbekannt, dass die USA mittlerweile ein Überwachungsstaat par excellence ist, dennoch wird man immer wieder überrascht, ist gar erschüttert, wenn man hier nachliest, welche Ausmaße dies mittlerweile angenommen hat. Und wie das Ganze noch zu steigern ist, zeigt sich, als die Heimatschutzbehörde San Francisco einnimmt ... Ein Roman, der nachdenklich macht, ein Roman, der wichtig ist.
Figuren
Cory Doctorow erschafft seine Figuren mit Gefühl und Raffinesse, mit glaubhaften Stärken und Schwächen und Eigenschaften, die jede einzelne rundum realistisch werden lassen. Besonders zum Protagonisten entwickelt der Leser schnell eine Beziehung und schaut ihm direkt über die Schulter. Marcus ist intelligent, zunächst nur ein bisschen paranoid und technisch sehr begabt – aber dennoch ein völlig normaler Teenager im Computerzeitalter. Was ihm jedoch nach dem Terroranschlag widerfährt, spornt ihn an, sich gegen das Verhalten der Behörden und die Verletzung der Bürgerrechte zu widersetzen. Indem Doctorow immer wieder die Angst hervorholt, die Marcus seit seiner Verhaftung begleitet, steigert er nur seine Glaubwürdigkeit – Marcus ist kein furchtloser Superheld, sondern ein Mensch, der trotz seiner Ängste seinen Mut zusammennimmt, für seine Freiheit und gegen die totale Überwachung zu kämpfen.
Sehr gut haben mir auch die übrigen Charaktere gefallen, die einen in diesem Roman begleiten, allen voran Ange. Auch sie ist ein Computerfreak, taff und für ein junges Mädchen überraschend offensiv, aber ebenfalls glaubhaft. Sie steht Marcus zur Seite, ergänzt und unterstützt ihn und ist mit Feuereifer beim Widerstand dabei. Doch da ist noch mehr ... Gelungen auch das Portrait von "Ms. Zirkelschnitt", der leitenden Agentin der Heimatschutzbehörde. Ihr Auftreten ist arrogant, skrupellos und grausam. Dies erscheint zwar einseitig, aber genau so stellt man sich eine leitende Persönlichkeit des Militärs, das seine Macht für Folter und totale Überwachung missbraucht, vor.
Aufmachung des Buches
„Little Brother“ wird vom Rowohlt-Verlag als Taschenbuch aufgelegt. Die Verarbeitung des Buches ist hochwertig, nach dem ersten Lesen finden sich praktisch keine Spuren auf dem Buchrücken oder den Umschlagdeckeln. Das Cover wirkt mit der Anordnung der Elemente auf den ersten Blick schlicht, auf den zweiten Blick jedoch raffiniert gemacht. Zu sehen ist die Silhouette eines jugendlichen Mannes mit aufgegelten Haaren, in der Hand sein Handy. Hinter ihm findet sich ein großes, rotes X, beides wird überdeckt durch einen grünen Fingerabdruck, der sich bei genauerem Hinsehen aus Nullen und Einsen, also der ureigenen Computersprache, zusammensetzt. Die Schriftzüge des Autors und des Titels haben einen gesplitterten Look, darunter versetzt findet sich in grau der jeweils andere Schriftzug. Insgesamt eine Gestaltung, die mich anspricht.
Im Anschluss an den Roman wird das Buch durch Stellungnahmen von Bruce Schneier (Sicherheitsexperte) und Andrew "bunnie" Huang (Hacker der XBox) sowie einer Bibliographie von Doctorow, in der man weitergehendes Material zu diversen Themen findet, ergänzt.
Fazit
Cory Doctorow hat mit „Little Brother“ die Angst vor Terrorismus und das herablassende und aggressive Auftreten der amerikanischen Behörden – stellvertretend für viele andere Regierungen – in einen intelligent inszenierten Roman verpackt und führt an diesem Beispiel vor, wie Sicherheitstechnologien gegen das eigene Volk missbraucht werden (können). Mit diesem packenden und spannenden Thriller bietet er Unterhaltung, regt aber auch zum Nachdenken an. Eine klare Empfehlung!!
Rezension verfasst vor 1 Jahr (20)
Für Marcus und seine Freunde bekommt die Wendung „zur falschen Zeit am falschen Ort sein“ eine ganz besondere Bedeutung, denn nach einem Terroranschlag auf die Bay Bridge in San Fransisco werden die vier Jugendlichen verhaftet, eingesperrt und verhört. Als Marcus schließlich gehen darf, die Drohung, sie werden ihn im Auge behalten noch im Ohr, muss er feststellen, dass nicht nur sein Freund Darryl nicht wieder aufgetaucht ist, sondern die Heimatschutzbehörde das Kommando über San Franciso übernommen hat, und die ganze Stadt überwacht. Doch Markus will sich das nicht bieten lassen und organisiert den Widerstand der Jugendlichen. Eine Dystopie? Ganz sicher. Aber wie lange noch? Intention des Buches ist es aber nicht, uns alle paranoid zu machen, sondern vielmehr die Aufmerksamkeit zu schärfen.
Überwachungsstaat, das klingt nach Science Fiction und jeder Menge technischem Fachvokabular. Ist es auch. Die gute Nachricht: es wird alles erklärt, wenn auch manchmal sehr lang, sodass man leicht den Faden verliert, wenn man sich nicht konzentriert. Doch trotz der langen Erklärungen ist Doctorow eine spannende und in sich stimmige Geschichte gelungen, die uns vor Augen führt, was es an technischen Möglichkeiten gibt, aber auch, wie diese gegen uns verwendet werden können. Der Ich-Erzähler wirkt dabei überzeugend, nicht nur in seiner Funktion als Widerständler, sondern auch als der normale Siebzehnjährige, der er zu Beginn des Buches noch war. Doch der Autor erzählt nicht einfach irgendeine Geschichte – vielmehr ruft er dazu auf, sich bewusst zu werden, was Privatsphäre bedeutet und was sie wert ist. Er zeigt, dass es manchmal schwierig ist, herauszufinden, was das richtige ist und es dann zu tun und macht deutlich, dass jeder von uns Verantwortung übernehmen muss: für uns und andere. Dabei spielt er dem jungen Leser nicht vor, dass es ein leichtes ist – nein, was als Spiel begann ist schon bald bitterer Ernst, auch wenn die wenigsten von Marcus' Anhängern das zu begreifen scheinen.
Wie in den meisten Jugendbüchern thematisiert auch Doctorow Freundschaft und Liebe. Interessant finde ich, dass es dabei nicht vollkommen gut ausgeht und das Ende des Buches in jeder Hinsicht nur bedingt positiv ist. So zeigt sich die Lebensnähe, die vorher nur – hoffentlich – eingeschränkt vorhanden war.
„Little Brother“ ist spannend und überzeugend geschrieben (wenn ich auch eine echte Abneigung gegen den Satz „Wir küssten uns.“ entwickelt habe ;) ), zieht sich aber zwischendurch etwas in die Länge. Das liegt größtenteils daran, dass einige Dinge ausschweifender erklärt und erzählt werden müssen, um der Geschichte folgen zu können. An diesen Stellen heißt es durchhalten und weiterlesen – denn im Endeffekt lohnt es sich. Sehr interessantes Buch, das zum Nachdenken anregt und damit zu empfehlen.








