Leser-Rezension zu „Der geniale Mister Fletcher” von Craig Clevenger
am 15.09.2008
In elegant lakonischer Sprache erzählte Geschichte über die Kunst des Verschwindens, aber auch Reise in den Kopf eines genialen, jedoch kranken Menschen. Fiese Härte und marternde Spannung bescheren dem Kammerspiel eine geradezu hypnotische Wirkung. Also ein klassischer Fall von einem Buch, das geradezu knechtend verlangt, in einem Rutsch gelesen zu werden und das einem schwarze Ringe unter die Augen zeichnet. Dank des nüchternen Stils und der präzisen Beobachtungen, in Verbindung mit schwarzem Humor und einer Irrenhaus Welt, drängen sich schnell Vergleiche zu der Prosa von Chuck Palahniuk auf - der dann auch, wie es der Zufall will, als Referenz auf dem Buchrücken angeführt wird.
Vielleicht von Interesse: Das Buch ist eine lohnenswerte Ergänzung zu den Romanen "Motherless Brooklyn" von Jonathan Lethem und "Ich und die Anderen" von Matt Ruff, deren Protagonisten ebenfalls eine Form von geistiger Krankheit aufweisen (Tourette -Syndrom, multiple Persönlichkeiten), die durch die subjektive Erzählweise beeindruckend spür-, fühl- und denkbar ist. Auch wenn die Romane verschiedene Geschmacksrichtungen aufweisen, bilden sie doch ein konzeptionell verbindendes Dreigestirn, welches der Entdeckung lohnt.

