Unter dem Pseudonym John Smith veröffentlicht Barabara Buncle ein Buch mit dem Titel „Der Störenfried“. Da sie nur über das schreiben kann, was sie kennt, hat sie sich dafür einfach ihren Heimatort Silverstream zum Vorbild genommen. Der Roman wird ein Bestseller. Leider erkennen sich die Einwohner des Ortes relativ schnell in dem Buch wieder, worüber sie nun nicht gerade erfreut sind. Es wird kritisiert, niedergemacht, der Autor zum Teufel gewünscht und schon bald gibt es kein anderes Thema mehr.
Bleibt die Frage zu klären: wer eigentlich ist John Smith?
Barbara Buncle ist eine etwas ältere Dame, die eigentlich nur nach einer Möglichkeit gesucht hat, ihr schmales Einkommen aufzubessern. Niemals hätte sie damit gerechnet, dass das Buch tatsächlich erscheinen und die Menschen es lesen würden! Sie ist mir manchmal ein wenig zu naiv und der Verleger, Mr. Abott, hält sich hingegen für sehr schlau, aber damals gehörte es sich ja noch so, dass die Frauen nicht so klug wie die Männer zu sein hatten. Nunja.
Es ist das klassische Buch für einen verregneten Nachmittag: eine nette, leichte Lektüre für zwischendurch, bei der man nicht viel mitdenken muss und die Geschichte sanft vor sich hinplätschert. Diese beginnt unmittelbar und zunächst werden die Bewohner von Silverstream kurz erwähnt. Insgesamt gesehen gibt es eigentlich nicht viel Handlung. Sie wird nur von Mrs. Featherstone Hogg und ihrem Eifer, den Autoren vom „Störenfried“ ausfindig zu machen, vorangetrieben. Die Charaktere sind alle ganz nett, aber für mich sticht keiner besonders heraus. Sie bleiben ein wenig blass und stereotyp; das ist zwar schade, hat mich beim Lesen jetzt aber nicht allzu sehr gestört. Zu Beginn bin ich mit den vielen Namen – zunächst die Einwohner von Silverstream und dann ihre Abbilder in Copperfield – durcheinander gekommen, aber mit der Zeit lernt man sie ganz gut kennen. Selbstverständlich ist mir erst am Ende der Lektüre aufgefallen, dass sich ganz hinten ein Personenregister befindet. ;)
Das Geschehen wechselt sehr sprunghaft von Person zu Person. Ein außenstehender Beobachter erzählt die Geschichte, doch wir bekommen dennoch einen Einblick in die Gedanken der einzelnen Personen. Der Schreibstil ist etwas eigenartig, ebenfalls sehr sprunghaft und mit relativ kurzen Sätzen. Das macht das Ganze etwas dynamischer; wortwörtlich ein Stich ins Wespennest, der alle aufrüttelt und vieles zum Vorschein bringt.
Die Originalausgabe ist von 1934 (was den etwas ungewöhnlichen Schreibstil erklären könnte), trotzdem könnte man meinen, es sei gerade erst geschrieben worden. Der Einstieg in das Buch fiel mir zunächst nicht leicht, da es sich schließlich um mir völlig unbekannte Personen handelt, zu denen ich noch keine Beziehung aufbauen konnte. Was interessiert mich da ihr Alltag? Aber sobald der „Störenfried“ erscheint und der ersten Leserin in Silverstream auffällt, was es damit auf sich hat, wird es sehr amüsant auch alle anderen dabei zu beobachten.
„Das übelste Machwerk, das je geschrieben wurde“ reichte als Empfehlung, um auch bei dem abgestumpftesten Literaturverächter Lesehunger zu wecken. (S. 177)
Das Buch schlägt hohe Wellen und spaltet die Leser: entweder sie finden es großartig oder abscheulich. Herrlich.
Das Ende hat mir dann sehr gut gefallen, denn es bildet einen runden Abschluss der Ereignisse. Zwischendurch fühlte ich mich an Lady Whistledown aus der Bridgerton-Reihe erinnert, aber eigentlich ist es doch etwas völlig anderes.
Das Cover finde ich sehr ansprechend und die Kapitel haben eine angenehme Länge.
Auf der Rückseite wird das Buch mit dem Satz „Das perfekte Buch zum 5 Uhr Tee“ beworben und das ist es in der Tat. Es macht Spaß, das Buch zu lesen, man sollte sich aber nicht zu viel davon erwarten. Eigentlich hätte es mehr als drei Sterne verdient, da es mich wirklich gut unterhalten hat, aber weil leider nicht viel dahinter steckt, kann ich irgendwie auch nicht mehr als 3 Sterne vergeben. Das heißt auf keinen Fall, dass das Buch schlecht wäre! Wer leichte Unterhaltung sucht, sollte hier unbedingt zugreifen.