Leser-Rezension zu „Das verlorene Symbol” von Dan Brown
am 23.08.2010
A100 Das verlorene Symbol von dan Brown Kategorie: Allgemein
Zugegeben: Ein ganzer Bauchladen an Esoterik, Sektierertum und Pseudowissenschaften. Das dachte ich nach den ersten Seiten leicht genervt. Und dieses Sammelsurium bietet Dan Browns Thriller auch. Nur: Es muss ja keiner für bare Münze nehmen. Wer Harry Potter liebt, glaubt auch noch lange nicht an Zauberei. Leider gibt es natürlich Menschen, die auch nach diesem Buch Browns wieder nicht zwischen Fiktion und Fakten unterscheiden können oder wollen, auch unterstützt von der publicitywirksamen Geheimnistuerei des Autors selbst und der „Dan-Brown-entschlüsselt“-Industrie, die ebenfalls ganz gut vom Hype um seine Werke lebt und bei deren Vertretern seriöse Recherche nicht immer im Vordergrund steht. Nur: Für die Leichtgläubigkeit vieler seiner Leser ist nicht Dan Brown verantwortlich.
So, nun aber endlich zum Buch selbst: Brown ist ein spannender Thriller mit vielen Twists gelungen, der einem bis zu den letzten Seiten in Atem hält. Und egal, wie oft Nörgler betonen, dass der Mann keine Hochliteratur verfasse und holzschnittartig Charaktere und Szenen zusammen setze: Er kann einfach flüssig und packend schreiben. Klar, der Leser bekommt immer auch jede Menge Erklärungen und Infos geliefert, etwa zur Herkunft vieler Wörter. Aber hey, Brown-Leser stehen auf so was: Man hat immer auch das gute Gefühl, man lernt was dazu (sollte aber lieber auch noch mal woanders nachschauen…) Und Brown, dem einige Kritiker vorwerfen, er nehme sich selbst zu ernst, zeigt in dieser Hinsicht durchaus auch Selbstironie, wenn er über seinen Helden Robert Langdon an einer Stelle schreibt: Wie alle Lehrer hasste er es, (belehrende) Vorlesungen zu erhalten.
Mir persönlich hat das Buch viel besser gefallen als der Da-Vinci-Code (Sakrileg), da dessen Story, die Suche nach dem wahren Gral, schon vorher, und teilweise auch besser, verarbeitet wurde. Ich weiß nicht, wie die Freimaurer zu „Symbol“ stehen, aber meiner Ansicht nach kommen sie jedenfalls wesentlich besser weg als die katholische Kirche. Und bei allen Kontroversen immer schön dran denken: Brown schreibt Thriller und keine Sachbücher. Man kann sich drüber ärgern, wenn Historiker Geschichte einseitig beleuchten und ihre Version als die letzte Wahrheit verkaufen. Bei einem Thriller aber gibt es nur ein Qualitätskriterium: SPANNUNG. Mitfiebern bis zum Ende = fünf Sterne. Einen Stern Abzug gibt’s aber doch für die Brown-typische „Holzschnitzerei.“

