Rezension verfasst vor 1 Jahr
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Es gibt kaum Themen, die den Menschen so sehr beschäftigen wie die Liebe und der Tod - Eros und Thanatos. Es gibt kaum Schriftsteller, die nicht bereits darüber geschrieben haben. Im vorliegenden Werk vereint Dan Simmons fünf Novellen, die sich alle diesen klassischen Themen auf eine sehr düstere und morbide Art und Weise nähern. Und kaum eine Geschichte sticht dabei nicht heraus - sowohl positiv, als auch negativ.
DAS BETT DER ENTROPIE UM MITTERNACHT eröffnet die Sammlung mit einer melancholischen Magie, die nur ganz selten selbst in längeren Romanen gefunden werden kann. Ruhige Passagen, die von der zu vorsichtigen Liebe eines Vaters zu seiner Tochter berichten, werden immer wieder von skuril-brutalen Unfallberichten abgelöst, die nicht nur an den Film Fight Club erinnern lassen, sondern den Leser auch perfekt in die Irre führen und das Ende der Geschichte umso schöner machen.
TOD IN BANGKOK, die zweite Geschichte im Band, ist preisgekrönt und anders als viele anderen preisgekrönten Geschichten ist diese jedes Wort wert. Simmons gelingt es die ekelerregende Atmosphäre im Sumpf aus Sex und Gewalt perfekt einzufangen und sie sogar noch mit einer aussergewöhnlichen Geschichte um höchst abartige sexuelle Gier, Homosexualität, Aids und einen gut vorbereiteten Racheplan zu toppen. Hier hält Festa, was er an Horror verspricht.
SEX MIT ZAHNFRAUEN enthüllt Simmons Leidenschaft für seine spärlichen Indianerwurzeln, die auch in seinem neusten Roman "Black Hills" aufgegriffen werden, und spielt gekonnt mit Sioux-Sprache und einer mystischen Prophezeiung. Leider leitet die Geschichte auch über in die schlechtere zweite Hälfte - oder besser gesagt, die schlechten zwei-drittel des Bandes. Nicht nur wirkt das ungewöhnliche Indianersetting etwas befremdlich auf den Leser. nein, Simmons gelingt es auch nicht seine anfürsich gute Geschichte um die "Vagina Dentata" spannend zu erzählen. Die Auflösung der Prophezeiung gerät zu knapp und zu willkürlich, die guten Ideen verpuffen in den langatmigen Ausführungen der Kultur und der Indianer-Historie. Eine gruselige Atmosphäre, die das Thema durchaus - gerade für einen Mann - verspricht, wird nicht heraufbeschworen, wenngleich Simmons am Ende zumindest auf erzählerischer Ebene noch einige Fäden der langen Einleitung gut zusammenspinnen kann.
Das gleiche Problem hat auch FLASHBACK, wo eine interessante Science-Fiction-Geschichte von der ultimativen Flucht aus der Realität in ein paar Seiten untergebracht werden muss. Der Platz reicht bei weitem nicht aus um Simmons Kreativität und die tragische Problematik halten zu können. Die Figuren wirken unmotiviert, die Tragik lässt sich nur erahnen, der Plot wirkt konstruiert und durchschaubar - gar unzusammenhängend (bis auf den konstruierten Schluss) und unmotiviert. Schade. Gerade dieser Stoff - so simpel er sein mag - hätte zu etwas sehr großem werden können.
Der Abschluss DER GROSSE LIEBHABER ist Simmons huldigung an die gestorbenen Kriegspoeten des ersten Weltkrieges. Die im Vorwort angesprochene Recherchearbeit deutet an, das dies Simmons ein Anliegen war, worüber er scheinbar den Leser vergessen hat. Seine Schilderung der Ereignisse des ersten Weltkrieges aus der Sicht eines tatsächlich existierten Dichters gerät packend, atmosphärisch und ist horror pur. Genau wie die Entwicklung der eigentlichen Handlung, die träge und nichtssagend dahinplätschert und nicht von der großartigen Atmosphäre der Schützengräben, des Todes und des Schlamms getragen werden kann.
Vielleicht liegt es auch nur an der Vermischung der Geschichten bezogen auf die zwei sehr universellen Themen, die in jedem Genre existieren. Vielleicht war die Reihenfolge der Geschichten auch nur ungünstig gewählt. Vielleicht wundert man sich auch nur, das der Band sehr wenig Horror enthält und die Thematik von Eros und Thanatos oftmals ohne Emotionen dargereicht wird. Dies gelingt Simmons nämlich nur in den ersten zwei Episoden - Melancholie und wirklicher Horror. Liebe und Tod. Und er beweisst sich und dem Leser somit, das auch eine Kurzgeschichte oder eine Novelle diese Gefühle transportieren kann. Wenngleich es ihm tatsächlich nur zweimal gelingt.
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