In der Fortsetzung des "Hugo"-prämierten Hyperion, in dem sich eine kleine Schar von Pilgern auf den Weg gemacht hatte, um auf dem rätselhaften Planeten Hyperion Antworten auf die Fragen ihrer jeweiligen Leben sowie auf das Schicksal der Menschheit zu finden, folgen die Leser nun unterschiedlichen Handlungssträngen. Zum einen steht das Geschehen in der durch eine Invasion bedrohten "Hegemony of Man" im Zentrum der Aufmerksamkeit. Der Leser begleitet die Präsidentin dieses Imperiums, Meina Gladstone, bei ihren Entscheidungen rund um den drohenden Krieg mit der Invasionsmacht. Zum anderen wird das weitere Schicksal der Pilger im Tal der "Time Tombs" geschildert. Wie nicht anders zu erwarten, werden die Pilger recht bald voneinander getrennt und müssen einzeln ihre Proben bestehen, in die nicht selten der Shrike eingebunden ist, ein grausames, maschinelles Monster unklarer Funktion.
Verbunden werden diese Stränge durch eine neu eingeführte Person, einen zweiten "cybrid", dessen Geist von den künstlichen Intelligenzen des TechnoCore nach dem Vorbild des englischen Poeten John Keats geformt worden ist. Dieser "cybrid" (genetisch der Mensch Keats, der durch seinen Geist Zugang zur Welt der künstlichen Intelligenzen des TechnoCore hat) träumt von den Pilgern und kann durch diese Träume der Präsidentin Gladstone von den Vorgängen an den Time Tombs berichten.
The Fall of Hyperion gibt tatsächlich einige Antworten; und ich muss sagen, ich bin nicht sicher, was ich von diesen Antworten halten soll. Sicher ist: Was Simmons hier anbietet, ist zum großen Teil so trickreich komponiert, dass er mir selbst bisweilen den Überblick zu verlieren scheint.
Zentral für das Verständnis des Textes ist die mehrfach geäußerte Sentenz: "The best lack all conviction while the worst are full of passionate intensity". Man könnte sie als Absage an das lesen, was aber dennoch das Buch durchzieht und nicht konsequent verneint wird: einen messianischen Gedanken. The Fall of Hyperion ist voller Voraussagen, Prophezeiungen, "Erwählter" und nicht zuletzt Märtyrer - ganz sicher wird dieses Denken aber von Simmons nicht propagiert. Das Buch ist allerdings über weite Strecken mehr theologisch als philosophisch, mehr damit beschäftigt, den Willen einer unsichtbaren Macht zu ergründen; damit, den Platz zu finden, an dem man ihr Instrument sein soll; und weniger mit den Möglichkeiten, die der Einzelne zum Handeln hat, ohne gleich Held, Märtyrer oder sonstwas zu sein. Die Absage an den Messianismus ist nicht absolut, sondern hält sich an die zitierte Sentenz: Der beste Messias ist ein zweifelnder Messias.
Diese These, die ich für die wichtigste des Textes halte, wird aber eben ein bisschen von dem theologischen Ballast erstickt, der eigentlich bis zum Schluss in Kraft bleibt. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich finde, dass Simmons hier die Synthese aus sehr Konträrem gelungen ist, die er offenbar angestrebt hat: Zweifel und Messianismus.
Während ich darüber noch nachdenke, möchte ich aber niemanden vor diesem kurzweiligen zweiten Teil warnen, wenn ich mir vielleicht auch gleichzeitig wünsche, Simmons hätte es bei dem ersten Teil belassen. Ich bin mir nicht sicher. Aber wir wissen ja: The best lack all conviction.