Leser-Rezension zu „Alle sieben Wellen” von Daniel Glattauer
am 15.08.2010
„Alle sieben Wellen” ist eine nahtlose Weiterführung des erfolgreichen Vorgängerromans von Daniel Glattauer “Gut gegen Nordwind”.
Nicht ahnend, welcher Anlass Leo dazu trieb das Weite zu suchen, und nun mindestens die unendliche Weite eines Meeres zwischen sich und Emmi bringen muss, um sie vergessen zu können, versucht Emmi immer und immer wieder in zu erreichen. Das Einzige was sie als Antwort erhält ist:
ACHTUNG: GEÄNDERTE E-MAIL-ADRESSE... SYSTEMMANAGER….
Doch selbst das ist immer noch besser, als Leo gar nicht schreiben zu können. So textet sie den Systemmanager voll, als ihre neue auserwählte und indirekte Verbindung zu Leo, bis eines Tages, ja nach Monaten der Abstinenz - als Leo seine Emmi-gration beendete – ganz unverhofft eine Reaktion in ihr Postfach flattert.
Zwar fällt sie eher banal aus, die distanzierte Energie, die in den Worten mitschwingt ist nicht zu überspüren. Offene Konflikte kommen zum Ausbruch, alte Wunden reissen auf. Einem endgültigen Ende scheint nichts mehr gegen zu wirken. Ist das das Aus von dem Traumpaar des modernen Briefwechsels?
Einfühlsam, emotional, mitreissend, gefühlvoll, atemberaubend, traurig und wunderschön, all das sind Beschreibungen zu der Geschichte des Traumpaares der Gegenwart, Emmi und Leo. Daniel Glattauer schafft es das Innenleben und den Gefühlszustand der Protagonisten so klar zu formulieren, und zugleich gewisse Geschehnisse gekonnt zu verheimlichen, was dazu führt, dass der Leser nicht anders kann, als dem Ende entgegen zu fiebern. Der elektronische Briefwechsel der beiden ist voller Energie, aber auch kühler Distanz. Sie versuchen sich stets einander zu entziehen, doch mit der Zeit schwindet diese Grenze immer mehr ins Unermessliche. Der Leser bangt mit Emmi und hofft mit Leo, er will das Ende wissen, aber auch doch wieder nicht. Es ist ein ewiges Hoch und Tief, wahrlich eine Achterbahn der Gefühle.
„Alle sieben Wellen“ schafft es meiner Meinung nach tatsächlich, die ergreifende und emotionale Beziehung von Emmi und Leo weiter zu entwickeln, in zwar deutlich ernsterem Tonfall, doch ohne dabei oberflächlich oder gar unrealistisch zu wirken. Das Werk bleibt durchgängig spannend und überraschend bis zu den letzten Seiten.
Wer „Gut gegen Nordwind“ gelesen und für gut befunden hat, sollte „Alle sieben Wellen“ auf gar keinen Fall verpassen!!

