Inhalt:
Ein Mann begeht einen Mord. Einfach so. An irgendjemanden. Der Mann ist vorbereitet, hat seinen Koffer für die Haft bereits gepackt.
Doch es glaubt ihm keiner. Niemand traut dem Journalisten zu, einen Mord zu begehen. Auch als immer mehr Beweise gegen Jan Haigerer sprechen, glauben Mehrheit von Richtern und Öffentlichkeit an die Unschlud Haigerers.
Was bewegt einen Menschen dazu, sich gegen einen Freispruch zu wehren? Weshalb hat Jan Haigerer den Mann mit der roten Jacke umgebracht?
Meine Meinung:
Daniel Glattauers "Darum" arbeitet ein brisantes Thema auf. Ein Mann begeht einen Mord. Der Leser ist dabei, doch bis zum Schluss lässt Haigerer alle, somit auch den Leser, im Dunkeln über das Warum seiner Tat.
Ich habe ein zwiegespaltenes Verhältnis zu diesem Buch.
Zum Einen war mir Jan Haigerer von Anfang an unsympathisch und daran änderte sich bis zum Schluss nichts. Seine triste Art, über seine Erlebnisse zu bericht, passt zwar zum Thema, liess mich mit der Figur jedoch nicht warm werden. Sein Verhalten war mir oft rätselhaft und ich konnte ihn nicht verstehen.
Andererseits wurde ich von der Frage angetrieben, was hinter der ganzen Sache steckt. Haigerer macht gewisse Andeutungen, lässt jedoch vieles offen. Die angebliche Lösung, die dem Leser erst angeboten wird, wird rasch über den Haufen geworfen. Was am Ende dabei herauskam, liess mich auflachen, mir die Hand auf die Stirn schlagen und den Kopf schütteln.
Dieses Rätselraten lässt "Darum" an einen Krimi erinnern, zwar ohne Detektiv, aber die Frage nach dem Weshalb wird auch hier gestellt und der Leser entkommt Glattauers Zug nicht, er will wissen, was geschehen ist.
Der Autor bedient sich einer eher rauen und zur allgemeinen Situation passenden Sprache, die mir jedoch zu kalt und zu distanziert war. Haigerer erzählt die Geschehnisse aus seiner Sicht, wird dabei auch ironisch. Er beschreibt seine Umgebung scharf und treffend.
Glattauer legt die Hinweise so, dass der Leser von seiner Neugierde durch das Buch geführt wird und stetig weiterliest. Bis ganz zum Schluss.
Aufgrund der grossen Schrift und der vielen Abschnitte kann man "Darum" trotz seines schweren Themas gut lesen. Das Thema mag auf die Seele schlagen, das Satzbild nicht. Ich hatte das Buch schneller durch als erwartet. Dies lag bestimmt auch an der volksnahen Sprache des Autoren.
"Darum" ist ein interessantes Buch, das seinesgleichen sucht. Es ist eines jener Werke, die sich nirgendwo richtig einordnen lassen. Daniel Glattauer hat ein packendes Thema gewählt und es sehr gut dargestellt. Wir werden in die Welt der Gefängnisse und der Richter entführt, erleben Haigerers Sturheit mit, wenn es darum geht, zu erörtern, weshalb er die Tat begangen hat. Auch die Medien kommen zum Zug, die sich auf die Tat stürzen, wie hungrige Geier. Natürlich kommt auch der Faktor Frau nicht zu kurz.
Das Überzeugendste am Buch war jedoch sein Schluss, der mich sehr überrascht hat. Versierte Krimileser, die gerne Rätsel lösen, werden aufgrund der Hinweise eventuell rasch auf die Lösung kommen. Da ich aber nicht zu jender Gruppe gehöre, wurde ich vom Ende kalt erwischt. Genau das hat mich von diesem Buch überzeugt.
Fazit:
Ein Buch auch für Krimileser und Anhänger von Anwaltskrimis. Natürlich für Fans von Glattauer, obwohl sich "Darum" keinesfalls mit "Gut gegen Nordwind" vergleichen lässt.
Das Buch entführt in eine kalte Welt, auf die man sich einlassen muss. Es ist definitiv ein lesenswertes Buch, jedoch gehört es zur Kategorie "Mag man oder mag man nicht". Am besten einfach mal ausprobieren.