Leser-Rezension zu „Theo” von Daniel Glattauer
am 24.09.2010
Kennen Sie Theo? Wenn nicht, dann sollten sie ihn schleunigst kennenlernen. Theo ist nämlich der Neffe von Daniel Glattauer, und wurde seit seiner Geburt ("Neugeborener ging es nicht.") von ebenjenem Onkel jährlich porträtiert. Das klingt vielleicht auf den ersten Blick nicht so spannend, doch bei Glattauers Talent zur Beobachtung erwartet uns in den Betrachtungen des (Klein-)kindes vor allem eines: Jede Menge Spaß.
Die jährlichen Portraits als Klammer gesehen, machen einen Hauptteil des Buches vor allem die Geschichten des dreijährigen Theo aus, die bereits 1997 im mittlerweile vergriffenen Buch "Theo und der Rest der Welt" erschienen ist. Und diese sind mit Abstand am herrlichsten.
Theo ist ein unglaublich aufgewecktes Kind. Er gibt den Ton an, und die so genannten Pädagogen versuchen, gegen die Übermacht des Dreijährigen anzukommen. Theo hat ganz klar die Hosen an, was aber auch daran liegt, dass der Autor alles aus der Sicht des Kleinen darstellt. Theos Welt ist eine ganz eigene, sie funktioniert nach einfachen und klaren Regeln, und dieser verzerrte und unlogische Blickwinkel der Erwachsenen mag sich einem dann so gar nicht erschließen. Deshalb muss man auch ständig nachfragen.
Und Glattauer beschreibt diese Kleinkindersicht auf eine so wunderbar liebevolle und humorvolle Art und Weise. Für den unbestreitbaren Herrscher über die Pädagogen ist die Welt "halt einfach so", und ein einfacher Besuch im Supermarkt wird zum Abenteuer, andere Kinder im Sandkasten zur Bedrohung und der Urlaub in Bibione mit den Großeltern erst dann zu einem Erlebnis, als man das gelbe Motorboot mit dem Lenkrad findet. Mein Lieblingskapitel ist immer noch "Theo und die Tiere", vor allem der Ausflug in den Schönbrunner Tiergarten ist ein bestes Beispiel dafür, wie zauberhaft unterschiedlich sich die Welt des kleinen Entdeckers dreht.
Das Schöne daran ist, dass sich Theo dadurch nicht großartig von anderen Kindern unterscheidet, und man durchaus die Kids aus dem eigenen Umfeld in einer bestimmten Art und Weise wieder in Theo findet.
Auch wenn der dreijährige Theo den Großteil des Buches einnimmt, stehen die nachfolgenden Kapitel denen zuvor in nichts nach. Theo als Sportexperte oder Kartenspielzocker hat ebenso seinen Reiz, und durch die größeren Abstände merkt man, wie rasch sich Persönlichkeiten eigentlich entwickeln.
So bleibt "Theo - Antworten aus dem Kinderzimmer" ein unglaublich spaßiges Buch für Kinderfreunde. Man muss nicht selbst Kinder haben, um den gewieften und cleveren Theo in all seiner Drolligkeit zu mögen. Eltern bekommen eventuell eine kleine Rück- bzw. Vorschau auf die eigenen Kids, und wer keine hat, überlegt es sich vielleicht noch. Nur Hochschwangere sollten entsprechend aufpassen, beim Lesen der Lektüre setzen womöglich die Wehen ein!
Zum Hörbuch: Der Sprecher Peter Jordan schafft es tatsächlich, den jungen Theo angemessen und ohne Peinlichkeiten wiederzugeben, meines Erachtens nach eine Glanzleistung! Als besonderes Highlight hat beim Interview am Ende des Buches Autor Daniel Glattauer sich selbst vertont. Sehr passend und im Rahmen des Projektes auch beinah Pflicht. Ich persönlich hätte ja den vierzehnjährigen Theo auch noch gern gehört. Leider wurde das Hörbuch unverständlicherweise gekürzt, und wie ich finde, an den besten Stellen. So kann man es nur als Zusatz zur Hardcoverausgabe sehen, für längere und amüsante Fahrten in den Urlaub, eventuell nach Bibione.

