Leser-Rezension zu „Ruhm” von Daniel Kehlmann
am 21.03.2010
Wie wahrscheinlich viele habe ich gespannt auf Daniel Kehlmanns neuen Roman Ruhm gewartet. Das nächste Buch, nach einem Riesenerfolg wie Die Vermessung der Welt es war, ist immer das schwerste und sicherlich auch aus diesem Grund heißt Kehlmanns neues Buch Ruhm.
Ich wurde nicht enttäuscht. Ein Roman in neun Geschichten nennt der Autor sein neustes Werk. Es handelt von einer Fülle sehr unterschiedlichen Personen, die aber alle miteinander sehr aussergewöhnlich und interessant sind, unter anderem kommen darin vor: ein Autor von Lebenshilfebüchern, der das Vertrauen in das Gute verliert, ein neurotischer, angstgetriebener Autor, ein Internetjunkie, eine sterbenskranke Frau und eine Krimiautorin, die auf einer Lesereise irgendwo in Zentralasien verloren geht. Hier beweist sich einmal mehr Daniel Kehlmanns große Stärke. er braucht nicht viele Worte um Situationen und Personen Leben zu geben. Und so ist sein Roman voll von absurden Situationen, ohne dass er dadurch überladen wird. Eine abgerundete Romanhandlung entwickelt sich nicht, die einzelnen Episoden sind eher lose miteinander verknüpft. Einzelne Personen und Motivketten tauchen immer mit. Dabei entfaltet Kehlmann ein gewitztes Spiel zwischen verschiedenen textuellen Realitätseben, wie so häufig bei Kehlmann bekommt der Leser die Frage nach Wahrheit und Lüge, nach Realität und Fiktion gestellt. Das ganze ist nicht allzu orginell, bei Auster und anderen hat man ähnliches schon häufiger gelesen. Ich habe beim Lesen häufiger gedacht, ach, ist die gutem alte Postmoderne jetzt auch in der deutschen Literatur entgültig angekommen. Da das Ganze sprachlich brilliant und von einer geschliffenen Eleganz ist, ist Kehlmanns Buch trotzdem sehr, sehr lesenswert!
Einziger Wermutstropfen: auch wenn man die Qualität von Literatur nicht nach dem Umfang messen kann, ist das Buch für 200 Seiten mit einem großzügigen Satz doch ziemlich teuer!

