Leser-Rezension zu „Ruhm” von Daniel Kehlmann
am 26.03.2010
Wenn ein Autor nach einem grandiosen Romanerfolg ("Vermessung der Welt") einen Band mit Erzählungen veröffentlicht, ist höchste Vorsicht geboten. Wie oft ist das schon gründlich schief gegangen, wie oft wurden da schon irgendwelche Textkrümel aufgebauscht und zusammengeschustert, nur um "an den Erfolg anzuknüpfen". Bei Kehlmann ist erstaunlicherweise genau das Gegenteil der Fall: Jetzt zeigt er erst, was er kann! Nach dem Bestseller kommt die Kür mit höchst originellen und ausgefallenen Stories. Seine Themen: Fluchten, Grenzüberschreitungen, Ausnahmesituationen. Wunderbar, wie er Geschichten ausbreiten kann, er beherrscht die Dramaturgie unerwarteter Wendungen, kann über lange Strecken Bögen spannen - er spielt mit seinen Figuren wie ein geschickter Marionettenspieler. Sehr empfehlenswert, bestens geeignet für einen Lesenachmittag im sommerlichen Park.

