Leser-Rezension zu „Don't Sleep, There Are Snakes” von Daniel L. Everett
am 1.05.2011
In diesem Buch schildert der Missionar und Linguist Daniel Everett sein Leben unter den Pirahas - einem Ureinwohnerstamm des Amazonas. Er studierte dort Jahrzehnte lang deren Sprache um Bibelübersetzungen zur Bekehrung anzufertigen. Doch die Missionierung schlägt ins Gegenteil um und offenbart zwei gravierende Einsichten für den Autor; die eine führt ihn zur Kritik an den theoretischen Größen der Linguistik seiner Zeit, die andere zur Neubewertung von Authentizität, Glaube und Wahrheit. Am Ende ist es Everett selbst, der sich vom christlichen Glauben los sagt und von der Weltsicht und Lebensweise der Pirahas 'missioniert' wird.
Das Buch macht deutlich, dass Sprache nicht unabhängig von Kultur erlernt und verstanden werden kann. Diese Kultur soll der größte Teil des Buches anhand von zahllosen Anekdoten vermitteln. Das gelingt zwar deskriptiv, allerdings hat dieser Teil auch seine etwas unspannenden Längen.
Am interessantesten fand ich allerdings die letzten drei Kapitel. Dort reflektiert Everett seine Studien und kommt zu den erwähnten Einsichten. Wer sich ein wenig für den Zusammenhang von Sprache, Wahrheit und Weltbild interessiert und sich von etwas linguistischer Theorie am Rande nicht abschrecken lässt, dem sei dieses Buch empfohlen.

