Rezension verfasst vor 1 Jahr
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Was tun, wenn der 16 jährige Sohn offensichtlich nur noch unter Qualen die Schule besucht, wenn er sie denn besucht? Diese Frage mag ich mir in 14 Jahren vielleicht auch stellen müssen. Meine eigene Schullaufbahn war nicht gerade glorreich, aber so gelitten habe ich nie. Kann ich dann nachvollziehen, was in einem jungen Mann, der nicht so recht weiß, wer er selber ist, vorgeht, wenn er einfach nicht zur Schule geht? Irgendwie schon.
Nur das alleine reicht neicht nicht aus. Die Frage ist: wie damit umgehen? David Gilmour war genau in dieser Situation und hat, aufgrund der eigenen unangenehmen Erinnerungen an seine Schulzeit eine ungewöhnlche Lösung parat. Er schlägt seinem Sohn Jesse vor, die Schule abzubrechen, einzige Bedingung: pro Woche muss sich Jesse gemeinsam mit ihm drei Filme ansehen. Coole Idee, dachte ich mir. Gib dem Jungen Zeit, zu erforschen, was er will. Denn das Gefühl, seinen Weg nicht zu finden, das kenne ich auch. David Gilmour nimmt sich also die Zeit, sich Zeit für seinen Sohn zu nehmen. Das ist für manche Menschen ein purer Luxus. Denn der Kapitalismus, in dem wir leben, lädt die Menschen nicht gerade dazu ein, sich Zeit zu nehmen, egal wie die finanzielle Lebenssituation gerade aussieht. Wie es das Leben so will, läuft es in diesem gemeinsamen Jahr, das sich auf drei Jahre ausdehnen wird, auch für David Gilmour selbst beruflich nicht allzu rund. Natürlich macht er sich Sorgen darüber, am Ende aber ist er glücklich und dankbar. Dankbar dafür, Zeit mit seinem Sohn verbracht zu haben, die ihm keiner mehr nehmen kann. Eine Verbindung aufzubauen, die tiefer geht, als zuvor.
Und die Auszeit geht auch an Jesse nicht spurlos vorbei, er erprobt sich ohne finanziellen Druck zu haben. Ein Glücksfall, den er annimmt und sich zum Ende der drei Jahre aufrafft, um seinen Schulabschluss doch in Angriff zu nehmen.
Ich habe durch dieses Buch viel gelernt, was Filme und Schauspieler angeht. Manchmal war es amüsant, manchmal war es mir ehrlich gesagt zu detailiert. Erst gegen Ende des Buches wuchsen mir die beiden Protagonisten mehr ans Herz. Da nahm das Ganze noch einmal Fahrt auf.
Fragwürdig ist für mich allerdings Gilmours Bedingung, keine Drogen in der Zeit - ausgenommen waren Tabak und Alkohol. Das war mir zu undifferenziert. Natürlich wünsche ich mir nicht, das mein Krümel irgendwann zu Drogen greift, weil er meint, sein Leben damit besser im Griff zu haben, aber einfach nur den Wunsch zu haben und ein Verbot auszusprechen, wird da nicht genügen. Auch bei Jesse Gilmour hat das nicht immer genügt. Kinder müssen eben ihre eigenen Erfahrungen machen, man knnn ihnen nicht jeden Stein aus dem Weg räumen und nicht jede Verletzung ersparen. Aber man kann ihnen die Zeit geben, sich ihren Weg selbst zu suchen. Mogen sie diesen dann auch selbstbewußt beschreiten.
So wie Jesse Gilmour.
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