Leser-Rezension zu „Tokio im Jahr null” von David Peace
am 19.03.2011
Innerhalb eines korrupten und verlogenen Polizeisystems ermittelt Inspektor Minami auf einsamer Flur nach einem Serienmörder. Ein Täter ist bald gefunden, doch die Spuren führen weiterhin in die Vergangenheit und in den Untergrund, wo jeder ein anderer sein könnte, jeder ein anderer zu sein scheint und der ebenfalls gestörte Protagonist in einem Gewirr aus Verbrechen und Lügen hineingeräte, bis er selber in größte Gefahr gerät...
Die Geschichte spielt im zerbombten Tokio 1945/46, wo sich jeder der Nächste ist und um sein Überleben kämpft. Keine Plattform also für effiziente Ermittlungen in Mordfällen, Improvisation ist gefragt, Tricks und Kniffe sind vonnöten, um Informationen gegen Geld und Geld gegen Informationen einzutauschen. Dabei werden die Hintergründe der damaligen japanischen Lebenseinstellung gut gezeichnet. Nicht zu ausführlich, dass es der Geschichte Schaden zufügt, aber effizient genug, um dem Gesamtbild des Romans einen besonderen Ausdruck zu verleihen.
Wer David Peace kennt, weiß, worauf er sich bei dem Autor einlässt. Es handelt sich nicht um eine entspannende Kaminfeuerlektüre, Peace`s Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig, aber gewaltig, die beschriebenen Szenarien durchweg düster, kalt und von keinerlei positiver Emotion behaftet. Was dieses, sowie seine vorangegangenen Werke so einzigartig macht. Die ständigen Satzwiederholungen, und der permanente rasante Wechsel zwischen Beschreibungen und Gedanken treten den Leser quasi noch direkter in die Geschichte hinein, lassen die dort handelnden Person bildlich und beinahe greifbar erscheinen!
Nach Peace`s gelungenem Red-Riding-Quartett ein gelungener Auftakt zur folgenden Tokio-Trilogie. Einzig verwirrend ist der Wust japanischer Namen und Ortschaften, die fremd und alle gleich klingen. Zettel und Stift sind sehr nützlich, um die Story reibungslos zu genießen.

