Rezension verfasst vor 1 Jahr
(9)
Yogakurs anstatt "Psychologie der Liebe"
Obwohl ich einer solchen Art von Buch bisher immer ziemlich kritisch gegenüberstand, habe ich mich von der Leseprobe dazu hinreißen lassen, dieses Buch zu lesen. Zum einen versprach diese den Gewinn neuer Erkenntnisse, auch wenn die Erkenntnisse an sich nicht wirklich neu waren. Doch gibt es heutzutage in unserem Leben viel zu viele Dinge, über die wir uns eigentlich kaum Gedanken machen. Ob dies daran liegt, dass wir einfach zu wenig Zeit haben oder ob wir uns im allgemeinen einfach gerne nur so wenige Gedanken wie möglich machen, sei mal dahin gestellt. Zum anderen erhoffte ich mir durch die Lektüre dieses Buches einen neuen Blickwinkel einnehmen zu können oder zumindest in Erwägung zu ziehen.
Leider wurden meine Hoffnungen nur unbefriedigend erfüllt, da die Leseprobe ein vollkommen falsches Bild über dieses Buch entstehen lässt. Schließlich werden über weite Teile des Buches hinaus Yoga- und Meditationstechniken vermittelt, anstatt sich mit der Frage zu beschäftigen, inwiefern unsere Emotionen unsere Gesundheit beeinflussen. Die Yogaübungen sind zwar verständlich erklärt und auch anschaulich abgebildet, doch ist mir noch immer schleierhaft, inwiefern einem Menschen solche Übungen dabei helfen sollen, die Fähigkeit zu lieben und geliebt zu werden zu fördern. Wie also mittlerweile vielleicht schon deutlich geworden ist, handelt es sich bei diesem Buch nicht um eine theoretische Abhandlung zum Thema Liebe und Gesundheit sondern vielmehr um ein Selbsthilfebuch für all jene mit dem Bedürfnis, ihr Selbstwertgefühl zu steigern. Für lediglich an dem Thema interessierte Leser ist dieses Werk von Dr. Simon absolut nicht zu empfehlen.
Zwar werden im Laufe des Buches immer mal wieder Aspekte angesprochen, die prinzipiell sehr interessant und einprägsam sind. So zieht der Autor z.B. in der zweiten Hälfte des Buches eine Verbindung von der Evolution zu der Frage, warum sich Menschen heutzutage einsam fühlen, wenn diese alleine sind. Schließlich seien Menschen den meisten Raubtieren physisch weitaus unterlegen und daher fanden sich diese zu Familien und Stammesgemeinschaften zusammen um ihr Überleben zu sichern. Ob diese Behauptung nun stimmt oder nicht ist letztendlich ja egal. Es macht einfach Spaß, sich über solche Dinge so seine Gedanken zu machen. Leider fand ich solche „Highlights“ nur relativ selten. Stellen, wie z.B. der „psychologische Test“, welcher ebenso gut aus einer Frauenzeitschrift heraus hätte stammen können, hinterließen doch den dauerhafteren Eindruck.
Mein Fazit also: Wenn einem bewusst ist, dass es sich bei „Liebe heilt alles“ um ein eine Art Selbsthilfebuch handelt und man sich auf diese Art und Weise vielleicht erst einmal den Beistand eines Psychologen ersparen möchte, dann mag es vielleicht recht ansprechend sein. Möchte man allerdings ein Buch lesen, welches neue gedankliche Anregungen bietet, so sollte man sich auf jeden Fall eines anderen Buches bedienen.
Mehr
Weniger
0 Kommentare