„Der Schwur der Sünderin“ ist mein erstes Buch von Deana Zinßmeister (leider habe ich nämlich erst zu spät bemerkt, dass es der zweite Band nach „Die Gabe der Jungfrau“ ist). Umso erfreulicher war es, dass ich mich trotz nicht vorhandenem Vorwissen gut in der Geschichte zurechtgefunden habe – meines Erachtens ist der erste Roman deshalb keineswegs von Nöten, um diesen hier zu lesen.
Was mir besonders gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass hierin die Geschichte des einfachen Volkes erzählt wurde. So begegnen uns auch die Probleme der Bauern und Landsknechte, wie z.B. die Hungersnot durch Missernten aufgrund von schlechten Wetterverhältnissen oder der Aberglaube der Menschen aus der Frühen Neuzeit – allem voran der Aberglaube im Bezug auf Werwölfe oder Gestaltwandler, der ein nicht wegzudenkender Bestandteil des hier dargestellten Kulturportraits ist.
Allerdings ermöglicht es Zinßmeister dem Leser auch, das Verhältnis von Wolf und Mensch aus einem anderen Blickwinkel zu begutachten. Einer der Protagonisten ist ein „Wolfsbanner“, ein Mensch, der mit den Wölfen lebt und in den Tieren nicht den Feind sieht, sondern ein ebenso wertvolles Geschöpf wie den Menschen.
Da steht es außer Frage, dass sich ein Konflikt zwischen den Ansichten über Wölfe und die Menschen, die sich mit den Tieren „zusammentun“, ergeben wird.
Bei dieser Thematik wurde die Motivation beider Parteien wirklich gut herausgearbeitet. So kann ich als Leser sowohl die Verfolger der Wölfe und Ankläger des Wolfbanners verstehen, als auch die „Pro-Wolf-Seite“. Dabei steht außer Frage, wem meine Zuneigung bei diesem Konflikt gehört.
Gleich verhält es sich bei den Charakteren. Anna Maria und Veit sind beide sehr sympathische Figuren, die sich trotz aller Probleme stets selbst treu bleiben und für das kämpfen, was sie lieben und von wem sie überzeugt sind.
Doch auch den Nebenfiguren wird genug Raum zur Entfaltung eingeräumt, sodass der Roman keinesfalls zu eindimensional bleibt. Darunter finden sich Menschen, die der Leser ebenfalls gern haben oder bei allem Verständnis auch abgrundtief hassen wird.
Die bereits im Klappentext angepriesene Liebesgeschichte war zum Glück auch nur ein Handlungsstrang von vielen und deshalb nicht dominierend. Kitsch sucht man hier vergeblich und das ist auch gut so, denn dadurch erscheint die Beziehung zwischen Veit und Anna Maria viel realistischer im Anbetracht der Ereignisse.
Da ich auch an den geschichtlichen Begebenheiten sehr interessiert bin, war es für mich ebenso erfreulich, festzustellen, dass die Autorin ihren Lesern eine ausreichend gute Beschreibung des damaligen Lebens liefert. Eine Karte vom Deutschland (1525/26) und ein Personenregister am Anfang des Buches ermöglicht einem auch eine gute Orientierung, sodass ich keinerlei Probleme damit hatte, mich bei den Örtlichkeiten und Charakteren zurechtzufinden.
Deshalb gibt es für mich auch nur einen kleinen negativen Kritikpunkt an diesem Buch und das ist der Schreibstil. Zinßmeister weiß sich durchaus auszudrücken und einen flüssigen Text zu Papier zu bringen, doch durch den auktoriale und teilweise ein wenig zu stark nüchternen Erzählstil hat mir an so mancher Stelle ein Bild der Gefühlslage der Protagonisten gefehlt. Ich habe die Personen agieren sehen, aber richtig berührt haben sie mich dabei nicht immer – nicht immer, d.h., das war keineswegs ein durch den ganzen Roman hindurch auftretendes „Phänomen“.
Ich vermag demnach zu sagen, dass „Der Schwur der Sünderin“ ein unterhaltsamer, interessanter und, durch die Thematik und der daraus resultierende Konfliktsituation aufgrund von Aberglaube bedingt, auch spannender Roman war, den ich gerne gelesen habe.
Ich bin gespannt, wohin und Deana Zinßmeister in ihrem nächsten Buch entführt und freue mich darauf, es herauszufinden!