Rylee Monroe führt beruflich die Hunde reicher Leute im noblen Charleston aus. Sie liebt die Hunde und die Hunde lieben sie, doch seit ein Dieb sein Unwesen in Charleston treibt und Rylee ihn einmal auf frischer Tat erwischt hat, fühlt sich die junge Frau unbehaglich.. Auf ihren nächtlichen Spaziergängen scheint sie immer wieder verfolgt zu werden. Der Dieb, der das Nobelviertel unsicher macht, stiehlt Dinge, die keinen besonders hohen finanziellen, sondern eher einen emotionales Wert für ihre ehemaligen Besitzer haben. Diese spendet er an wohltätige Organisationen oder gibt sie ärmeren Menschen. So hat er sich in der Presse den Namen "Robin Hood" erworben. Auf einem Spaziergang lernt Rylee den Reporter kennen, der dem Dieb eben diesen Namen verpasst hat. Logan Woods arbeitet an einer Story über die Einbruchserie und Rylee rückt immer mehr in den Mittelpunkt seiner Ermittlungen - und in den der Polizei. Aber sollte die hübsche Frau tatsächlich an den Verbrechen beteiligt sein? Logan kann sich das beim besten Willen nicht vorstellen. Während die beiden Gefühle für einander entwickeln, muss Rylee feststellen, dass sie tatsächlich irgendwie in die Einbruchserie verwickelt ist. Nur wie?
*
Dies war mein erster Roman, den ich aus einem christlichen Verlag gelesen habe. Doch er entpuppte sich als ganz anders als erwartet. Christliche Themen wurden nur am Rande der eigentlichen Handlung angeschnitten und nahmen daher keinen großen Raum in dem Roman ein. Gerade dadurch wurden sie für den Leser allerdings umso prägnanter und man nahm die vielen kleinen Hinweise und Ratschläge viel offener und bereitwilliger auf, als wenn der ganze Roman von christlichen Anspielungen durchzogen gewesen wäre. Daher kann ich "Auf verborgenen Wegen" auch denjenigen empfehlen, die mit Religion vielleicht nicht allzu viel am Hut haben. Wer sich dem Thema allerdings ganz sanft annähern will, findet in dem Roman sicherlich erste gute Hilfestellungen.
*
Beim Schreibstil ist mir aufgefallen, dass es teilweise an der Übersetzung ein wenig zu holpern scheint. Einige Sätze wirken gestellt, sodass man das eine oder andere mal über einen Satz stolpert, den man zweimal lesen muss, um seinen Sinn zu begreifen. Ansonsten lässt sich der Roman aber sehr flüssig lesen!Angenehm fand ich auch, dass sowohl aus Logans als auch aus Rylees Sicht erzählt wird. So nimmt man die Handlung aus zwei verschiedenen Perspektiven war und kann alles ein wenig objektiver betrachten. Außerdem bringt dieser Erzählweise den Leser näher an die beiden Protagonisten heran. Man kann ihre Handlungen nachvollziehen und sich so besser mit ihnen identifizieren.
*
Generell waren mir beide Protagonisten sehr symphatisch. Rylee steht mit beiden Beinen fest im Leben und kümmert sich aufopferungsvoll um ihre Großmutter. Diese ist die einzige, die von ihrer Familie noch geblieben ist, nachdem ihr Vater sie und ihre Mutter verlassen hat und ihre Mutter daraufhin eine Überdosis Schlaftabletten nahm. Dieser Großmutter möchte Rylee ein Leben in einem der besten Pflegeheime ermöglichen. Daher arbeitet sie sehr hart, um nebenbei auch noch die Miete für ihre eigene, heruntergekommene Wohnung zahlen zu können. Schon alleine diese uneigennützige Liebe zu ihrer Großmutter machte mir Rylee sofort sympathisch. Aber auch ihre Art, alles kritisch zu hinterfragen und niemandem blind zu vertrauen, fand ich sehr erfrischend.
Logan macht während des Romans einen ziemlichen Wandel durch. Erst ist er eigentlich nur auf eine gute Geschichte aus, doch er merkt schnell, dass zwischen ihm und Rylee mehr ist und, dass er ihre zarte Liebe nicht durch Karrierebesessenheit zerstören will. Er unterstüzt Rylee wo er nur kann. Die Passagen, in denen beide zusammen auftreten, haben mir besonders gut gefallen, da die Dialoge zwischen den beiden raffiniert und teilweise sehr humorvollsind. Man merkt richtig, wie beide unter der Zuwendung des anderen aufblühen.
*
Auch wenn "Auf verborgenen Wegen" einfach nur als Roman betitelt ist, hat es dieser Roman spannungsmäßig doch ziemlich in sich. Er trumpft durch ein hohes Erzähltempo und schockierende Szenen, die dem Leser das Blut in den Adern gefrieren lassen, auf. Die Szenen sind nie blutig oder eklig, sie sind eher verstörend, da sie meist Eingriffe auf die Intimsphäre der betroffenen Personen darstellen.
Die Autorin kann die Spannung konstant aufrecht erhalten und auch wenn ich recht schnell eine Vermutung hatte, wer hinter der Sache stecken könnte, die sich als richtig erwies, war der Schluss dennoch recht überraschend für mich.
*
Allerdings gab es auch einige kleinere Aspekte, die ich als störend empfand. Neben der teilweise holprigen Übersetzung ist da die Beschreibung der Protagonisten zu nennen. Auf das Äußere der Charaktere wird sehr detailliert eingegangen. Platz für eigene Imaginationen bleibt kaum. Das wäre meiner Meinung nach allerdings noch nicht schlimm gewesen, wenn die Autorin nicht ständig darauf eingegangen wäre, wie gut Logan und Rylee aussehen. Immer wieder wird von seinem muskulösen Körper und ihren langen, schlanken Beinen geschwärmt. Diesen Aspekt empfand ich mit der Zeit als recht nervig.
Zudem hätte ich mir eine genauere Beschreibung der Beweggründe des Einbrechers gewünscht. Diese blieb meiner Meinung nach ein wenig dürftig.
*
Ansonsten hat mir "Auf verborgenen Wegen" aber sehr gut gefallen. Letztendlich zu erwähnen ist noch, dass Deeanne Gist den Roman in Zusammenarbeit mit J. Mark Bertrand geschrieben hat. Dieser ist Autor von Kriminalromanen, während sie sich eher auf romantische Liebesgeschichten spezialisiert zu haben scheint. Beide Genre zusammen ergaben dann letztendlich "Auf verborgenen Wege". Genau das macht den Roman auch aus: spannende kriminalistische Elemente, eingebettet in einer romantischen Liebegeschichte.
"Auf verborgenen Wegen" bekommt von mir 4 Sterne. Ich kann diesen Roman jedem empfehlen, der bei einer rasanten und spannenden Handlung nicht auf eine zarte Liebesgeschichte verzichten möchte.