So wie das Wasser
den Felsen umspült
verläuft die Zeit in Schleifen
„Diese Art von Poesie war düsterer als die Ségolènes, dramatischer, jedoch nicht minder beschwörend: Grandprés Haikus ließen einen ebenfalls die Dinge sehen, wenn auch durch eine verdunkelte Linse. Es waren an die hundert. Leider gab es keine Nummerierung. Nichts wies daraufhin, in welcher Reihenfolge sie verfasst oder an Ségolène verschickt worden waren. Keinerlei Indiz ließ darauf schließen, welches Haiku das Letzte war, das seine Adressatin nie erreichte.“
Bilodo ist 27 und Briefträger, doch er hat ein Geheimnis. Nach Dienstschluss labt er sich an den Korrespondenzen anderer, öffnet heimlich ihre Briefe, lebt sich in ihre Leben ein und verliebt sich in Ségolène und die Leichtigkeit ihrer Haikus.
Doch dann passiert das Unglück: Ségolènes Briefpartner Grandpré wird von einem Lastwagen erfasst und getötet, als er versucht, in letzter Minute dem Briefträger einen Brief für Ségolène zu überreichen. Das scheint für Bilodo das Ende dieser wunder vollen Briefe, denn unglücklicherweise ist der Brief mit Ségolènes Adresse zusammen mit den Regengüssen im Kanalsystem verschwunden.
Bilodo weiß nicht mehr weiter und seine Gedanken kreisen tagtäglich, jede Stunde, jede Minute nur um Ségolène. Bis eines Tages Grandprés Wohnung zu vermieten ist und Bilodo eine Chance sieht, den Briefkontakt mit Ségolène wieder aufzunehmen, natürlich im Namen Grandprés. Was dann passiert, lest ihr lieber selbst!
Das Buch hat in mir von Anfang an sehr hohe Erwartungen geweckt, gerade weil es den kanadischen Literaturpreis bekommen hat. Leider konnten sie nicht ganz erfüllt werden. Es waren zwar schöne Haikus dabei und die Geschichte an sich ist auch recht nett, jedoch kam mir Bilodo sehr befremdlich vor, seine Ansichten scheinen oft sehr suspekt bzw. mir fiel es stellenweise sehr schwer, seine Handlungen nachzuvollziehen. Ich fand, dass in diesem Buch zwar Gefühle geschildert wurden, das alles aber nicht gefühlvoll genug ausgedrückt war, um bezaubernd zu sein. Wer es ein bisschen durchgeknallt mag oder mal etwas anderes als üblich lesen will, ist mit dem Buch auf der richtigen Seite, wer an die Kraft der Poesie glaubt ebenfalls, wer Haikus mag sowieso, wer etwas sucht, das das Herz zu Tränen rührt oder auf Happy Ends nicht verzichten kann, sollte sich lieber etwas anderes holen. Auf jeden Fall kann man sagen, dass dieses Buch alles andere als oberflächlich ist, die Geschichte ist sehr gut durchdacht und gibt einen guten Einblick in ein Leben, das frei von Kommerz und voller Einsamkeit ist.